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    Kill Zone S.P.L.
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Kill Zone S.P.L.
    Von Björn Becher
    Nachdem Johnny To (The Mission, Breaking News) in Sachen gutes (Action-)Thrillerkino aus Hongkong lange Zeit fast allein auf weiter Flur stand, kamen mit dem Erfolg von Infernal Affairs eine Fülle neuer Produktionen auf, die in einer Vielzahl auch abseits von Festivals auf DVD den Weg nach Europa und in die USA finden. Bei weitem nicht alle dieser Werke sind sehenswert und wer zum Beispiel den lahmen, fast nur auf seine Over-The-Top-Inszenierung bedachten Actioner „Dragon Squad“ anschaut, hat danach vielleicht gar keine Lust mehr auf einen weiteren Action-Thriller aus Hongkong. Doch das wäre verfehlt, denn dazwischen finden sich eine Menge sehenswerter Genrebeiträge, so zum Beispiel „Kill Zone SPL“ von Wilson Yip, ein furioses, allerdings auch leicht selbstverliebtes, Actionfeuerwerk, bei welchem die Thrillerhandlung zwar sekundär ist, dafür aber ruhige, melancholische Charaktereinschübe überraschen.

    Es ist das Jahr 1994: Die Polizei von Hongkong scheint ihr Ziel endlich erreicht zu haben. Der brutale Triadenboss Wong Po (Sammo Hung) ist in Haft und wird angeklagt, der Belastungszeuge befindet sich auf dem Weg zum Gericht. Doch er wird dies nie erreichen und Wong Po kurze Zeit später freigelassen. Ein Killer überfällt den Konvoi und tötet den Kronzeugen. Der Polizist Chan Kwok Chung (Simon Yam) überlebt genauso wie die kleine Tochter des Zeugen. Im Krankenhaus folgt für Chung der nächste Schicksalsschlag: Ein Gehirntumor wird diagnostiziert. Chung adoptiert das kleine Mädchen, um es vor Wong Po zu schützen und nimmt von nun an mit seinen Kollegen Wah (Kai Chi Liu), Lok (Ken Chang) und Sum (Danny Summer) den Kampf gegen Wong Po auf. Doch ohne Chance, denn drei Jahre später haben sie nichts erreicht und ihr Widersacher ist noch mächtiger geworden. Chung steht vor der Zwangsfrühpension, sein Nachfolger Ma Kwan (Donnie Yen) ist schon im Haus. Doch an seinem letzten Arbeitstag fällt ihm plötzlich die Chance in den Schoß, den Gangster zu verhaften. Nur muss er dafür selbst die Regeln brechen und Beweise manipulieren, um Wong Po zu verhaften. Und der lässt nicht mit sich spaßen und zieht einen Trumpf aus seinen Ärmel: Jack (Jacky Wu), ein weißer, ihm loyal ergebener Todesengel, der anfängt, die Reihen der Polizei zu lichten.

    Der bisher außerhalb Hongkongs eher mäßig in Erscheinung getretene Regisseur Wilson Yip („Bio Zombie“) liefert mit „Kill Zone SPL“ nicht nur die bis dato erfolgreichste, sondern auch aufsehenserregendste Arbeit seiner Karriere ab, wobei das Lob dafür wohl nicht alleine ihm, sondern auch Donnie Yen, einem der drei Stars aus dem Hauptdarstellertriumvirat gebührt. Der Darsteller (u.a. Hero, Sieben Schwerter) war nämlich auch als Inszenator der Actionszenen an dem Projekt beteiligt und diese sind das eindeutige Prunkstück. Schon lange hat man nicht mehr so furiose Handkantenaction in einem Hongkong-Thriller bewundern dürfen. Dass die Polizisten mit Schusswaffen ausgestattet sind, fällt einem immer wieder nur mal ein, wenn es dann doch einen Kopfschuss aus kürzester Distanz gibt. Sonst sprechen nämlich Messer, Schlagstock und vor allem die Fäuste, am liebsten in Duellen Mann gegen Mann, aber auch bei einer gegen viele. Die Vielfalt wird hier groß geschrieben und bei der Choreographie der Szenen ist es Donnie Yen in erstklassiger Weise gelungenen, für Abwechslung zu sorgen, auch wenn die Action in der einen oder anderen Szene vielleicht etwas zu ausgiebig zelebriert wird.

    Perfekt passt dabei die Besetzung des Bösewichts: Sammo Hung, neben Jackie Chan eine der großen Martial-Arts-Legenden aus Hongkong, darf erneut beweisen, dass er nichts verlernt hat. Es ist immer wieder erstaunlich, was Hung trotz seiner Körperfülle (und mittlerweile auch des fortgeschrittenen Alters) bei Actionszenen leisten kann. Den überraschenden Schachzug, den oft auf den gemütlichen, freundlichen, von allen Seiten unterschätzten Dicken abonnierten Darstellern nun als Furcht einflössenden Gangsterboss zu besetzen, der allein mit seinem Namen schon die Beine jedes Streifenpolizisten zum Schlottern bringt, geht auf. Mit dem bereits angesprochenen Donnie Yen gibt es ein erstklassiges Gegenüber, so dass der Fight zwischen beiden natürlich eine Augenweide ist. Für die Martial-Arts-Kunst zuständig ist auch noch Jacky Wu, der sich ebenfalls mit Yen messen darf. Für die schauspielerische Abrundung sorgt Simon Yam. Von Johnny To durch die „Election“-Filme als eine Paradeversion des Gangsterbosses etabliert, darf er nun mal wieder auf der anderen Seite des Gesetzes stehen, wobei die auch nicht viel besser ist. „Wir sind alle schlecht“, muss schließlich auch einer seiner Kollegen erkennen, wobei das gleich ein Hinweis auf einen der Kritikpunkte ist. Die Dialoge sind zumindest in der deutschen Synchro und den Untertiteln (leider Dubtitles) sehr flach. Hier lag wohl nicht der Schwerpunkt.

    Trotzdem liegt dieser nicht nur auf den Kämpfen. Dass die Haupthandlung am Vatertag spielt, nutzen die Autoren, um allen Charakteren einen kleinen privaten Background zu geben, nämlich Probleme in ihrer Beziehung zu Kindern oder Vätern aufzuwerfen. Untermalt wird dies mit melancholischen Momenten, die dadurch verstärkt werden, dass die Polizisten ihren letzten gemeinsamen Arbeitstag verbringen, da Chung ja aufhören muss. Wilson Yip beweist auch in diesen ruhigen Momenten ein ausgesprochenes Gespür für sehr stylische Bilder. Kameramann Wah-Chuen Lam („Made In Hongkong”) und Editor Ka-Fai Cheung (Dead Or Alive, „Black Mask“) leisten hier exzellente Arbeit.

    Da fällt es dann kaum störend ins Gewicht, dass trotz allem Charakterhintergrund, es sich im Endeffekt nur um altbekannte und oft gesehene Storyelemente handelt und der Verlauf insgesamt klar vorhersehbar ist. Im Vordergrund steht der Spaß an der Action und den wird jeder Fan hier haben. Denn wann bekommt man schon erstklassige, variantenreiche Actionszenen, vorgetragen von guten Schauspielern, geboten? Viel zu selten und deswegen sollte man als Actionfan Wilson Yips Genrefeuerwerk nicht missen.
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