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    Chuck und Larry - Wie Feuer und Flamme
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Chuck und Larry - Wie Feuer und Flamme
    Von Christian Schön
    Witze fordern zumeist Opfer. Minderheiten können sich schon allein aufgrund ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit schlechter wehren und bieten sich damit besonders gut an, um auf ihre Kosten zu Lachen. Homosexuelle sind in diesem Zusammenhang nach wie vor wohl gute Opfer. Zweierlei kann damit bezweckt werden: Man möchte entweder die besagte Gruppe abwerten oder zum besseren Verständnis deren Verhaltensweisen auf humorvolle Art beitragen. Dennis Dugan will in seiner Komödie „Chuck und Larry“ beides erreichen, da er einerseits mit Stereotypen aufwartet, damit Komik erzeugen möchte und andererseits den Bogen nicht überspannen und ganz ernsthaft aufklären, vermitteln und Ängste abbauen will. Da Dugan neben Schauspielern aus bekannten Sitcoms wie Kevin James („The King of Queens“) auch noch viele Elemente aus der Fernsehunterhaltung mit einbaut, wenige Actionsequenzen einflicht und noch was fürs Herz oben drauf packt, fährt er ein paar Geschütze zuviel auf.

    Larry Valentine (Kevin James) und Chuck Levine (Adam Sandler) arbeiten bei der Feuerwehr in Brooklyn. Die beiden, von Grund auf verschieden, verbindet eine tiefe Freundschaft. Als bei einem Einsatz Larry Chuck das Leben rettet, ist dieser ihm etwas schuldig. Larry, allein erziehender Vater von zwei Kindern, hat drei Jahre zuvor seine Frau verloren und ist deshalb in ein tiefes Loch gefallen. Aus diesem Grund versäumt er die Frist für die Umschreibung der Lebensversicherung von seiner Frau als Begünstigte auf seine Kinder. Die einzige Möglichkeit, die ihm aus der misslichen bürokratischen Lage helfen könnte, stellt eine neue eheliche Verbindung dar. An diesem Punkt erinnert sich Larry an die Ehrenschulden seines Freundes. Dieser könnte, nachdem er sich keine neue Verbindung mit einer Frau vorstellen kann, auf dem Papier als sein Lebenspartner aufgeführt werden. Da Chuck sein Leben als Frauenheld nicht aufgeben möchte, und ihm ein offenes Bekenntnis zur lediglich vorgetäuschten Homosexualität peinlich wäre, soll alles geheim bleiben. Doch ein zweites Mal schlagen die Gesetze der Bürokratie unbarmherzig zu. Eine eingetragene Partnerschaft muss regelmäßig durch Kontrollen, durchgeführt von dem gefürchteten Kontrolleur Clint Fitzer (Steve Buscemi), als solche verifiziert werden, da ein Missbrauch der Gesetze ausgeschlossen werden soll. Ab nun gilt es, die auf dem Papier begründete Verbindung in der Wirklichkeit glaubhaft zu spielen. Auf beiden Seiten müssen Abstriche gemacht werden: Larry muss ein Stück weit das immer noch seiner verstorbenen Frau gewidmete Refugium aufgeben und von Altem Abschied nehmen, wohingegen Chuck sein geliebtes, ausschweifendes, heterosexuelles Singleleben einschränken muss. Gerade Letzterer tut sich dabei besonders schwer, als ihm die perfekte Frau in Form von Rechtsanwältin Alex McDonough (Jessica Biel), die ihren Fall betreut, begegnet. Doch auch der gesamte Alltag Chuck und Larry verwandelt sich zusehends.

    Das Staraufgebot in „Chuck und Larry“ muss ein Grund für die, gemessen am Ergebnis, enormen Produktionskosten von 85 Millionen Dollar gewesen sein. Neben dem Box-Office-potenten Superstars Kevin James (Hitch) und Adam Sandler (Klick, Die Liebe in mir, 50 erste Dates) sind da Urgesteine wie Dan Aykroyd (Ghostbusters, The Blues Brothers) in der Rolle als Chef der Feuerwehrstation und Steve Buscemi (Fargo, The Big Lebowski, Big Fish) zu sehen. Die beiden Letzteren haben in ihren bisherigen Karrieren gerne mal bei der Wahl ihrer Rollen daneben gegriffen, zählen aber dennoch schauspielerisch zu den größeren Kalibern Hollywoods. In ihrem jeweiligen Part in „Chuck and Larry“ wissen beide richtig zu überzeugen, ohne die anderen Mitwirkenden an die Wand zu spielen, was unter anderem damit zusammenhängt, dass kaum unbekannte Gesichter auf der Leinwand vertreten sind. Auf ein ellenlanges „Name-Dropping“ wird an dieser Stelle verzichtet. Die beiden Helden, Chuck und Larry, die im Lauf der Geschichte ganz wörtlich zu Helden der schwulen Community New Yorks werden, da sie öffentlich zu ihrer eigentlich nur vorgetäuschten Homosexualität stehen und dafür zu kämpfen bereit sind, zu verkörpern, war eine der großen Herausforderungen. Adam Sandler, mit seiner eigenwilligen, gewöhnungsbedürftigen Art zu spielen, steht beispielhaft dafür ein, was das Publikum im Film erwartet. Auf gutem Niveau gespielt begegnen einem die Szenen ernsthafteren Inhalts, kapriziös hingegen wirken diejenigen, die den humoristischen Teil des Films ausmachen.

    Eine Schwierigkeit, mit der das Drehbuch zu kämpfen hat, ist die große Bandbreite der Grundkonflikte, die ausgetragen werden. Allein das Genre der Komödie hätte die Filmemacher natürlich davor bewahrt, sich ernsthaft mit den Themen auseinanderzusetzen zu müssen. Aber genau das versucht „Chuck und Larry“. Beim Thema Homosexualität wird nicht nur permanent alles klischeehaft durch den Kakao gezogen, sondern parallel dazu versucht, für eine tolerante und liberale Gesellschaft zu werben. Analog verfährt die Strategie bei weiteren Fragestellungen, denen sich der Film annimmt: Die Ehe an sich befindet sich auf dem Prüfstand und misst sich mit freundschaftlichen Bindungen sowie den so genannten eingetragenen Partnerschaften; die einzelnen Figuren werden mit einem Bombast von Konflikten beladen die Tod, Trauer, Verantwortung, Treue, Liebe, Aufrichtigkeit, Loyalität, Identität etc. umfassen. Dem Film beim Versuch dies bewältigen zu wollen, vollständiges Scheitern zu unterstellen, ist vorschnell geurteilt. Sicherlich gelingt es an vielen Stellen nicht überzeugend genug, den Drahtseilakt zwischen Komik und ernst gemeinter Botschaft zu meistern. Jedoch wirkten genügend professionelle Kräfte am ganzen Projekt mit, um an wichtigen Punkten eine glaubhafte Atmosphäre zu erzeugen und dies sowohl in die eine, die witzige, als auch in die andere, die seriöse, Richtung.

    Frappant gleichen einzelne Motive in „Chuck und Larry“ denen aus vergleichbaren anderen aktuellen Komödienerfolgen. Die kleine Olive (Abigail Breslin) aus Little Miss Sunshine findet ihre Entsprechung in dem kleinen Sohn von Larry. Eric Valentine (Cole Morgen) ist gerade dabei, seine eigene sexuelle Identität zu finden, und dabei ist ihm die neue Rolle seiner Väter, als geoutete Homosexuelle, als Vorbild mehr als dienlich. Im Film als Ganzem fehlt allerdings der Raum, diese kleinen Details gebührend auszubauen und deren Potential zu nutzen. Der Vergleich zu „Little Miss Sunshine“ macht dies noch umso mehr deutlich. Jonathan Dayton muss erst gar nicht zu den übertriebenen Stereotypen greifen, um witzige Momente zu erzeugen, da die komische Struktur viel enger mit der Geschichte verwoben ist, als dies bei „Chuck und Larry“ der Fall ist. Wagt man, wie Dennis Dugan, den Spagat dennoch, muss hie und da manch Kalauer tief unter der Gürtellinie herhalten.

    Die Frage, ob man einen Zugang zu der Komik des Films bekommt oder nicht, steht und fällt zum großen Teil damit, ob man bereit ist, auch mal in die etwas weiter unten gelegenen Gefilde des Humors mit hinab zu steigen. Hier bewahrheitet sich dann, ob Humor wirklich ist, wenn man trotzdem lacht. Wirklichen Anlass zur Freude gibt schließlich noch der Soundtrack, der mit einigen Hits aus den 60ern aufwartet, wobei einer davon, dank einer Performance von Ving Rhames unter der Dusche in der Feuerwehrstation, eine besondere Adelung erfährt. Wie schon bei vielen Projekten davor, wie beispielsweise in „Big Daddy“ „Happy Gilmore“ oder National Security, will Regisseur Dennis Dugan mit „Chuck und Larry“ etwas hoch hinaus, und schießt dieses Mal sogar über die Ziellinie hinaus, was die selben Auswirkungen hat, wie diese erst gar nicht zu erreichen. Dadurch, dass er zuviel auf einmal in den Film hineinpackt, und sich an wichtigen Stellen aufschneiderisch gibt, kann er wieder nur durchschnittliches Kinovergnügen präsentieren, das sich die Frage gefallen lassen muss, ob es nicht, aufgeteilt auf zwei Filme, besser in das Samstagabendprogramm privater Fernsehsender passen würde.
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