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    Pusher II: Respect
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Pusher II: Respect
    Von Lars-Christian Daniels
    Mit dem adrenalingetränkten Drogenthriller „Pusher" feierte Regie-Shootingstar Nicolas Winding Refn („Drive", „Only God Forgives") 1996 in Dänemark sein vielbeachtetes Debüt als Regisseur und Drehbuchautor. Sein Erstling bescherte dem Kritikerliebling jedoch nicht nur den großen internationalen Durchbruch, sondern bildet zugleich den Auftakt zur gleichnamigen Erfolgstrilogie, in deren Rahmen den beiden wichtigsten Nebenfiguren aus „Pusher" je ein weiterer Film gewidmet ist. Das Sequel, das sich fast ausschließlich um den glatzköpfigen Tonny (Mads Mikkelsen) dreht, den Kompagnon des des gejagten Drogendealers Frank (Kim Bodnia) aus Teil eins, erreicht nicht ganz die Durchschlagskraft des Vorgängers, überzeugt aber als Charakterstudie und Crime-Drama gleichermaßen.

    Kleinganove Tonny (Mads Mikkelsen) hat gerade erst einen Knastaufenthalt hinter sich und eine Anstellung in einer Autowerkstatt gefunden, als er erneut straffällig wird: An einer Kreuzung stiehlt er in einem unbeobachteten Moment einen roten Ferrari, um damit bei seinem nicht minder kriminellen Vater (Leif Sylvester Petersen) zu punkten. Der zeigt sich allerdings wenig beeindruckt, so dass Tonny weitere Coups ausheckt: Nach einem Überfall auf ein Autohaus fädelt Tonny gemeinsam mit seinen alten Freund „Kurt die Möse" (Kurt Nielsen) einen Drogendeal mit Unterweltboss Milo (Zlatko Buric) ein. Der geht jedoch gehörig schief, und so stehen die beiden mit einer hohen Summe bei Tonnys Vater in der Kreide. Als wäre das nicht schon genug Ärger, meldet auch Tonnys koksende Ex-Freundin Charlotte (Anne Sørensen) finanzielle Ansprüche an: Tonny ist angeblich der Vater ihres kleinen Sohnes...

    „Pusher II" fühlt sich selten wie ein echtes Sequel an, weil Refn nur eine lose inhaltliche Verknüpfung zu „Pusher" herstellt und eher ein Crime-Drama mit Spin-Off-Charakter gedreht hat. Der dänische Regisseur inszeniert dieses langsamer als den ersten Teil und gewichtet zudem die Handlungsstränge anders. Refns Hauptanliegen ist die Charakterzeichnung: Selten weicht er seiner Hauptfigur Tonny länger als ein paar Sekunden von der Seite.

    Und mit dem exzentrischen Tonny knöpft sich Refn die zweifellos schillerndste Figur seiner Trilogie vor, die im ersten Teil fast ein wenig zu kurz kam. Mads Mikkelsen („Die drei Musketiere", „Die Jagd"), der den Film mit seiner großartigen Performance fast im Alleingang trägt, zeigt hier einen der stärksten Auftritte seiner Karriere und empfahl sich seinerzeit nachhaltig für spätere Rollen wie den großartigen Bond-Widersacher Le Chiffre in „Casino Royale". Anders als in „Pusher" erlebt der Zuschauer Tonny diesmal nicht nur als durchgeknallten Sidekick, sondern lernt den Glatzkopf von verschiedenen Seiten kennen: Den Auftakt bildet eine köstliche Szene in einem Bordell, in dem Tonnys „König der Schwänze" im entscheidenden Moment den Dienst versagt und sich der Vorzeigemacho von zwei Prostituierten mitleidig belächeln lassen muss.

    Antriebsfeder der Geschichte sind dabei jedoch nicht die kleineren Straftaten, mit denen Tonny sich sein täglich Brot verdient, sondern die überraschende Vaterschaft, die den Ex-Knacki beim Windeln wechseln vor neue Herausforderungen stellt und ihn von einer bis dato unbekannten, fürsorglichen Seite zeigt. Trotz dieser inhaltlichen Neuausrichtung bleibt der Erzählton in „Pusher II" der gleiche wie im Vorgänger: Kaum ein Satz unter Kleinkriminellen wird ohne Schimpfwort beendet, immer wieder dröhnen Synthesizerklänge im Minimal-Stil, und die Kulissen der Kopenhagener Unterwelt sind trister denn je. Eine Ausnahme bildet die zurückhaltend inszenierte, aber hochspannende Schlüsselszene in einem Hotel, in der Drogenmogul Milo (erneut großartig: Zlatko Buric, „Bleeder") seinen einzigen, nur wenige Minuten dauernden, Kurzauftritt hat. Milo, der bereits in „Pusher" zum heimlichen Publikumsliebling avancierte, wird dafür in „Pusher III" endlich mit einer eigenen Geschichte belohnt.

    Fazit: „Pusher II: Respect" ist nur bedingt mit dem herausragenden Drogenthriller „Pusher" vergleichbar, überzeugt aber als intensive Charakterstudie. Fans des raueren ersten Teils kommen auch hier auf ihre Kosten, weil Mads Mikkelsen in seiner Paraderolle förmlich aufblüht und das deutlich ruhiger inszenierte Crime-Drama fast im Alleingang trägt.
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