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Men in Black
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Men in Black
Von Ulf Lepelmeier
Das Kinojahr 1997 gehörte zwei schwarzgewandeten Männern mit schwarzen Sonnenbrillen ohne jegliche Identität. Die Rede ist von den „Men In Black“ und im Speziellen den Agenten K und J der Abteilung 6 der Einwanderungsbehörde, die sich um den intergalaktischen Abschaum kümmern, der sich illegalerweise auf unserem Planeten tummelt. Die frische Science-Fiction-Komödie von Regisseur Barry Sonnenfeld („Schnappt Shorty“, Wild Wild West) ließ mit ihren abgedrehten Ideen, der rasanten Umsetzung und einer gehörigen Portion Coolness alle anderen Filme an den Kinokassen im Sommer hinter sich und behauptete sich, da die Titanic erst Mitte Dezember auf den Leinwänden sinken sollte, in diesem Jahr mit einem weltweiten Gesamteinspiel von 590 Millionen Dollar auf dem Box-Office-Thron.

Bei einem Standardeinsatz für die MIB, ein illegaler Einwanderer aus dem Universum soll gefasst werden, muss Agent D (Richard Hamilton) einsehen, dass er langsam zu alt für den nervenaufreibenden Job wird, so dass sein Partner Agent K (Tommy Lee Jones) sich auf die Suche nach einem neuen Kollegen machen muss. Etwa zeitgleich hechtet Polizist James Edwards (Will Smith) einem Mann quer durch Manhattan hinterher, freilich ohne zu ahnen, dass es sich um kein menschliches Wesen handelt. Allerdings wundert es ihn, dass der Verfolgte auf einmal wie ein Insekt die Hauswand des Guggenheim-Museums hinaufläuft. Trotzdem bleibt der unnachgiebige Polizist ihm auf den Fersen, kann allerdings nicht mehr verhindern, dass sich der Flüchtige vom Dach stürzt, um der Justiz zu entkommen. Nachdem K von der Verfolgungsjagd erfahren hat, beordert er den vorlauten Cop Edwards zum Auswahltest für die MIB. Dieser erweist sich dann auch als Bester unter den angetretenen Besten, legt seine Identität ab und tritt als Agent J in den Dienst bei Abteilung 6 der Einwanderungsbehörde ein. Der erste große Einsatz für den neuen Partner von Agent K naht aber bereits in Form einer riesigen Schabe, die sich kurzerhand den Körper des ungehobelten Farmers Edgar (Vincent D’Onofrio) überstülpt und sich in New York auf die Suche nach der „Galaxie“ begibt, einem wertvollen und mächtigen Kleinod, das ein Mitglied der Herrscherfamilie der Aquilianer bei sich tragen soll.

Seit dem 2. März 1961 leben Aliens, als Menschen oder auch als Tiere getarnt, unerkannt unter uns. Dabei handelt es sich um intergalaktische Flüchtlinge, welche die Erde als politisch neutrale Zone für Wesen ohne Heimatplaneten betrachten. Der blaue Planet ist für sie „das gleiche wie Casablanca, nur ohne Nazis“ (Agent K). Von dieser Annahme ausgehend, entfaltet der Film die Geschichte der Geheimorganisation der MIB, die für die Koordinierung des intergalaktischen Flüchtlingsaufkommens auf der Erde zuständig ist. Das Ganze wird dann auch noch gelungenerweise mit geschichtlichen Daten und realen Ereignissen angereichert, so dass eine weitestgehend in sich schlüssige faszinierende Welt entsteht. Der große Stromausfall in New York von 1977 ist so zum Beispiel auf Aliens zurückzuführen und die stählernen Überreste der Weltausstellung 1964 in Queens, New York, sind nichts anderes als Ufoüberreste.

Auch die einfallsreichen Aliendesigns und weitere innovative Einfällen, wie etwa der Neutralisator mit dem Augenzeugen geblitztdingst werden, um ihnen die Erinnerungen an außerirdisches Leben aus dem Gedächtnis zu löschen, wissen zu gefallen und tragen zur Kurzweiligkeit des mit viel Slapstickhumor ausgestatteten Films bei. Dabei ist das Werk von Barry Sonnenfeld angelehnt an eine Miniserie von Malibu Comics, in der die Theorien um die „Men In Black“, US-Regierungsmitarbeiter in schwarzen Anzügen, die dafür Sorge tragen, dass Zeugen von Ufos oder Aliens stillschweigen bewahren, parodiert werden.

Die Qualität der Geschichte ist bei der großen Anzahl an Einfällen beinahe Nebensache, und dass die Kernstory ohne die vielen faszinierenden Kleinigkeiten überaus durchschnittlich daherkommt, fällt durch die temporeiche Inszenierung und die Gagdichte dann auch gar nicht mehr auf. Dies liegt vor allem an dem sich herrlich ergänzenden, coolen Darstellerduo, das sich die Sprüchen nur so um die Ohren haut. Auch wenn der Film schauspielerisch keine all zu hohen Anforderungen stellt, muss man die Darstellung von Agent K und J einfach loben. Will Smith (I, Robot, Independence Day, Ali) begeistert in seiner Paraderolle als flippiger Sprücheklopfer Agent J einmal mehr und zusammen mit Tommy Lee Jones (Auf der Flucht, Natural Born Killers, Space Cowboys) als sein stoischer, abgeklärter Mentor Agent K gibt er ein unwiderstehliches Gespann ab. Vincent D’Onofrio (The Cell, Ed Wood) als Wirt der Schabe ist mit seiner wunderbar schrägen Darstellung ebenfalls erwähnenswert, während Linda Fiorentino (Dogma, „Jade“) als Gerichtsmedizinerin eher blass bleibt.

Die musikalische Untermalung stammt von Tim Burtons Haus- und Hofkomponist Danny Elfmann, ist sehr passend ausgefallen und hält sich angenehm im Hintergrund. Sowieso sticht beim Soundtrack der als Abspannsong verwendete Track „Men In Black“ hervor, der Will Smith auch in den Musikcharts weltweit nach oben brachte. Gute Effekte, spritziger Humor, rasante Aktion sowie zwei ausgezeichnet aufgelegte Hauptdarsteller und ein großer Reigen an faszinierenden Ideen machen „Men In Black“ zu einem zwar anspruchsfreien, nichtsdestotrotz aber rundum gelungenen Unterhaltungsfilm mit einer Extraportion Coolness.
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