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The November Man
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
The November Man
Von Christoph Petersen
Es ist schon sehr passend, dass Ex-CIA-Mann Peter Devereaux in der Auftaktviertelstunde von „The November Man“ aus dem Ruhestand geholt wird. Schließlich hatte auch Pierce Brosnan seine filmische Agentenkarriere nach vier 007-Abenteuern im Jahr 2002 – damals nicht ganz freiwillig - an den Nagel gehängt, bevor er nun für Regisseur Roger Donaldson („Dante’s Peak“, „Thirteen Days“) erstmals wieder in die Rolle eines Spions schlüpft. Dabei erweist sich Devereaux als deutlich bescheidener als Bond – und das nicht nur, weil „The November Man“ mit etwa 24 Millionen Dollar lediglich einen Bruchteil des Budgets eines 007-Blockbusters verschlungen hat (zum Vergleich: „Skyfall“ hat etwa 200 Millionen gekostet), er nimmt in Belgrad auch wiederholt die Tram, statt sich nur mit den neuesten Modellen von Aston Martin oder BMW zufriedenzugeben. Abgesehen von der spannenden Anti-007-Hauptfigur haut die laue Story um die Machenschaften eines aussichtsreichen russischen Präsidentschaftsanwärters im Tschetschenienkrieg aber niemanden vom Hocker.

Der zu seinen aktiven Zeiten als gnadenloser November Man berühmt-berüchtigte CIA-Agent Peter Devereaux (Pierce Brosnan) hat sich bereits 2008 aus dem Job zurückgezogen, nachdem sein junger Partner David Mason (Luke Bracey) einen seiner Befehle missachtet und so den Tod eines kleinen Jungen verschuldet hatte. Doch nun bittet Devereaux‘ früherer Vorgesetzter Hanley (Bill Smitrovich) ihn, doch noch ein letztes Mal einzuspringen und einer undercover im Kreml tätigen CIA-Agentin (Mediha Musliovic) dabei zu helfen, heil aus Moskau herauszukommen. Aber die Mission geht schief, die Spionin wird erschossen und Devereaux steht mitten in der russischen Metropole plötzlich seinem ehemaligen Protegé Mason gegenüber…


Pierce Brosnan besitzt ein natürliches Leading-Man-Charisma, das er auch in „The November Man“ nicht völlig abschütteln kann, aber am Ende ist sein Peter Devereaux trotzdem kein 007-Charmebolzen, sondern die meiste Zeit trotz Alkoholproblem eine eher empathielose Agentenmaschine. So vertritt er nicht nur die Prämisse, dass man sich in seinem Beruf keinerlei persönliche Beziehungen erlauben darf (die machen nur erpressbar), er führt ihre Validität auch seinem Ex-Schüler noch einmal schmerzhaft vor Augen, indem er dessen One-Night-Stand-Nachbarin die Beinschlagader durchtrennt, um sich selbst einen sicheren Vorsprung zu verschaffen, während Mason dann doch nicht anders kann, als ihr zu helfen. Am Ende ist Devereaux zwar immer noch mehr Held als Antiheld - da hätten sich Regisseur Donaldson und sein Star ruhig noch mehr trauen dürfen -, aber für einen Mainstreamfilm bleibt Brosnans Figur dennoch ungewöhnlich ambivalent.  

In den Bond-Filmen dient die Story in der Regel nur dazu, einigermaßen elegant von einer Actionsequenz zur nächsten überzuleiten. Die rar gesäten Schießereien und Verfolgungsjagden in „The November Man“ sind allerdings nicht viel aufwändiger (oder aufregender) als in einer typischen „Tatort“-Episode, weshalb es eben doch ganz stark auf das Autorenduo Michael Finch („Predators“) und Karl Gajdusek („Oblivion“) ankommt, das hier „There Are No Spies“ adaptiert, den siebten Roman aus der „November Man“-Reihe von Bill Granger. Allerdings werden dann trotz einiger auf dem Papier wahrhaft abgründiger, aber unzureichend eingefädelter und den Zuschauer daher trotzdem kaltlassender Wendungen (Stichwort: False Flag) doch nur die genreüblichen Twists abgespult: Wer am Ende der Böse ist, riecht der Zuschauer schon nach fünf Minuten meilenweit gegen den Wind, und auch die Verlegung der Handlung in die heutige Zeit (der Roman spielt in den 1980ern) wird mit Ausnahme einer unrealistisch-omnipotenten Hacker-Figur kaum genutzt, um der Story frische Ideen einzuflößen (die russische Auftragskillerin strotzt nur so vor Kalter-Krieg-Klischees). So wirkt „The November Man“ weniger wie ein altmodischer, sondern eher wie ein angestaubter Agenten-Thriller.

Fazit: Mit Ausnahme seines interessanten Protagonisten hat „The November Man“ wenig zu bieten.
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