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Hairspray
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Hairspray
Von Alina Bacher
Dass John Travolta gut singen und tanzen kann, ist dank Filmen wie Grease und „Saturday Night Fever“ kein Geheimnis. Dass der Hollywoodstar dabei allerdings auch in Frauenklamotten der Größe XXL eine gute Figur abgibt, beweist er in der Musicalüberraschung des Sommers. „Hairspray“ hat alles, was gute Unterhaltung ausmacht: eine lustige Story, gut gelaunte Schauspieler und einen mitreißenden Soundtrack. Schrill, bunt und spaßig ist die Devise dieses Filmusicals. Ein echtes Feel-Good-Movie – allerdings nur für Musicalfans.

Basierend auf dem Originalfilm von John Waters aus dem Jahr 1988 erzählt „Hairspray“ die Geschichte des gut gebauten Teenagers Tray Turnblad (Nikki Blonsky) im Baltimore der 60er Jahre. Das stämmige Mädchen wünscht sich nichts mehr, als eine berühmte Tänzerin zu werden. Am besten mit einem Auftritt in der „Corny Collins Show“, die hipste TV-Tanzshow im Baltimorer Lokalfernsehen. Hier stellen sich die „Nicest Kids in Town“ zur Schau. Doch Tracys Eltern, ihre übergewichtige, gluckenhafte Mutter Edna (göttlich: John Travolta), die aus Scham über ihre Figur bereits seit Jahren das Haus nicht mehr verlassen hat, und ihr durchgeknallter Vater (Christopher Walken), Besitzer eines Scherzartikelladens, wollen ihrer kleinen Tochter die Enttäuschung ersparen. Schließlich scheint in dieser Gesellschaft kein Platz für Menschen, die anders sind zu sein. Doch Tracy gibt ihren Traum nicht auf, kämpft zusammen mit ihrer besten Freundin Penny Pingleton (Amanda Bynes) um einen Platz in der TV-Sendung. Beeindruckt von Tracys Tanzstil engagiert Corny Collins (James Marsden) sie für die nächste Show, doch der plötzlich Ruhm bringt auch Neider mit sich. Tracys Mitschülerin und Konkurrentin Amber Von Tussle (Brittany Snow) und ihre intrigante Mutter Velma (Michelle Pfeiffer) lassen nichts unversucht, um Tracy von ihrem großen Traum und ihrer großen Liebe Link Larkin (Zac Efron) abzubringen...

Die Geschichte vom Typ Aschenputtel ist alt bekannt. Bereits 1988 griff John Waters („Pink Flamingos“) auf dieses Thema zurück und erschuf einen Kultklassiker. 2002 wurde der Stoff zur Grundlage eines Erfolgsmusicals. „Haispray: The Musical“ mauserte sich zu einem Broadway-Riesenhit. Die mitreißende Musik von Marc Shaiman begeisterte das internationale Publikum und die Jury des begehrtesten Musicalpreises, der Tony Award. Insgesamt wurde das Musical in 13 Kategorien nominiert, wovon es acht der beliebten Preise gewann, darunter: Bestes Musical, Bestes Buch zu einem Musical und Beste Originalmusik. Kein Wunder, dass der Riesenerfolg eines Remakes für die Kinoleinwand bedurfte.

Unter der Regie von Leichtgewicht Adam Shankman (The Wedding Planner, Haus über Kopf) entstand eine Musicalverfilmung, die den schmalen Weg zwischen Kitsch und Clownerei mit Leichtigkeit meistert. Nicht zuletzt begeistert der sehr musiklastige Film besonders durch seinen Soundtrack. Neben den Originalsongs aus dem Musical fügte Komponist Marc Shaiman (unter anderem auch verantwortlich für die Soundtracks in „Sister Act“, Harry und Sally und Eine Frage der Ehre) extra für den Film komponierte Lieder hinzu. Das Ergebnis: packende Musik, die die Füße im Takt mitwippen lässt und auch noch lange nach dem Kinobesuch für einen anhaltenden Ohrwurm sorgt.

Neben dem grandiosen Soundtrack bestechen vor allem die hochkarätig besetzen Schauspieler für großen Kinospaß. Neuentdeckungen wie der jungen Nikki Blonsky in der Hauptrolle der Tracy Turnblad stehen Superstars wie John Travolta, Christopher Walken und Michelle Pfeiffer zur Seite. Das absolute Highlight des Films ist und bleibt aber John Travolta in der Rolle der Edna Turnblad. Der Hollywoodsuperstar und Musicaldarsteller, der mit Filmen wie Pulp Fiction seinen harten Kern unter Beweis stellen konnte, schlüpft für „Hairspray“ nicht nur in Frauenklamotten, sondern sogar in Übergröße. Das 15 Kilogramm schwere Ganzkörpertrikot und Silikon-gefüllte Maskenteile machen aus dem Frauenschwarm 150 Kilo pure Schauspielfreude. Travolta geht in seiner wohl komischsten Rolle der Karriere voll und ganz auf. Auch sein Film Ehemann Christopher Walken (Die durch die Hölle gehen, Catch Me If You Can) stellt sein Sing- und Tanztalent grandios unter Beweis. Als naiv blauäugiger Besitzer eines Scherzartikelladens bezaubert er die Musicalfans. Ein weiterer großer Name in der Liste der Superstars ist Michelle Pfeiffer („Gefährliche Liebschaften“, Schatten der Wahrheit), die als fiese Intrigantin Velam Von Tussel ihr gemeine Seite ausspielen darf und ganz nebenbei noch einige ziemlich schwere Solonummern singt. Als Motormouth Maybelle, eine der ersten schwarzen TV-Moderatorinnen, zeigt Queen Latifah, die bereits in Chicago Musicalerfahrung sammeln konnte, ihr Gesangstalent. Doch auch die Jungschauspieler glänzen in ihren Rollen. Amanda Bynes als Penny Pingleton (Was Mädchen wollen) und Teenieschwarm Zac Efron, bekannt durch den Smashhit „High School Musical“, sind ja bereits alte Hasen im Showgeschäft. Anders hingegen ist die Sache bei Hauptdarstellerin Nikki Blonsky. Die 18- Jährige war bisher ausschließlich in Musicalproduktionen ihrer Schultheatergruppe zu sehen. Dennoch überzeugt sie nicht nur mit ihrer grandiosen Stimme, sondern auch mit ihrer Schauspielfreude, die ihr ins Gesicht geschrieben steht.

Alles in allem trifft „Hairspray“ genau den Geschmack des Musical-begeisterten Publikums. Wer allerdings nichts mit Sing- und Tanztheater anfangen kann, wird wohl an diesem Film keinen Spaß haben, kommen die Szenen doch sehr bunt, durchchoreographiert und aufgedreht daher. Allen anderen sei dieser Musicalspaß wärmstens ans Herz gelegt. „Hairspray“ ist eine der besten Musicalverfilmungen der letzten Zeit und wird mit Sicherheit eine große internationale Fangemeinde nach sich ziehen. Ganz im Sinne des Musicals: „You can’t stop the beat.“
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