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2001 Maniacs
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
2001 Maniacs
Von Christoph Petersen
Als Herschell Gordon Lewis´ Horrorklassiker „Blood Feast“, der erste Splatterfilm überhaupt, 1963 die amerikanischen Autokinos stürmte, wurden als Werbegag Kotztüten an die meist jugendlichen Besucher verteilt. Was damals an Grenzen stieß, kommt heute in Sachen Gore freilich nicht einmal mehr an eine durchschnittliche TV-Sketchshow heran. Trotzdem entwickelte sich ein gewaltiger Kult um Lewis´ blutiges Fest und nur ein Jahr später setzte er mit seiner Südstaaten-Gewaltorgie „Two Thousand Maniacs“ sogar noch einmal gehörig nach. Und während Lewis selbst sich 2002 an der Fortsetzung „Blood Feast 2: All U Can Eat“ versuchte, hat nun Genre-Regisseur Tim Sullivan die Aufgabe übernommen, Herschells zweiten Splatterstreifen neue Blutkonserven einzuflößen. Das Ergebnis, das unter dem Titel „2001 Maniacs“ auf DVD erschienen ist, kann dabei im Rahmen einer trashigen Horror-Comedy trotz kleinerer Schwächen insgesamt überzeugen.

Eigentlich müssten die drei College Studenten Cory (Matthew Carey, Imaginary Heroes), Anderson (Jay Gilespie) und Nelson (Dylan Edrington) an ihren Semesterarbeiten über den Bürgerkrieg für Professor Ackerman (Peter Stormare, Constantine, Bothers Grimm) arbeiten, aber eine ordentliche Spring Break Party am Strand von Florida ist natürlich viel verlockender. Durch ein Umleitungsschild in eine einsame Gegend geführt, landen sie schließlich in der 2001-Seelengeeinde Pleasent Valley, wo sie von Bürgermeister Buckman (Robert Englund, Freddy Vs. Jason) und den anderen Hillbillie-Bewohnern als Ehrengäste zu einer ominösen Jahresfeier begrüßt werden. Auch die beiden offenherzigen Sahneschnitten Joey (Marla Malcom, Road Trip) und Kat (Gina Marie Heekin), der schwule Ricky (Brian Gross) und das afroamerikanisch-asiatische Pärchen Malcom (Mushond Lee) und Leah (Bianca Smith) wurden in das Kaff gelockt. Schnell wird klar, dass irgendetwas nicht stimmt und schon bald wird der erste Twen nach typischer Südstaatenmanier gevierteilt…

Die deutsche DVD von „2001 Maniacs“ wird als von den Machern von Hostel beworben – und das nur, weil eine von drei Produktionsfirmen an Eli Roths Folterschocker mitgewirkt hat. Aber der Slogan ist doch keine komplette Mogelpackung, denn zumindest zwei von drei Komponenten der Filme stimmen durchaus überein: Beide versuchen ihre Zuschauer mit barbusigen Schönheiten und ausgefeilten Gore-Szenarien zu überzeuge, aber wo Hostel seine Prioritäten auf Terror und Schrecken legte, schlägt „2001 Maniacs“ die spaßigere Richtung eines Funsplatters ein. Dabei können die abwechslungsreichen Tötungsarten, die ein wenig an das Final Destination-Franchise erinnern, weit mehr überzeugen als die nur durchschnittlichen Brachialhumor-Elemente. Insgesamt kann „2001 Maniacs“ dabei ein selbst für dieses Genre überraschend hohes Tempo halten, nur im zweiten Drittel muss man sich mit aber noch erträglichen Längen abfinden.

“The South Gonna Rise Again“ Seitdem George Bush wie kaum ein Politiker vor ihm die amerikanische Bevölkerung polarisiert, sind die schwelenden Konflikte zwischen Stadt- und Landbevölkerung in den USA wieder voll an die Oberfläche gedrungen – und natürlich schlägt sich die Entwicklung auch auf den Horrorfilm, der aktuelle Entwicklungen und Ängste am schnellsten widerspiegelt, nieder. Das letzte Mal, dass die Differenzen zwischen gläubigen Konservativen auf der einen und progressiven Morallosen auf der anderen Seite so ausführlich im Kino thematisiert wurden, war zu Hochzeiten des Redneck-Horrors in den 70er Jahren – so ist es kein Wunder, dass Wes Cravens Hügel der blutigen Augen von 1977 gerade jetzt von Alexandre Aja mit The Hills Have Eyes neu aufgelegt wurde. In „2001 Maniacs“ werden diese typischen Klischees so konsequent ins Absurde überhöht, dass der Film schon eine fast satirische Komponente erhält: Die Südstaatler dudeln den ganzen Tag mit ihrem Banjo herum, jagen Schweine, brechen Katzen das Genick und treiben es mit den Schafen. Die Nordstaatler treiben es mit jedem, haben keine Manieren und sprechen ein miserables Ghetto-Englisch.

Handwerklich ist der Film für ein Budget von gerade einmal drei Millionen Dollar doch recht ansprechend-solide geraten, die kleineren Schwächen bei den Gore-Effekten passen sich sogar wunderbar in die insgesamt überdreht comichafte Atmosphäre ein. Als besonderes Schmankerl – neben den ohnehin schon hervorragend gecasteten Südstaatentypen – gibt es dann auch noch den herrlich absurden und äußerst bösartigen Auftritt von „Freddy Krüger“-Darsteller Robert Englund als akzentreicher und Augenklappe tragender Bürgermeister. „2001 Maniacs“ ist in erster Linie natürlich ein ganz großer Spaß und der perfekte Film für jeden bierreichen Männer-DVD-Abend. Aber zum anderen passt er sich auch wunderbar in die momentane Entwicklung des amerikanischen Horrorfilms ein und ist so auch für Genrefans mit höheren Ansprüchen als anzüglichen Gags und lustig umherspritzendem Blut von Interesse.
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