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Golden Globes 2019: Die Gewinner in den Kino-Kategorien
Von Christoph Petersen — 07.01.2019 um 05:35
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Vergangene Nacht wurden in Los Angeles von der Hollywood Foreign Press Association zum 76. Mal die Golden Globes verliehen. Wir sagen euch, wer die goldenen Statuen in den Kino-Kategorien abgeräumt hat:

1. +

Bester Film

Der Abend endete mit einem Knall. Schließlich werden die Golden Globes von der Hollywood Foreign Press Association (HFPA) und damit von einer Gruppe von internationalen Filmjournalisten vergeben. Und trotzdem geht der Hauptpreis für das Beste Drama des Jahres nun an einen Film, der zwar weltweit megaerfolgreich war, aber bei seinem Kinostart allenfalls mittelmäßige Kritiken geerntet hat: Bryan Singers Queen-Biopic „Bohemian Rhapsody“. Auf der anderen Seite ist die HFPA natürlich bekannt dafür, gerne der populären Meinung zu folgen – und unter diesem Blickwinkel passt die Auszeichnung dann vielleicht doch ganz gut. Wobei die mitfavorisierten Filme „A Star Is Born“ und „Black Panther“ nach der Nicht-Nominierung von „Roma“ (der dafür allerdings ohne eine Film-Nominierung den Preis als Bester Regisseur gewonnen hat) wohl ähnlich populär getriebene Entscheidungen gewesen wären.

Der Golden Globe für „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ ist zumindest eine kleine Überraschung. Schließlich gab es mit „The Favourite“ und „Vice – Der zweite Mann“ gleich zwei bissigere, auch formal ambitioniertere Filme, die man als Beste Komödie hätte auszeichnen können. Aber die HFPA geht den denkbar klassischsten Weg – und mit gleich drei Golden Globes dürfte der erste dramatischere Film von Comedy-Spezialist Peter Farelly („Dumm und dümmer“, „Verrückt nach Mary“), nachdem er zuletzt ein wenig an Boden zu verlieren schien, noch mal einen ordentlichen Schub für die anstehenden Oscars bekommen haben.

Die Auszeichnung von Alfonso Cuaróns Netflix-Meisterwerk „Roma“ als Bester fremdsprachiger Film dürfte exakt niemanden überrascht haben. Schließlich gilt das Schwarz-Weiß-Epos noch immer als ernstzunehmender Oscar-Kandidat für den Besten Film des Jahres. Florian Henkel von Donnersmarck ist für den deutschen Beitrag „Werk ohne Autor“ also leider, wenn auch erwartbar leer ausgegangen. Als Bester Animationsfilm wurde ebenfalls erwartungsgemäß „Spider-Man: A New Universe“ ausgezeichnet, der damit vor „Die Unglaublichen 2“ und „Ralph reichts 2“ endgültig auch als fast sicherer Favorit für die Oscars gilt. Wer hätte das zu Beginn des Jahres gedacht, dass ausgerechnet ein Marvel-Animationsfilm der Konkurrenz von Disney und Pixar die eigentlich gepachteten Preise reihenweise vor der Nase wegschnappt?

Beste Schauspieler

Der Sieg von Glenn Close für „Die Frau des Nobelpreisträgers“ über Lady Gaga in „A Star Is Born“ ist eine faustdicke Überraschung. Aber vermutlich lag die Entscheidung zum Teil auch daran, dass es für Close eben einfach mal Zeit wurde. Trotz sechs Oscar-Nominierungen hatte sie bisher noch keinen der Goldjungen und auch noch keinen Golden Globe in einer Kino-Kategorie mit nach Hause nehmen dürfen – und das war dann ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach nur noch lächerlich, schließlich zählt Close fraglos zu den besten Hollywood-Schauspielerinnen aller Zeiten. Nun hat die HFPA eben die Chance genutzt, diese Scharte wieder auszuwetzen. Weniger überraschend ist hingegen der Sieg von Rami Malek für seine Rolle als Freddie Mercury in „Bohemian Rhapsody“. Der Film selbst hat zwar wie gesagt nicht so gute Kritiken geerntet, aber das lag definitiv nicht an der überragenden Performance des Hauptdarstellers. Trotzdem wird es für einen Oscar wohl nicht reichen – den Grund dafür findet ihr ein paar Zeilen weiter unten in diesem Text.

Selbst wenn sie heute nur den Comedy-Preis gewonnen hat, gilt Olivia Colman bei den Oscars sehr wohl als ernstzunehmende Konkurrentin von Lady Gaga. Und das übrigens auch völlig zu Recht: Was sie als Königin Anne in Yorgos Lanthimos‘ rabenschwarzer Kostüm-Groteske „The Favourite“ an der Seite von Emma Stone und Rachel Weisz abzieht, ist schlichtweg unglaublich. Wenn es nur um Qualität gehen würde, müsste sie auf jeden Fall gewinnen. Der wohl am wenigsten überraschendste Golden Globe des Abends ging an Christian Bale, der für seine Rolle als Ex-US-Vizepräsident Dick Cheney mal wieder etliche Kilo zugenommen hat und nicht nur deshalb absolut verdient als Bester Hauptdarsteller in einer Komödie ausgezeichnet wurde. Sein erster Hauptdarsteller-Oscar (nach seiner Auszeichnung als Nebendarsteller in „The Fighter“) scheint ihm für seine Leistung in der Polit-Satire „Vice – Der zweite Mann“ von „The Big Short“-Mastermind Adam McKay zu diesem Zeitpunkt kaum noch zu nehmen zu sein.

Regina King gilt für ihre Leistung in Barry Jenkins‘ „Moonlight“-Nachfolger „Beale Street“ ebenfalls schon länger als Oscar-Favoritin, wurde dann aber von der wichtigen Screen Actors Guild nicht einmal nominiert. Der Sieg bei den Golden Globes ist für sie deshalb ein sehr wichtiger Schritt, um nicht auch noch von den Oscar-Wählern übersehen zu werden. Nachdem ihm mit seiner Rolle in „Moonlight“ der Nebendarsteller-Durchmarsch bis zu den Oscars gelungen ist, gilt Mahershala Ali für seine Rolle als gegen den Rassismus kämpfender Starpianist in dem auf wahren Ereignissen basierenden „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ nicht unbedingt als Oscar-Topfavorit. Aber den Golden Globe hat er trotzdem schon mal gewonnen – und damit ist jetzt doch wieder alles möglich.

Regie und Drehbuch

Selbst wer die Netflix-Produktion „Roma“ nicht für eine (Kino-)Revolution hält, muss anerkennen, dass das, was Alfonso Cuarón hier visuell und vor allem auf der Tonspur mit einem völlig neuartigen Surround Sound anstellt, schlichtweg eine brillante Meisterleistung ist. Wie schon bei „Gravity“ denkt Cuarón das Medium Film einfach konsequent neu – und hat sich diesen Preis damit absolut verdient. Die Oscar-Wähler könnten ein Problem damit haben, ausgerechnet einen Streaming-Film zum Besten Film des Jahres zu küren. Aber an Cuarón als Bester Regisseur werden wohl auch sie kaum noch vorbeikommen.

Nick VallelongaBrian Hayes Currie und Regisseur Peter Farrelly haben mit ihrem Skript zu „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ eine sehr klassische Geschichte über den Rassismus in den Südstaaten in den 1960er Jahren geschrieben. Viele finden sogar, dass es ein zu klassischer Film ist, der nicht mehr so recht in die heutige Zeit passt. Aber der HFPA ist das egal, sie haben die handwerklich perfekt umgesetzte wahre Story nicht nur als Bestes Drama, sondern auch für das Beste Drehbuch des Jahres mit einem Golden Globe ausgezeichnet. Mit drei Golden Globes ist die Tragikomödie damit DER Gewinner des Abends.

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