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    Kindsköpfe
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Kindsköpfe
    Von Carsten Baumgardt
    Gross-Out-Humor und US-amerikanische Familienwerte: Wer sich ernsthaft fragt, wie diese beiden Gegensätze zusammenfinden können, dem ist ein Blick auf Dennis Dugans herzhaft-derben Klamauk „Kindsköpfe" zu empfehlen. Der Regisseur versammelt eine Riege von Starkomikern, die nach einem Drehbuch von Hauptdarsteller Adam Sandler ungehemmt auf Gagjagd geht. Das Ergebnis fällt sonderbar aus: Streng genommen ist „Kindsköpfe" kein wirklich guter Film, aber die Komödie bietet Anhängern von Ulk und Albernheit einfach einen Riesenspaß, weil erstaunlich viele Witze sitzen.

    Eine halbe Ewigkeit ist es her, dass die fünf Freunde Lenny (Adam Sandler), Eric (Kevin James), Kurt (Chris Rock), Marcus (David Spade) und Rob (Rob Schneider) in ihrer Kindheit eine wichtige Basketball-Meisterschaft gewonnen haben. Dieser Triumph mit den obligatorischen Siegpunkten in letzter Sekunde ist längst zur Legende geworden. Einige der fünf zehren noch in der Gegenwart davon. Als ihr damaliger Coach Buzzer (Blake Clark) in die ewigen Jagdgründe übergeht, treffen sich die Freunde von früher bei der Beerdigung wieder. Lenny, der es in Hollywood als Künstleragent zu Reichtum und einer Modedesignerfrau (Salma Hayek) gebracht hat, organisiert das Wiedersehen. Das Haus am See, wo sie einst ihren Erfolg gefeiert haben, soll für ein Wochenende die Stätte seliger Erinnerungen und mit Wonne erzählter alter Geschichten sein. Samt ihren Familien zieht das Quintett in das Idyll ein – doch mit der Ruhe ist es bald vorbei. Vielmehr entwickelt sich ein heilloses Chaos, das die eine oder andere Lebenslüge zutage fördert...


    Bekanntlich schart Adam Sandler bei seinen Projekten immer gerne Kollegen aus seinem großen Freundeskreis um sich. Mit seinen vier wichtigsten Co-Stars Kevin James, Chris Rock, Rob Schneider und David Spade hat der Star-Komiker schon vor „Kindsköpfe" für jeweils mindestens einen Kinofilm vor der Kamera gestanden, mit Regisseur Dennis Dugan („Leg dich nicht mit Zohan an", „Chuck und Larry", „Happy Gilmore") arbeitet er gar schon zum fünften Mal zusammen. Sandler vergisst die Mitglieder seiner Komiker-Familie dabei auch in schlechteren Zeiten nicht, vor allem Spade und Schneider hatten schon längere Zeit keinen kommerziellen Hit mehr landen können. Das hat sich mit „Kindsköpfe" bereits vor dem deutschen Start geändert: Allein in den USA spielte der Film fast das Doppelte seines 80-Millionen-Dollar-Budgets ein.

    Der Humor des Adam Sandler war nie besonders filigran, das hat sich auch mit „Kindsköpfe" nicht geändert. Nachdem er zuletzt mit „Wie das Leben so spielt" einen weiteren Ausflug ins erstere Fach unternahm, kehrt der Superstar nun in sein angestammtes Gefilde zurück. Der Tonfall ist zotig, Pipi-Witze werden ebenso wenig ausgelassen wie Furzgags oder Weichteil-Attacken. Damit nicht genug: Wenn eine Pointe sitzt, wird sie gerne mehrere Male wiederholt und wiederverwertet. Alle diese Dinge ließen sich bei nüchterner Betrachtung als Schwachpunkte verstehen, aber Dugan, Sandler und ihr Team landen so viele effektive Zwerchfell-Treffer, dass locker über alle Einwände hinweg gelacht werden kann.

    Die Witzorgie benötigt keine Story im herkömmlichen Sinne, das rudimentäre Grundgerüst „Wiedersehen der alten Schulfreunde mit ihren Familien am Seehaus" muss reichen. Für den Humor sorgen die Schrullen der Charaktere und ihr Verhältnis untereinander, die Handlung bleibt unbedeutend. Nach bester Komödienmanier sind die einzelnen Figuren eher grob gezeichnet: So ist Adam Sandler der reiche Hollywood-Superagent, der sich bemühen muss, dass seine Familie den Bodenkontakt nicht verliert und die Kinder die chinesische Nanny nicht immer per SMS herumkommandieren. Er ist allein schon wegen seines Status' der Anführer der Fünfergruppe. „The King of Queens"-Star Kevin James („Der Kaufhaus Cop", „Hitch") hat Probleme mit der Prostata und schlägt sich mit seinem vierjährigen Sohn herum, der es einfach nicht lassen kann, sich seine Grundversorgung an der Brust der Mutter zu holen. Chris Rocks („Sterben für Anfänger", „Leg dich nicht mit Zohan an") Figur ist Hausmann und steht schwer unter dem Pantoffel von Ehefrau (Maya Rudolph) und Schwiegermutter (Ebony Jo-Ann), während David Spade („Joe Dreck", „Dickie Roberts: Kinderstar") einen Möchtegern-Frauenheld und Säufer gibt. Rob Schneider („50 erste Dates", „Grandma´s Boy") wird hingegen magisch von Omas angezogen und erregt – dementsprechend hat er auch geheiratet.

    Die Struktur von „Kindsköpfe" erinnert eher an eine Sketchparade als an einen Erzählfilm. Es ist ihm anzumerken, dass die Autoren Adam Sandler und „Saturday Night Live"-Schreiber Fred Wolf ihr Drehbuch direkt auf die Gags hin zuspitzen. Diese werden brüderlich verteilt, jeder bekommt seinen Anteil. Zwar stehen die Superstars Sandler und James ein wenig exponierter in der ersten Reihe, aber auch die Mitstreiter aus dem Protagonisten-Quintett werden üppig mit Pointen bedacht. Die Damen des Schwanks (Maria Bello, Salmy Hayek, Maya Rudolph) sind jedoch kaum mehr als schmückendes Beiwerk und dienen als Katalysatoren für den moralischen Teil der Story, auf den Sandler und Dugan wie gewohnt nicht verzichten mögen. Am Ende muss praktisch jeder Charakter seine Lektion gelernt haben. Das führt schließlich zu der angesprochenen absurden, aber in dieser merkwürdigen Melange sympathischen Kombination von Gross-Out-Humor und derbsten Witzen mit amerikanischen Familienwerten und dieser Widerspruch beschert „Kindsköpfe" einen köstlichen ironischen Dreh.

    Und dann ist da ja auch noch Steve Buscemi („Interview", „Con Air"), der mit seinem kurzen Auftritt in der zweiten Filmhälfte den Vogel abschießt. Zunächst macht er gar nichts, er ist nur da, aber das reicht schon. Der bloße Anblick seiner blassen Figur im weißen Unterhemd ist einfach lustig. Damit aber nicht genug, auch er bekommt noch seine groteske Pointe, die Regisseur Dugan entsprechend genüsslich ausreizt.

    Fazit: Es böten sich gute Gründe, Dennis Dugans „Kindsköpfe" zu verurteilen. Infantil? Naiv? Pubertär? Geschmacklos? Vielleicht! Aber wer auf ehrlichen Klamauk mit offenem Visier steht, wird bei der Komödie großen Spaß haben, denn das spielfreudige Ensemble holt aus konstruierten Situationen und abgestandenen Gags unverschämt viele herzhafte Lacher heraus. „Kindsköpfe" ist prächtige alberne Unterhaltung und ein pures Vergnügen.
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