Rapunzel - Neu verföhnt
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Rapunzel - Neu verföhnt

4,0


Von Christoph Petersen

Es ist inzwischen schon etliche Dekaden her, dass 1937 sieben hart arbeitende Zwerge einer Prinzessin mit schneeweißer Haut und ebenholzfarbenem Haar auf der Flucht vor ihrer eitlen Stiefmutter bei sich Unterschlupf gewährten. Doch auch wenn sich die klassischen, handgezeichneten Bilder von damals kaum noch mit der heutigen 3D-Computertechnik vergleichen lassen, hat sich seit „Schneewittchen und die sieben Zwerge" im Animationsgenre weniger getan als man annehmen könnte. Denn auch Disneys 50. Animationskinofilm, die aufgebrezelte Märchen-Adaption „Rapunzel - Neu verföhnt" der „Bolt - Ein Hund für alle Fälle"-Regisseure Nathan Greno und Byron Howard, begeistert noch immer mit den altbewährten Disney-Qualitäten: Mit dem Herz am rechten Fleck, eingängigen Ohrwurm-Songs des achtfachen Oscar-Preisträgers Alan Menken („Die Schöne und das Biest", „Aladdin") und einem ganzen Haufen unvergesslicher Charaktere - von der mit einer Bratpfanne um sich schlagenden Titelfigur bis zum urkomischen Chamäleon-Sidekick Pascal - setzt der Jubiläumsfilm Disneys Aufschwung fort, der nach längerer Durststrecke (man erinnere sich nur an allenfalls durchschnittliche Animationsware wie „Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt", „Der Schatzplanet" oder „Tierisch wild") im vergangenen Jahr mit „Küss den Frosch" seinen Anfang nahm.

Wegen ihres magischen Haares, das jedem, der an ihm reibt, ewige Jugend verleiht, wurde Rapunzel (im Original: Mandy Moore; in der deutschen Fassung: Alexandra Neldel) bereits als Baby von der bösen Mutter Gothel (Donna Murphy) entführt und in einen abgelegenen Turm gesperrt. Inzwischen ist Rapunzel, die Gothel für ihre wahre Mutter hält und sich nicht mehr daran erinnern kann, dass sie selbst die wahre Prinzessin des Königreichs ist, 18 Jahre alt und ihr wallend blondes Haar hat eine stolze Länge von mehr als 20 Metern erreicht. Ihr größter Wunsch ist es, einmal die Welt da draußen zu erkunden. Die Chance hierzu klettert in Form des vor den Wachen des Königs fliehenden Diebes Flynn Rider (Zachary Levy; Moritz Bleibtreu) durchs Fenster. Ihm luchst Rapunzel das Versprechen ab, sie durchs Land zu führen, als Gegenleistung soll er ein wertvolles Diadem erhalten. Bei ihrer abenteuerlichen Reise kommen sich der charmante Ganove und die unbedarfte Prinzessin unweigerlich näher. Doch Mutter Gothel ist den beiden Turteltäubchen bereits dicht auf den Fersen...

Die Macher steckten bereits seit einem halben Jahr in der Produktion, als sie erfuhren, dass sie da gerade an Disneys Jubiläumsfilm werkeln. Deshalb ist es in erster Linie dem Zufall zu verdanken, dass „Rapunzel – Neu verföhnt" nun tatsächlich wie eine Zelebration von mehr als 70 Jahren Disneykino anmutet. Und das liegt nicht nur an jener Szene, in der Tausende entflammter Laternen vor dem disneytypischen Märchenschloss in den Nachthimmel emporsteigen, auch sonst fühlt sich der Film mitunter fast wie ein Best-Of der großen Disney-Klassiker an. Alle dazu nötigen Zutaten sind vorhanden: Genau wie „Schneewittchen und die sieben Zwerge" basiert nun auch „Rapunzel – Neu verföhnt" auf einem Märchen der Gebrüder Grimm, das Autor Dan Fogelman („Cars") noch einmal mächtig aufgepimpt hat (einem Film, der nur in einem Turm spielt, wäre wohl auch schnell die Luft ausgegangen). Zudem reiht sich Rapunzel als besonders schlagfertige Vertreterin ihrer Zunft, die ihre männlichen Zeitgenossen auch gerne mal mit der Bratpfanne ins Reich der Träume schickt, nahtlos in die Historie starker Disney-Prinzessinnen von Schneewittchen über Arielle („Arielle, die Meerjungfrau") und Belle („Die Schöne und das Biest") bis hin zu Tiana („Küss den Frosch") ein.

Absolutes Prunkstück von „Rapunzel – Neu verföhnt" bleiben aber die beiden tierischen Sidekicks, obwohl keiner von ihnen auch nur ein Wort spricht. Bei deren stummen Slapstick-Einlagen hätte wohl selbst Großmeister Charlie Chaplin in Sachen Timing nicht viel besser machen können. Welcher von beiden da nun mehr überzeugt, das des Öfteren mit den Farben durcheinanderkommende Chamäleon Pascal oder das sich selbst für einen Polizeihund haltenden Pferd Maximus, möchte man da wahrlich nicht entscheiden müssen. Dass die 3D-Animationen technisch vom Feinsten sind, ist bei einer Produktion dieser Preisklasse eigentlich kaum noch der Rede wert. Viel wichtiger ist, dass es den Disney-Animatoren im Gegensatz zum auf modern getrimmten „Bolt" hier erstmals gelungen ist, den unverwechselbaren Charme der klassischen Zeichentrickfilme in die dritte Dimension hinüberzuretten. Einziger Wermutstropfen bleibt so, dass Walt Disneys goldene Regel, dass es für jedes Lachen auch eine Träne geben sollte, diesmal nur bedingt Anwendung findet. Anders als im bisweilen tottraurigen „Küss den Frosch" (als das in einen Stern verliebte Glühwürmchen Ray starb, blieb in den Kinosälen dieser Welt wohl kaum ein Auge trocken) liegt der Fokus von „Rapunzel – Neu verföhnt" eindeutig auf den humorvollen Momenten.

Fazit: Poster und deutscher Verleihtitel legen zwar den Verdacht nahe, es handele sich hier um einen Film ausschließlich für kleine Mädchen, aber der Eindruck täuscht. „Rapunzel – Neu verföhnt" ist Disney, wie es besser kaum geht: extrem kurzweilige Animationsunterhaltung für alle von drei bis 99.

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