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Braveheart
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
5,0
Meisterwerk
Braveheart
Von Ulf Lepelmeier
So wie Mel Gibson „Die Passion Christi“ mit all seinem Herzblut und entgegen allen Bedenken der Filmindustrie inszenierte und zum Erfolg führte, verhielt es sich auch mit „Braveheart“. Im dunklen Mittelalter angesiedelte Filme ohne pompöses Kostümaufgebot und einer großen Portion Kitsch galten als Kassengift. Doch Gibson lag die Geschichte des schottischen Freiheitskämpfers und Märtyrers William Wallace am Herzen und setzte sie in seinen Funktionen als Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller in einem einmaligen Schlachtenepos um. Seine Bemühungen sollten dann auch durch den guten Zuschauerzuspruch (US-Einspiel: 75 Mio Dollar, Besucher Deutschland: 2,1 Mio) und die Dominanz der Oscarverleihung des Jahres 1995 belohnt werden.

Es herrscht Unruhe im Schottland des späten 13. Jahrhunderts. Der schottische König ist ohne die Benennung eines Thronfolgers von der Welt geschieden und der schottische Adel zerstritten, was König Edward I. von England (Patrick McGoohan) ausnutzt, um die Macht in den schottischen Highlands an sich zu reißen. Doch trotz der Bemühungen um den schottischen Adel und das harte Durchgreifen gegen die schottische Zivilbevölkerung kann er seine Herrschaftsposition nicht nachhaltig festigen. William Wallace (Mel Gibson) wird in diese unruhige Zeit hineingeboren und nach der Ermordung seiner engsten Familienangehörigen von seinem Onkel aufgezogen, der ihn auf seine Reisen durch Europa mitnimmt und ihn nicht nur Lesen und Schreiben, sondern auch Französisch, Latein und den Umgang mit dem Schwert lehrt. Wallace kehrt als friedliebender Mann in seine Heimat zurück und will mit dem öffentlichen Geschehen nichts zu tun haben. Als englische Truppen seine Frau (Catherine McCormack) hinrichten, schwört er Rache an den Besatzern und bricht auf, um seine Landesgenossen in die Freiheit zu führen.

Wallace aufbäumen gegen beinahe 100 Jahre Raub, Mord und Unterdrückung wird in furiosen Aufnahmen festgehalten. Die wildromantische, raue Schönheit der schottischen Landschaft bildet die perfekte Kulisse für die Lebensgeschichte des schottischen Nationalhelden und die lebendigen, realitätsnahen blutig-dramatischen Schlachten, die einen Großteil der Faszination des Films ausmachen. Auch wenn „Braveheart“ nur grob die historischen Gegebenheiten wiedergibt, macht er auf den Betrachter einen unglaublich realistischen Eindruck. Das Mittelalter wird nicht geschönt dargestellt, sondern in dreckigen, unwirtlichen Bildern zum Leben erweckt und auch das rohe Verhalten der handelnden Personen und die Brutalität der Kampfhandlungen, die vielen als übertrieben übel aufstießen, tragen zur Gesamtauthentizität des Werkes bei. Zartbesaiteten sei von diesem Film, aufgrund der teilweise perfiden Gewaltdarstellungen, abgeraten. Die Intrigen am englischen Königshof und unter den machthungrigen schottischen Lords sorgen für Wendungen innerhalb der Geschichte, so zieht der durch seine Lepraerkrankung gezeichnete Vater von Robert The Bruce immer noch die Fäden im Hintergrund der schottischen Adelsstreitigkeiten.

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William Wallace ist Mel Gibsons gebrochenste Rolle seit der „Mad Max“-Trilogie. Sein Märtyrer ist eine Mischung aus brutalem Racheengel, intelligentem Feldherrn und feinfühligem Romantiker und Naturmenschen. Gibson spielt diesen sehr überzeugend und mit einer ungeheuren Präsenz. Man muss ihm die Trauer um den Verlust seiner Frau und die daraus entspringende Entschlossenheit, die Herrschaft des englischen Königs über Schottland zu beenden, einfach abkaufen. Sophie Marceau weiß vor allem durch den Einsatz ihrer subtilen Mimik zu gefallen und siedelt ihre Rolle als zukünftige Königin zwischen Melancholie und Stärke an. Die sich langsam aufbauende Romanze stellt ein Eingeständnis an Hollywood dar, funktioniert aber trotz der beiden unterschiedlichen Welten, welche diese Figuren repräsentieren, unerwartet gut. Die gegenseitige Faszination wirkt nachvollziehbar.

Angus Mcfayden ist als Robert The Bruce überzeugend hin- und hergerissen zwischen seiner Rolle als Anwärter auf den schottischen Thron und seiner Überzeugung. Auch die Darstellungen Patrick McGoohans als König von England und der Kampfgefährten von William Wallace, unter denen sich sogar direkte Nachfahren des Nationalhelden befinden, können positiv hervorgehoben werden.

Die musikalische Untermalung von James Horner mit ihren vielen keltischen Elementen und natürlich Dudelsackeinsatz ist sehr passend und sticht mit ihrem Ohrwurmthema hervor. Innerhalb des Films wird immer wieder scheinbar die Zeit verlangsamt, um die Gefühlsintensität bzw. die Spannung der Szenen zu erhöhen. Dieses Stilmittel wird hervorragend genutzt und hat eine ausgesprochen große Wirkung. Dem Zuschauer wird es somit erheblich erleichtert, sich emotional von dem Gezeigten angesprochen zu fühlen. Der entschlossene Kampf der schottischen Mannen um ihren Anführer Wallace für Freiheit und Unabhängigkeit lässt einen nicht so leicht kalt. Vor allem zum Ende werden durch Schnitt, Kameraführung und Schauspielkunst noch mal alle emotionalen Register gezogen.

„Er verlor alles, was er liebte. Doch niemals seine Freiheit.“


Mel Gibsons „Braveheart“ ist ein hervorragendes, ungemein packendes und eindringliches Schlachtenepos, welches die rauen und dunklen Tage des Mittelalters wiederbelebt und eine Lanze für das unbändige Verlangen nach Selbstbestimmung und Freiheit bricht.
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Kommentare

  • Alex M.
    eine gute Idee!!
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