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    Princess Aurora
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Princess Aurora
    Von Björn Becher
    2005 ließen gleich zwei Regisseure in den koreanischen Kinos weibliche Racheengel auf die Leinwand. Zum einen geschah dies in Chan-wook Parks Sympathy For Lady Vengeance, dem genialen Abschluss seiner Rache-Trilogie, mit dem er es sogar schafft, die beiden starken Vorgänger Sympathy For Mr. Vengeance und Oldboy in den Schatten zu stellen. Dass es die Schauspielerin Eun-jin Bang („Address Unknown“, „301, 302“) mit ihrem Regiedebüt daneben schwer haben würde, war abzusehen, doch der Thriller „Princess Aurora“ ist auch aus anderen Gründen nicht der große Wurf, der er hätte sein können.

    Nachdem sie mit angesehen hat, wie eine Mutter ihre Tochter mehrfach schlägt, bringt die – auf den ersten Blick unscheinbare – Luxusautoverkäuferin Soon-jung Jong (Jeong-hwa Eom) die Rabenmutter um. Zwei Polizisten, der erfahrene Sung-ho Oh (Seong-kun Mun) und sein junger draufgängerischer Kollege Jung (Oh-jung Kwon), werden mit den Ermittlungen betraut. Kurz darauf geschieht ein zweiter Mord, der eine ähnliche Handschrift trägt. Eine junge Frau wird in einem Schönheitssalon ermordet. Was die Zuschauer, nicht aber die Polizisten wissen: Soon-jung Jong war erneut die Täterin. Die ermordete Frau hat sich vorher abschätzig gegenüber einer Bediensteten verhalten. Am zweiten Mordschauplatz fällt Jung ein Sticker des Kinder-Cartoons „Princess Aurora“ auf. Weitere Nachforschungen an dem ersten Mordschauplatz fördern einen ebensolchen zu Tage. Was will die Serienkillerin damit aussagen? Doch den Zuschauer umtreibt eine weitere Frage noch viel mehr: Warum sagt Oh, der auf dem Weg dazu ist, seine Polizeimarke gegen eine Priesterkutte zu tauschen, seinem Kollegen nicht, dass er die Mörderin auf einem Videoband gesehen hat? Und warum hat er versucht, beim zweiten Mord die Existenz des „Princess Aurora“-Stickers zu vertuschen und ist nur gescheitert, weil es zwei Sticker gab?

    Da die Identität der Killerin dem Zuschauer von Anfang an offenbart wird, ist dies eine der beiden Fragen, aus denen der Film seine Spannung zieht. Die zweite ist das Motiv der Täterin, denn schnell entpuppen sich die ersten Hinweise als falsche Fährte. Schon das dritte Opfer, auf jeden Fall aber das vierte, haben sich keinem abschätzigen Verhalten wie noch die ersten beiden Opfer schuldig gemacht. Dass die Killerin hier auf einem Rachefeldzug gegen hochnäsige Schönheiten und prügelnde Mütter ist, entpuppt sich somit als Trugschluss.



    Regisseurin Eun-jin Bang legt dem Zuschauer ein Puzzle vor, was dieser nach und nach mit ihrer Hilfe zusammensetzen muss. Leider nimmt sie das Publikum dabei viel zu stark an die Hand und serviert ihm zu viel auf dem Silbertablett. Schnell kommt man dann dahinter, worauf der Film hinaus läuft. Im Finale bessert sich dies dann zwar, wenn sich in einer sehr starken Sequenz das genaue Motiv für jedes Mordopfer entfaltet und eine der nun kommenden Wendungen auch überraschend ist, aber hier wurden insgesamt leider Möglichkeiten vergeben.

    Die sterile Hochglanzoptik, die allen Bildern des Films gemein ist, erweist sich insgesamt als weitere kleine Schwäche. Der Zuschauer bekommt zwar so einige eindrucksvolle Bilder geboten, welche die Regisseurin gerne auch inhaltlich durch das Filmen von Luxusapartments oder Nobelkarossen (bevorzugt aus dem Hause Porsche) anreichert, aber die ungemeine Kälte, welche diese Bilder ausstrahlen, beißt sich teilweise mit dem Inhalt. Passt und überzeugt die Zusammensetzung aus Optik und Inhalt am Anfang noch, untergräbt sie vor allem gegen Ende der Versuch der Regisseurin, die Geschichte emotionaler werden zu lassen und dabei auch Gefühle beim Zuschauer zu erzeugen.

    Dabei liefert der Film gerade hier vielfältige Möglichkeiten. Wie so viele Rachefilme bietet auch „Princess Aurora“ Szenen, die eine Diskussion zum Thema „Selbstjustiz“ anregen und damit die emotionale Verwicklung des Zuschauers fördern können. Mit Hauptdarstellerin Jeong-hwa Eom liefert der Film eine großartige Neuentdeckung. Es mag zwar etwas übertrieben erscheinen bei der fest im koreanischen Film- und vor allem im Musikbusiness etablierten Jeong-hwa Eom von einer „Neuentdeckung“ zu sprechen, es ist hier aber trotzdem angebracht. Ihre Vorstellungen im Filmgeschäft beschränkten sich bisher allesamt auf das Genre der „Romantic Comedys“, hier entfernt sie sich völlig von dieser Rom-Com-Rolle und überzeugt als eiskalte Killerin und Rächerin auf ganzer Linie. Einen Vergleich mit „Lady Vengeance“ Yeong-ae Lee kann sie – im Gegensatz zum ganzen Film – bestehen. Die restlichen Darsteller agieren dagegen völlig in ihrem Schatten. Vor allem Seong-kun Mun („Green Fish“, „Virgin Stripped Bare By Her Bachelors”) überzeugt in seiner Darstellung des undurchsichtigen und von seinem Beruf desillusionierten Polizisten nicht immer.

    Die größte Schwäche von „Princess Aurora“ ist aber sein sehr lang gezogener und phasenweise langweiliger Mittelteil. Hier hätte der Film Kürzungen und eine Straffung vertragen. Denn dann wäre die hohe Qualität durchweg erreicht worden, welche der starke Anfang verspricht und das überzeugende Finale mit dem letzten Einsatz für die Kindercomicfigur „Princess Aurora“ noch einmal liefert.
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