Regisseur Brad Anderson (
The Machinist,
Transsiberian) dreht Filme, die ihre Spannung aus überraschenden Wendungen ziehen und mit einer Atmosphäre der permanenten, unbestimmten Bedrohung auftrumpfen. In „The Machinist“ sieht sich der schlaflose und abgemagerte Protagonist (Christian Bale) mit einem gegen ihn gerichteten Komplott konfrontiert und beginnt zunehmend an seinem Verstand zu zweifeln, da ihm eine Unterscheidung zwischen Traum und Realität immer schwerer fällt. „Transsiberian“ wiederum entfaltet seine Thriller-Handlung in der bedrohlichen Enge eines Zuges, während dieser die 9.000 Kilometer zwischen Peking und Moskau zurücklegt. Wenn einer wie Anderson also einen Beitrag zur Horror-Serie „Fear Itself“ liefert, die 13 vierzigminütige Beiträge von verschiedenen Regisseuren enthält, sind die Erwartungen dementsprechend hoch. Zumindest gemessen an diesen Maßstäben scheitert „Die Heimsuchung“ jedoch – auch wenn das plumpe Horror-Drama zumindest einen Tick mehr gruselt als die enttäuschende Auftaktepisode Fear Itself: Die Opferung.
Der abgehalfterte Privatdetektiv Harry Bender (Eric Roberts,
National Security,
Dead Or Alive) war bis vor 15 Jahren Polizist, folterte dann aber den Kidnapper eines Jungen brutal zu Tode. Das entführte Kind konnte so zwar gerettet werden, doch Benders brutales Vorgehen brachte das Fass zum überlaufen: Er verlor seinen Job. Inzwischen arbeitet Bender im Auftrag von Menschen, die den Privatdetektiv darauf ansetzen, Beweise für die vermutete Untreue ihrer Partner zu sammeln. Eine von Benders Kunden ist Meredith Kane (Cynthia Watros,
Lost). Sie bittet Bender, ihren Mann vom heruntergekommenen Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite aus zu beobachten. Doch dem verlassenen Haus ist offensichtlich daran gelegen, Benders dunkle Vergangenheit mit körperlosen Stimmen und unheimlichen Visionen ans Licht zu zerren…
Der Auftakt ist vielversprechend. In einer packend inszenierten Eröffnungssequenz wird der Zuschauer Zeuge, wie Bender im besten „Jack-Bauer-Stil“ (
24) einen Kidnapper foltert. Auch das Spiel von Julia Roberts großem Bruder Eric Roberts geht in Ordnung. Er gibt den desillusionierten Privatdetektiv, der seine inneren Dämonen hinter einer Maske aus Coolness verbirgt. Die eigentlichen Horror-Elemente von „Die Heimsuchung“ sind hingegen eher altbacken: ein verlassenes Haus mit dunklem Geheimnis, Stimmen aus der Vergangenheit, unheilvolle Wandbemalungen und Visionen von toten Menschen. Letztendlich mutet die zweite Episode von „Fear Itself“ wie eine einzige Sammlung von Horrorklischees an. Trotzdem funktioniert diese halbwegs, weil die Effekte recht effektiv eingesetzt werden. Wenn der Protagonist durch das unheimliche Haus schleicht oder sich Wandbilder plötzlich ändern, dann sorgen diese Szenen – obwohl sie nicht neu sind – für wohligen Grusel.
Ähnlich verhält es sich mit der Handlung, die auf eine schrittweise Entschlüsselung der Vergangenheit ihres Protagonisten hinausläuft. Irgendwie will man als Zuschauer dann eben doch mehr über Benders Vorgeschichte wissen. Enttäuschend ist allerdings, dass „Die Heimsuchung“ jegliche Subtilität komplett abgeht. Die Wendungen und die Enthüllung von Benders Vergangenheit werden durchweg mit dem Holzhammer präsentiert – statt spannungsfördernder Andeutungen gibt es vornehmlich explizit erklärende Traumsequenzen. Unterm Strich kommt die Serie auch mit ihrem zweiten Beitrag trotz der Beteiligung von Brad Anderson nicht richtig in Schwung, dafür bedient sich die Episode einfach zu vieler Klischees. Da diese aber immerhin ihren Zweck erfüllen, Eric Roberts seine Rolle schön kantig ausfüllt und die Auflösung bis zum Ende spannend bleibt, reicht es zumindest zum soliden Durchschnitt.
Tobias Mayer