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Spiel mit der Angst
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Spiel mit der Angst
Von Martin Soyka
Nach seinem Abgang als James Bond wandte sich Pierce Brosnan neuen Rollen zu. Dabei fiel seine Wahl das ein oder andere Mal – siehe Mamma Mia und Mord und Margaritas – durchaus überraschend aus. Interessanterweise finden sich in der Filmografie des Stars neuerdings immer weniger klassische Heldenrollen und dafür immer mehr zwielichtige Typen. Der Thriller „Spiel mit der Angst“ von Regisseur Mike Barker ist nun ein weiteres Beispiel für diese Entwicklung. Noch nie war Brosnan so böse – und so unrasiert (!) – zu sehen.

Neil (Gerard Butler, 300) und Abby Randall (Maria Bello, The Cooler, A History Of Violence) bilden gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter eine Vorzeigefamilie: erfolgreich, wohlhabend und glücklich. Doch dann taucht das Unheil plötzlich auf dem Rücksitz des Familien-Geländewagens auf: Ein namenloser und extrem unsympathischer Mann (Pierce Brosnan, Married Life) erklärt den Eltern, dass der neue Babysitter, bei dem sie ihre Tochter zurückgelassen haben, mit ihm zusammenarbeitet und die Kleine entführt hat. In den folgenden 24 Stunden müssen Neil und Abby alles tun, was von ihnen verlangt wird, ansonsten wird das Mädchen sterben. Für das besorgte Paar beginnt ein Höllenritt. Zunächst sieht es so aus, als wäre der Entführer nur hinter Lösegeld her. Doch schon sehr bald stellt sich raus, dass es ihm nicht um den schnöden Mammon geht.

In vielerlei Hinsicht ist „Spiel der Angst“ ein durchschnittlicher, hausgemachter Thriller: Große Actionszenen und exzessive Gewalt stehen nicht auf dem Plan. Das macht aber gar nichts, denn der Film vermag auch ohne diese Zutaten ordentlich zu fesseln. Die Geschichte lebt vielmehr von der quälenden Ungewissheit, der sich die Eltern – und der Zuschauer - ausgesetzt sehen, und den nicht fassbaren Motiven des Schurken. Warum ist er hinter der Familie her? Was könnte Neil ihm angetan haben? Der Filmgenuss hängt voll und ganz von den Wendungen der Story ab, so dass an dieser Stelle auch nicht mehr verraten wird.

Das Besondere an „Spiel mit der Angst“ ist das geschickte Spiel mit Klischees. Bedient sich der Film anfangs noch der herkömmlichen Thriller-Typenklientel (namenloser Entführer, fürsorgliche Eltern), führt er diese im Verlauf der Handlung immer mehr ad absurdum. Der Panzer des Schurken bekommt ebenso Risse wie die Untadeligkeit der Helden. Dieses perfide Spiel wird bis zum Finale, welches dann wiederum den einen oder anderen unvorhergesehenen Haken schlägt, konsequent fortgeführt.

Inszenatorisch ist der Thriller allerdings allenfalls Mittelmaß und kann auf diesem Gebiet nicht mit den großen ähnlich gelagerten Vorbildern wie David Finchers The Game mithalten. Zu nennen ist hier insbesondere die abgegriffene Zigaretten-Symbolik. Aufpassen: Wer raucht wann? Und auch einige Logik- und Anschlussfehler haben sich in den Film verirrt (Stichworte: Wagen und Airbags). Hinzu kommt, dass Pierce Brosnan es mit dem Bösesein ein wenig übertreibt: Bei dieser vordergründigen Schlechtigkeit kommt die subtile Diabolik ein wenig zu kurz. Merke: Eine Schurkenfigur ist dann gelungen, wenn der Zuschauer ihn einerseits zwar mag, andererseits dann aber irgendwie doch nicht. Brosnans Figur ist hingegen ganz und gar unsympathisch. Auch wenn am Schluss alle Karten auf dem Tisch liegen, entwickelt man keinerlei Verständnis für sein Handeln.

Fazit: Trotz seiner Schwachpunkte hat „Spiel der Angst“ eine Chance beim Publikum verdient, vermag er doch zu überraschen und zu unterhalten – auch wenn die Grenzen der Plausibilität bisweilen arg strapaziert werden.

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