Rückzieher nach Shitstorm: Neue Blockbuster-Kategorie noch nicht bei Oscars 2019
Von Markus Trutt — 07.09.2018 um 09:58
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Als die Academy bekannt gab, bei der kommenden 91. Oscarverleihung eine neue Kategorie für den Besten populären Film einzuführen, zog das jede Menge Kritik nach sich. Nun überdenken die Verantwortlichen ihre Entscheidung noch einmal.

Um den sinkenden Einschaltquoten der Oscars entgegen zu wirken, gab die Academy Of Motion Picture Arts And Sciences Anfang August 2018 mehrere Änderungen für die 91. Verleihung des Filmpreises im nächsten Jahr bekannt. Die umstrittenste darunter war wohl die Einführung einer 25., komplett neuen Kategorie für den Besten populären Film. Wie nun unter anderem The Hollywood Reporter und Variety berichten, wird diese Idee nun erstmal ausgesetzt und neu bewertet, nachdem sie viel Gegenwind bekam.

Massive Kritik

Mit der neuen Oscar-Kategorie wollte man sowohl Blockbuster wie die MCU-Filme und „Star Wars“ als auch etwas kleinere Filme ehren, die ein großes Publikum gefunden haben, wie zuletzt etwa der Horror-Thriller „A Quiet Place“ oder die Komödie „Crazy Rich“. Damit erhoffte man sich wohl nicht zuletzt wieder ein gesteigertes Interesse bei Freunden des Mainstream-Kinos, schließlich bekamen solche Filme in den vergangenen Jahren meist wenn überhaupt nur Nominierungen in den technischen, nicht aber in größeren Hauptkategorien.

Bei vielen Filmschaffenden und -Fans gleichermaßen traf die Ankündigung allerdings auf wenig Gegenliebe. Schauspieler Rob Lowe etwa sprach gar davon, dass das Film-Business damit beerdigt wurde. Viele andere Reaktionen schlugen in eine ähnliche Kerbe, oft war die Rede davon, dass die neue Kategorie zu einer unnötigen Trennung und quasi einer Zwei-Klassen-Film-Gesellschaft führen würde.

Weitere Diskussion nötig

Auch wenn es in der offiziellen Erklärung der Academy zur Verschiebung der Kategorie etwas beschwichtigend heißt, dass es eine große Bandbreite an Reaktionen gab, dürfte man sich auch dort der überwiegend negativen Stimmen sehr bewusst sein, die nun „weitere Diskussionen mit den Mitgliedern“ der Organisation nötig machen. Thema werden dabei sicherlich auch noch einmal die Kriterien für die potentielle neue Kategorie sein. Dass die Academy diese bislang schuldig blieb, war ebenfalls Auslöser vieler kritischer Reaktionen.

Als Grund für den (vorläufigen) Rückzieher wird angegeben, dass die Verkündung der neuen Kategorie nach acht Monaten des aktuellen Jahres Schwierigkeiten für Filme darstellen würde, die bereits erschienen sind. Obgleich die Rede davon ist, dass die Oscars stets weiterentwickelt werden sollen, ohne das Vermächtnis der letzten 90 Jahre mit Füßen zu treten, ist es nach dem Aussetzen der Einführung aber auch denkbar, dass die neue Oscar-Kategorie doch noch gänzlich fallen gelassen wird.

Academy-Präsident verteidigt Idee

Nach wie vor ein großer Befürworter der neuen Oscar-Kategorie ist Academy-Präsident John Bailey, der nicht mit einer solchen Aufregung gerechnet hätte und der vor allem von Journalisten kommenden Kritik auch wenig Verständnis entgegen bringt, wie er nun dem Hollywood Reporter gegenüber deutlich machte:

„Ich verstehe nicht, warum das passiert ist, da das die gleichen Leute sind, die die Academy dafür kritisiert haben, irrelevant zu sein und sich nicht nach dem Geschmack der Kinogänger zu richten. Die gleichen Leute, die uns für Irrelevanz und elitäres Denken kritisiert haben, sind nun plötzlich die Sittenwächter, die von einer Zensur der Oscars reden.“ Bailey erhofft sich durch das Überdenken des Vorschlags mehr Unterstützung bei den anderen Academy-Mitgliedern, ist sich jedoch nicht sicher, ob es 2020 dann mit der Einführung der Kategorie klappt.

Andere Änderungen bleiben bestehen

Nicht ausgesetzt werden hingegen die weiteren Änderungen am Prozedere der Oscarverleihung, die zusammen mit der Vorstellung der neuen Kategorie verkündet wurden. So soll nach wie vor daran festgehalten werden, die Veranstaltung auf drei Stunden zu beschränken. Die kürzere Dauer wolle man dadurch erreichen, dass die Preise in kleineren Kategorien (wie etwa für Kurzfilme oder technische Leistungen) künftig in der Werbepause verliehen werden sollen und es später bei der eigentlichen Show dann lediglich einen Zusammenschnitt davon gibt. Die Rede ist hier nun von sechs bis acht Kategorien, die allerdings von Jahr zu Jahr etwas rotieren sollen.

Weiterhin wurde bestätigt, dass die 92. Oscarverleihung 2020 nicht erst Ende Februar, sondern bereits am 9. Februar stattfinden wird. Die kommende Vergabe des Filmpreises erfolgt hingegen noch am 24. Februar 2019, die Nominierungen dafür werden am 22. Januar bekannt gegeben.

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