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    Beim ersten Mal
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Beim ersten Mal
    Von Carsten Baumgardt
    Judd Apatow mag es gern familiär. Der Amerikaner begann als Stand-Up-Comedian und Schauspieler (Der Anchorman), fühlt sich aber mittlerweile auf dem Regiestuhl pudelwohl. Zu seiner urkomischen Beziehungskomödie „Beim ersten Mal“ versammelt er nicht nur einen großen Teil der Mannschaft seines Durchbruchs Jungfrau (40), männlich, sucht..., sondern bindet auch gleich noch Ehefrau Leslie Mann und die Töchter Iris und Maude Apatow in tragenden Schauspielrollen ein, wobei der Nachwuchs sein Debüt gibt. Erstaunlicherweise funktioniert dieser Familien- und Freundesklüngel ausgesprochen gut, weil Apatow voll auf seine zwei außergewöhnlichen Talente setzt: Er schreibt die derzeit lustigsten Dialog-Komödien Hollywoods und besitzt zudem die Fähigkeit, Humor unter der Gürtellinie nicht nur komisch, sondern vor allem auch warmherzig zu inszenieren. Bei allem Klamauk herrscht in „Beim ersten Mal“ immer ein menschlicher Ton.

    Alison Scott (Katherine Heigl) startet beruflich durch und steigt von der Produktionsassistentin einer großen Entertainment-Show vor die Kamera auf. Ein folgenschwerer One-Night-Stand bringt ihr Leben gehörig durcheinander. In einem Club kommt sie durch Zufall mit dem sympathischen Loser Ben (Seth Rogen) ins Gespräch. Nach reichlich Alkohol landet das ungleiche Paar im Bett. Das Ergebnis: Alison ist schwanger. Ben hat sie nach der Nacht aber nicht wiedergesehen. Sie nimmt Kontakt auf und versucht das Problem zu lösen. Er hängt für gewöhnlich mit seinen vier Slacker-Kumpanen Jonah (Jonah Hill), Jason (Jason Segel), Jay (Jay Baruchel) und Martin (Martin Starr) herum, kifft und redet dummes Zeug. Ben, der Alison für seine Traumfrau hält, ist alles recht. Sie wollen sich zumindest ein bisschen näher kennen lernen und das Kind behalten. Alisons Schwester Debbie (Leslie Mann) und deren Ehemann Pete (Paul Rudd) sollen ihr in der Schwangerschaft zur Seite stehen, haben aber nach etlichen Ehejahren mit sich selbst zu kämpfen...

    Sich in Fäkalhumor suhlen, können viele. So unappetitlich sich dies anhört, fällt die Umsetzung zumeist auch aus. Regisseur- und Drehbuchautor Judd Apatow ist dieser Art von Humor ebenfalls auf den ersten Blick sehr zugetan. Aber ebenso wie bei seinem großen Durchbruch „Jungfrau (40), männlich, sucht...“ glänzt auch sein Nachfolgewerk „Beim ersten Mal“ mit einer behutsamen, äußerst stimmigen Einbindung von Gross-Out-Gags in sein Gesamtkonzept, das durch die erstaunlich erwachsene und kluge Betrachtung von zwischenmenschlichen Beziehungen, ganz beiläufig aber treffend, ergänzt wird. Sein Film ist ein extrem launiges Gag-Konklumerat, bei dem die Zubereitung der Zutaten trotz Untergürtellinienfaktor ausgesprochen schmackhaft ausfällt, weil die Charaktere niemals zu sehr übertrieben sind, als dass der Zuschauer sich nicht in Teilen dennoch wiedererkennen würde.

    Die Figuren, die „Beim ersten Mal“ bevölkern, sind skurril, teils durchgeknallt, aber immer sympathisch. Selbst die auf dem Papier unlösbar erscheinende Aufgabe, die aufkeimende Romanze zwischen der Karriere-Traumfrau Alison und dem berufsmäßigen Rumhänger Ben glaubhaft zu machen, gelingt Apatow. Der Antrieb zu seiner Komödie ist ein einfacher. Er wollte unbedingt für den kanadischen Komiker und „Jungfrau (40), männlich, sucht“-Sidekick Seth Rogen (Superbad, Donnie Darko) eine Hauptrolle schreiben und setzt dies in unwiderstehlicher Manier um. Seine Erscheinung und die furchtbar tiefe Brummstimme sind zwar auf der einen Seite witzig und unbeholfen, aber dennoch auf irgendeine Art und Weise auch charmant.

    Das alles macht jedoch noch keinen witzigen Film aus. In Hollywood schreibt derzeit kein Comedy-Autor mit einer höheren Gagdichte als Apatow. Sein Timing ist exakt, das Tempo immens. Die Zoten sitzen einfach und sorgen für ein Dauergrinsen in den Zuschauerreihen. Political correctness wird ausgesprochen klein geschrieben, ohne dabei in Peinlichkeiten abzugleiten.

    Der Zusammenprall verschiedener Lebensansichten generiert das hohe Potenzial an funktionierenden Witzen. In komödienrekordverdächtigen 129 Minuten nimmt sich Apatow Zeit, auch seine Nebencharaktere entsprechend zu würdigen, so dass das Umfeld für den Hauptplot stimmig ausfällt. Seth Rogen ist der Aufgabe, einen solchen Film zu bestimmen, bestens gewachsen. Seine Partnerin Katherine Heigl („Grey’s Anatomie“, Chucky und seine Braut) erweist sich als ideales Gegenstück, während Paul Rudd („Jungfrau (40), männlich, sucht...“, „Friends“, Nachts im Museum) mehr für die klugen Töne in Bezug auf Beziehungen zwischen Mann und Frau im Allgemeinen zuständig ist.

    Ein Vorwurf, der Apatow gern von Teilen der Filmkritik gemacht wird, hat irgendwo schon seine Berechtigung. Er inszeniere seine Filme wie eine Sitcom, heißt es in diesen. Die Konzentration auf den immer nächsten Gag ist durchaus festzustellen, doch wer soll sich darüber beschweren, wenn es tatsächlich funktioniert und die Trefferquote so hoch ist, wie bei „Beim ersten Mal“? Ein Gesamtfluss ist sehr wohl vorhanden. Dazu benutzt der Regisseur nebenbei auch Running Gags, um zusätzliche Homogenität zu erzeugen (Stichwort: shoe bomber).

    Fazit: „Beim ersten Mal“ ist die Feel-Good-Komödie des Sommers. Der Spaßpegel schlägt über mehr als zwei Stunden Spielzeit auf hohem bis sehr hohem Niveau aus. Neben köstlicher Situationskomik hat Apatow ein feines Händchen für zahllose Zitate quer durch die halbe Filmgeschichte und moderne Popkultur. Für einen guten Gag ist sich der Regisseur beinahe zu nichts zu schade, bewahrt aber trotz allem stets seinen Stil. Eine Kunst, die er derzeit führend betreibt. Wer nichts dagegen hat, zwei Stunden zu lachen oder einmal austesten möchte, was für Witze sich alles über eine Schwangerschaft machen lassen (Gynäkologe bei der Untersuchung zu Alison: „Ups, that’s the asshole. Happens five times the day.“), sollte unbedingt ein Kinoticket für „Beim ersten Mal“ lösen. Der furiose Film übertrifft den ebenfalls schon sehr unterhaltsamen Vorgänger „Jungfrau (40), männlich, sucht...“ sogar noch.
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