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    Handbuch der Liebe
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Handbuch der Liebe
    Von Christoph Petersen
    Erste Verliebtheit, Krisen, Seitensprung und die endgültige Trennung – in der Hörbuch-Reihe des Bestseller-Ratgebers „Handbuch der Liebe“ gibt es für alle Lebens- und Beziehungslagen genau das Richtige. Regisseur Giovanni Veronesi nutzt diese Lebenshilfen auf CD, um einen Bogen um seine nur lose miteinander verwobenen Episoden zu spannen. Anhand von vier Paaren zeigt er die typischen Stationen einer Beziehung von der Liebe auf den ersten Blick bis zum eiskalten Abservieren auf und nutzt dabei nicht nur die Mittel der romantischen Komödie, sondern versucht seine Geschichten noch mit Satire, Parodie, Drama und Slapstick zu würzen. Wirklich zusammenkommen will diese Mischung leider nie, nur die letzten zehn Minuten können mit ihrer hoffnungsvollen Art überzeugen. Bis dahin wurde der Zuschauer aber schon mit einer solchen Masse an oberflächlich aufbereiteten Beziehungsproblemen genervt, dass er das Gleiche auch einfach mit seinem Partner zu Hause hätte haben können.

    Der 23-jährige Tommaso (Silvio Muccino) streunt nach erfolgloser Jobsuche mit seinem Roller durch Rom. Als ihm auch noch eine schwarze Katze den Weg kreuzt, verliert er die letzte Hoffnung auf ein wenig Glück. Doch dann erblickt er die zauberhafte Giulia (Jasmine Trinca), in die er sich schlagartig verliebt. Natürlich hat ein Loser wie er bei einer so schönen Frau nicht die besten Chancen und so holt sich Tommaso zunächst auch einen Korb nach dem Anderen ab, bevor er Giulia mit seiner Hartnäckigkeit doch noch zu einem Date überreden kann. Der Regisseur und Drehbuchautor Giovanni Veronesi hat es sich mit der Liebe auf den ersten Blick nicht sonderlich schwer gemacht, aber das ist in einer romantischen Komödie nun mal die Regel und auch nicht der Hauptgrund für das Scheitern dieser Episode. Vielmehr kommt Tommaso mit seiner penetranten Art beim Publikum nicht sonderlich sympathisch rüber und man kann Giulia nur dafür bemitleiden, dass sie sich mit einem solchen Idioten einlässt. Und wenn man mit dem Helden nicht mitfiebern kann, ihm sogar das Scheitern wünscht, bedeutet das zwangsläufig das Todesurteil für jeden Film des romantischen Fachs.

    Ihre Flitterwochen verbringen Tommaso und Giulia in einem Club, in dem auch das mittelalte Paar Barbara (Margherita Buy) und Marco (Sergio Rubini) ihren Urlaub verbringt. Die Routine ihrer Beziehung hat das Feuer der ersten Zeit schon lange erlöschen lassen. Für ihn sind die besten Augenblicke des Tages, wenn sie abends ins Bett gegangen ist und er in Ruhe vor dem Fernseher sitzen kann, ohne ihre Anwesenheit ertragen zu müssen. Sie wünscht sich hingegen wieder mehr gemeinsame Unternehmungen, zu denen sich Marco aber einfach nicht überreden lässt. So geht Barbara auch allein auf den Geburtstag eines Freundes, wo sie sich erst zulaufen lässt und dann einen anderen Mann küsst. Marco muss seine betrunkene Frau abholen und wenn er sich zunächst sorgsam um sie kümmert, blitzt für kurze Zeit Hoffnung auf, die aber sofort wieder verschwindet, als Marcos Auto abgeschleppt werden soll. Dieser Abschnitt ist der ernsthafteste des Films, könnte fast als reines Drama durchgehen. Aber er bemüht sich zu sehr an das wahre Leben heranzukommen ohne in irgendeiner Form auch filmische Momente hinzuzugeben. So ist er trotz aller Genauigkeit in erster Linie vor allem langweilig. Da kann man sich auch an sein Fenster stellen und die Nachbarn beobachten, dass ist ähnlich aufschlussreich und nicht minder spannend.

    Die Politesse Omella (Luciana Littizzetto) hat Mitleid mit Marco und gibt den Wagen wieder heraus. Einen Tag später hätte sie dies wohl nicht mehr getan, entdeckt sie doch ihren Mann noch am selben Abend bei einer Schulaufführung ihres Sohns hinter der Bühne in einem Häschenkostüm beim Rummachen mit einer anderen Frau. Von nun an hat der Männerhass sie gepackt und sie brummt jedem männlichen Autofahrer, egal ob er falsch parkt oder nicht, eine immense Strafe auf. Erst nachdem sie selbst mit einem Fernseh-Moderator einen Seitensprung gewagt hat, beruhigt sich die Lage. Schauspielerin Littizzetto ist einfach zuviel für die Rolle der Omella. Wie eine wildgewordene Furie stürmt sie durch die Szenen, so dass der Zuschauer eher Angst vor ihr bekommt, als dass er echte Sympathien für sie entwickeln könnte. Mitleid verspürt man allenfalls für ihren armen Mann, dessen Betrug man ohne weiteres nachvollziehen kann. Auch die übertriebenen Slapstickelemente unterstützen das verquere Bild, das der Zuschauer so von Omella bekommt und das eher an ein mucksches Kind als eine wütende Frau erinnert.

    Auch der Arzt Goffredo (Carlo Verdone) ist ein Opfer von Omellas unnachsichtiger Härte geworden. Er hatte sich mit der Verkehrspolizistin angelegt, weil er noch so wütend über die Trennung von seiner Frau war, die ihn für einen anderen hat sitzen lassen. Zunächst versucht er seine Trauer bei einer Affäre mit seiner jungen Arzthelferin (Sabrina Impacciatore) zu vergessen, aber die frühe Rückkehr ihres Mannes lässt Goffredo eine ganze Nacht auf einem Fenstersims verbringen. Am nächsten Morgen schläft er am Strand, wo er von einem kleinen Mädchen unsanft mit einem Stock geweckt wird. So lernt er auch die Mutter der Kleinen und Sprecherin der „Handbuch der Liebe“-Hörstücke Livia (Anita Caprioli) kennen. In Livias kleinem Strandlokal verbringen die drei einen wunderschönen Tag zusammen. Auch die erste Hälfte dieser Episode, in der es sich um Goffredos nymphomanische Abenteuer dreht, ist viel zu überpowert, um wirklich witzig zu sein. Aber dann tut sich doch noch ein Hoffnungsschimmer auf. In den warmherzigen, fein nuancierten Szenen am Strand findet man doch noch den Funken Romantik, nach dem man so lange gesucht hat. Der Liebesgeschichte zwischen Goffredo und Livia wäre man nämlich sehr gerne über die fast zwei Stunden Laufzeit des Films gefolgt, aber in der jetzigen Form möchte man „Handbuch der Liebe“ nur möglichst schnell wieder vergessen.
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