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3.5 - Gut
„Julie & Julia“ wird man vor allem eines zugute halten können: eine ziemlich originelle Plot-Idee. Nicht erst seit „Short Cuts“ hat sich ja in der Filmbranche herumgesprochen, dass eine Geschichte, die für sich genommen nicht das Zeug zu einem abendfüllenden Spielfilm hat, rasch dadurch kinotauglich werden kann, dass man sie mit einer oder mehreren anderen verschränkt. So läuft der Hase auch hier. Romantik-Expertin Nora Ephron hat zwei Geschichten auf zwei Zeitebenen geschickt miteinander kombiniert. Auf der einen lernen wir die schrullige Diplomaten-Gattin Julia Child kennen, die es an der Seite ihres Mannes anno 1949 in die Hauptstadt Frankreichs und der Haute-Cuisine verschlagen hat. Hier nicht kochen zu können, sagt sich Julia, das ist so, als würde man auf dem Mond ohne Sauerstoffflasche herumlaufen, und beteiligt sich – als Amerikanerin in Paris, wie man befürchten konnte, zunächst mit mäßigem Erfolg – an Kochkursen. Am Ende erweist sie sich dann doch als gelehriger, als die meisten ihrer Lehrer ihr zugetraut hätten, und aus den jahrelangen Studien rund um den Globus geht ein Kochbuch mit 524 Rezepten sowie eine eigene TV-Show hervor. Beides würde Tim Mälzer und Johann Lafer vor Neid erblassen lassen. Aber um die geht es hier zum Glück nicht, sondern um Julias Namensvetterin Julie Powell, verkörpert von Amy Adams, die schon in „Glaubensfrage“ die eindrucksvoll aufspielende Filmpartnerin von Meryl Streep war. Die von einer verfrühten Midlife-Krise heimgesuchte Julie kommt auf die Wahnsinns-Idee, alle 524 Rezepte aus dem fünfzig Jahre nach deren Anfängen in Paris längst zum gastronomischen Klassiker gewordenen Kochbuch von Julia Child in einem einzigen Jahr nachzukochen, und das Ergebnis in einem Internet-Blog zu kommentieren. Da ist die Beziehungskrise programmiert und Julie wird beweisen müssen, ob Liebe wirklich durch den Magen geht.
Auch wenn sie gerade keine Zwiebeln schneidet, treibt einem Meryl Streep in ihrer schon wieder oscarreifen Verkörperung der exzentrischen Exil-Amerikanerin die Tränen in die Augen, die Lachtränen wohlgemerkt. Der komischen Köchin fliegen vor allem deswegen alle Herzen zu, vornehmlich die des Zuschauers, weil Streep sie als herrlich unprätentiös darstellt. (Eine Film-im-Film-Parodie auf Julia Childs spätere TV-Kochsendung gehört übrigens zu den komödiantischen Sahnehäubchen des Kinojahres und lohnt bereits die Kinokarte.)
Streep bestätigt in beeindruckender Form Gerüchte, wonach Filme, in denen sie mitwirkt, nicht schlecht sein können, und auch Amy Adams (immerhin auch schon zweimal für den Oscar nominiert) ringt ihrem wesentlich hausbackeneren Charakter genügend ab, damit man sich auch für deren etwas laue Geschichte noch erwärmen kann, was in Anbetracht der Thematik rund ums Kochen vor allem Frauen nicht schwer fallen dürfte.
Hinzugefügt am 23.08.2009 um 17:50 Uhr
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