"Bright 2": David Ayer löst Max Landis ab und schreibt selbst das Drehbuch zum Sequel seines Netflix-Blockbusters
Von Björn Becher — 03.01.2018 um 18:55
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„Bright“ ist die bisher erfolgreichste Netflix-Filmproduktion und es war schnell klar, dass „Bright 2“ kommen soll. Mit der offiziellen Ankündigung wurde nun zugleich ein Wechsel hinter den Kulissen verkündet, der noch für Diskussionen sorgen könnte.

Schon direkt nach dem weltweiten Start von „Bright“ am 22. Dezember 2017 auf Netflix wurde bekannt, dass es eine Fortsetzung geben wird. Nun machte Netflix die Ankündigung auch offiziell. In einem kurzen Spaß-Video bewerben sich mögliche Ork-Darsteller für die Fortsetzung, wobei der Streamingdienst Selbstironie zeigt, sogar das offensichtliche Vorbild „Alien Nation“ erwähnt und eingesteht, dass man noch keine Ahnung hat, was der Titel von „Bright 2“ sein wird.

Im Rahmen der Ankündigung wurde aber auch ein interessanter Wechsel hinter den Kulissen bekannt. David Ayer wird bei „Bright 2“ nicht nur Regie führen, sondern auch das Drehbuch schreiben. Auf den ersten Blick ist das nicht so überraschend, schließlich begann Ayer eigentlich als Autor (u. a. „Training Day“) seine Karriere und schrieb zu seinen vorherigen Filmen wie „Suicide Squad“ oder „Herz aus Stahl“ immer selbst das Skript. Nur bei „Brighr“ war dies anders.

Denn ersonnen wurde „Bright“ von „Chronicle“-Autor Max Landis, der sehr offensiv damit in Hollywood hausieren ging, dass er ein Franchise erschaffen habe, von dem man noch viel hören wird. Er bezeichnete es als sein „persönliches ‚Star Wars‘“. Die Interessenten standen Schlage und Netflix bekam schließlich den Zuschlag – und zwar nicht nur, weil man Landis eine Summe im Bereich von angeblich drei bis vier Millionen Dollar zahlte, sondern auch eine besondere Bedingung des Autors akzeptierte: Der Streamingdienst musste sich verpflichten, David Ayer als Regisseur zu verpflichten, denn Landis schrieb das Skript mit Ayers Inszenierungsstil im Kopf.

Die FILMSTARTS-Kritik zu "Bright"

Unklar ist allerdings, was danach passierte. Landis, der auf sozialen Netzwerken wie Twitter und Instagram sehr lautstark ist, meldete sich immer weniger in Sachen „Bright“ zu Wort. Es machten Gerüchte die Runde, dass Ayer das Drehbuch massiv überarbeitet. Dabei soll er unter anderem die Mythologie kräftig reduziert und die politischen Zwischentöne massiv verstärkt haben. Von Landis war wenig zu hören. Auf Twitter machte er rund um den Netflix-Start des Films nur Werbung für die letzte Staffel seiner Serie „Dirk Gentlys holistische Detektei“, die ebenfalls in vielen Ländern auf dem Streamingdienst läuft.

Zu dem Fantasy-Actioner mit Will Smith verlor er kaum ein Wort. In einer Instagram-Story, also einem Format, das immer nur kurzzeitig online ist, soll er in Bezug auf „Bright“ über Goldene Himbeeren, also die Anti-Oscars, die Auszeichnungen für die schlechtesten Filme des Jahres gesprochen haben – lobende Worte klingen anders. Als „Bright“ massiv verrissen wurde, blieb Landis ebenfalls ruhig, obwohl er sich eigentlich regelmäßig auf Twitter mit Kritikern anlegt. Wenige Ausnahmen blieben der Verweis, dass die besonders umstrittene Textzeile „Fairy Lives Don't Matter“, eine Anspielung auf die „Black Lives Matter“-Bewegung, nicht von ihm stamme.

Dass Landis nur vermutet, dass Will Smith diese Zeile beim Dreh improvisiert hat, es aber nicht weiß, unterstreicht noch einmal, dass er scheinbar bereits in den Dreh nicht mehr eingebunden war - ebenso die Aussage, dass er selbst nicht wisse, wie ein Film wie „Shrek“ in einer Welt existieren kann, in der es Orks wirklich gibt.

Die schon bereits seit Wochen kursierenden Gerüchte bewahrheiten sich wohl: Landis wurde bei seinem eigenen, von ihm selbst entwickelnden Franchise ausgebootet.

Ob es nur daran liegt, dass man bei Netflix mehr den Ideen von David Ayer vertraut, wie die Geschichte weiter zu erzählen ist, als den Plänen, die Landis von Anfang an für eine Trilogie hatte, steht aber nicht fest. Max Landis sieht sich aktuell – wie viele andere Filmschaffende auch – mit sehr heftigen Belästigungsvorwürfen gegenüber Frauen konfrontiert. Dass Netflix in dieser Hinsicht hart durchgreifen will, zeigt unter anderem die Entlassung von Kevin Spacey bei „House Of Cards“. Sehr gut denkbar ist daher auch, dass sich Netflix wegen der Vorwürfe von Landis distanzieren will und nur deswegen „Bright“ in die Hände von Ayer legt.

"Bright": Regisseur David Ayer reagiert auf die harsche Kritik

Was der umstrittene Landis für ein „Bright“-Universum im Sinne hatte, werden wir wohl nie erfahren, denn nun erzählt David Ayer die Geschichte von einem Cop (Will Smith), der als erster Mensch mit einem Ork (Joel Edgerton) zusammenarbeiten muss, weiter. Im ersten Teil wurde vieles aus der Welt, in der Menschen und Fabelwesen mit großem Misstrauen und noch größerer Abneigung nebeneinander leben, nur angedeutet. Ayer hat also viel Raum, seine Gedanken und Ideen weiter zu verwirklichen.

Netflix dürfte derweil vor allem hoffen, dass das Sequel ein so großer Erfolg wie der Vorgänger wird. Der avancierte nämlich - nach Auskunft des sonst mit der Veröffentlichung von Zahlen sehr zurückhaltenden Dienstes - in allen 190 Ländern, in denen Netflix verfügbar ist, zum meistgeschauten Film der Plattform. Das eigentlich für die TV-Quoten zuständige Marktforschungsinstitut Nielsen Media ermittelte, dass allein in den ersten Tagen mehr als elf Millionen Amerikaner den Film über ihr TV-Gerät geschaut haben – nicht enthalten sind dabei Zuschauer über den PC, das Tablet oder das Smartphone. Im Rest der Welt sollen die Zahlen noch höher sein. „Bright“ habe so mehr Zuschauer in den ersten drei Tagen angelockt, als es ein großer Hollywood-Blockbuster meist in einem solchen Zeitraum schafft – wobei dieser Vergleich natürlich gehörig schief ist, denn bequem vom Sofa einfach mal einen Film zu starten, ist natürlich leichter, als sich zu einem Kinobesuch aufzuraffen und dafür dann auch noch zu bezahlen.

Je nachdem wie weit David Ayer mit der Arbeit am Drehbuch schon vorangekommen ist und wie schnell er sie abschließen kann, könnte „Bright 2“ übrigens bereits Ende 2018 auf Netflix verfügbar sein. Wahrscheinlicher ist aber eine Veröffentlichung 2019.

 

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