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Das Beste kommt zum Schluss
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Das Beste kommt zum Schluss
Von Tobias Diekmann
Jack Nicholson tritt mal wieder den Beweis an, dass er kein Mann jedweder Eitelkeiten mehr sein braucht, und setzt sich somit in kontinuierlichen Abständen in seiner filmischen Laufbahn mit dem Älterwerden auseinander. Was vor einigen Jahren mit About Schmidt langsam begann und in der Komödie Was das Herz begehrt ebenso zum Thema gemacht wurde, führt ihn nun hin zum finalen Akt der Rückschau: die Frage nach der Essenz des Lebens, wenn der Tod unvermeidlich bevor steht. Auch diesmal ist er nicht allein, sondern hat keinen Geringeren als Morgan Freeman zur Seite. Beide machen sich in „Das Beste kommt zum Schluss“ des Regisseurs Rob Reiner auf eine Reise um die Welt, die zugleich zu einer letzten Suche nach sich selbst wird und eingebettet in tragisch-komischen (Pathos-)Momenten zeigt, dass dem nahenden Tod durchaus auch mit Humor und einer gehörigen Portion Lebensfreude begegnet werden kann.

Die Story ist schnell erzählt. Der reiche und arrogante Großunternehmer Edward Cole (Jack Nicholson) sowie der bedachte Automechaniker Carter Chambers (Morgan Freeman) teilen sich nicht nur ein gemeinsames Krankenhauszimmer, sondern auch die erschütternde Diagnose, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt sind und nur noch wenige Monate zu leben haben. Nach anfänglicher Skepsis voreinander freunden sich die beiden gegensätzlichen Patienten an und entschließen sich rasch, sich nicht einfach mit ihrem Schicksal abzugeben. So erstellen sie eine Liste mit Dingen, die sie sich vor ihrem Ableben noch gerne erfüllen würden („the bucket list“, wie der Film im Original auch sehr viel treffender heißt und an „to kick the bucket“, also „den Löffel abgeben“, angelehnt ist). Dank Coles Vermögen und mit Hilfe seines Assistenten Thomas (Sean Hayes, „Will & Grace“) machen sich beide trotz Widerstand von Chambers Ehefrau Virginia (Beverly Todd) auf eine Reise in fremde Länder, erleben halsbrecherische Aktionen und lernen darüber hinaus auch in menschlicher Hinsicht voneinander, und dass man in bestimmten Dingen zur Einsicht kommen und wichtige Entscheidungen treffen muss, bevor man die Bühne des Lebens verlässt.

Regisseur Rob Reiner (Harry und Sally, Eine Frage der Ehre, Misery, Wo die Liebe hinfällt) ist, was die Konventionen eines anrührenden Hollywoodfilms betrifft, ein echter Profi. Er weiß nämlich ganz genau, mit welchen einfachen filmischen Mitteln die Zuschauer zu einer umfassenden Bandbreite von Emotionen hingerissen werden. So verwundert es kaum, dass „Das Beste kommt zum Schluss“ von der ersten bis zur letzten Minute mit einem stimmigen Soundtrack versehen ist, immer mal wieder neben den üblichen Lachern ein paar selbstironische Pointen in Bezug auf die beiden Hauptdarsteller (und ihr Alter) fallen lässt, um nicht zu glatt zu wirken, und doch stets im richtigen Moment weiß, wann der moralische Hammer herauszuholen ist, damit die Kurve zum emotionalen Höhepunkt gewährleistet bleibt. Das ist dank des Dauereinsatzes dieser Höhepunkt ein wenig anstrengend, und in ihrer Vorhersehbarkeit in anderen Film mit der Aufschrift „Tragikomödie“ so oder so ähnlich auch schon besser umgesetzt worden.

Demnach handelt es sich um einen extrem konventionell gestrickten Film, der das heikle Thema des Sterbens zwar auf humorvolle und ernsthafte Weise behandelt, jedoch ohne dem Ganzen einen wirklich neuen Aspekt abgewinnen zu können. Und trotzdem funktionieren die auf den Punkt inszenierten Achterbahnfahrten der Empfindungen recht gut, was schlicht und ergreifend an den Hauptdarstellern Nicholson und Freeman selbst liegt, die maßgeblich im Fokus des Geschehens stehen und einfach keine schlechte Performance abliefern können. So ist es schon unterhaltsam, mit ihnen zum Beispiel ins (CGI-generierte) Ägypten, Indien und in die Antarktis zu reisen oder dabei zuzusehen, wie sie sich aus Flugzeugen stürzen, Tattoos stechen lassen oder mit einem Motorrad über die chinesische Mauer brausen. Ihnen ist in jeder Sekunde der Spaß an der Sache anzusehen, und das selbst im ersten Drittel des Films, der sich fast ausschließlich im Krankenzimmer abspielt und die voranschreitende Krankheit und das langsame herantasten der beiden aneinander mit etlichen ernsten Zwischentönen dokumentiert. Vor allem Nicholson schafft es, seinen Edward Cole in der Schwebe zwischen arrogantem Kotzbrocken und bemitleidenswertem Todgeweihten zu halten, der tief im Innern einfach sehr einsam ist und im Laufe des Films natürlich auch seine weiche und offenherzige Seite zeigen darf. Dabei bleiben die kurzen Szenen mit seinem nicht minder zynischen Assistenten Thomas die eigentlichen Highlights.

Neben den ganzen Abenteuern der beiden alten Herren erweist sich der gemeinsame Road Trip aber auch als ein Suchen (und Finden) nach der „wahren Freude im Leben“, wie Chambers Cole immer wieder ermahnt, der ja bisher als Schürzenjäger und ohne wirkliche soziale Kontakte sein Dasein fristete. Dabei etabliert der Film von Anfang an klare Zuweisungen gemäß den unterschiedlichen Werten und Moralvorstellungen der Protagonisten. Während Cole für sich allein steht, ist Chambers ein Familienmensch, zuständig für Gutmütigkeit und Menschlichkeit, was im Versuch einer Zusammenführung zwischen Cole und seiner Tochter gipfelt, zu der er jahrelang keinen Kontakt mehr hatte. Es geht also im Kern des Films um die Verortung innerhalb der Familie, um Verantwortung und den Glauben daran, falsche Entscheidungen noch ändern zu können.

Diese kulturell bedingten Differenzen spiegeln sich auch immer wieder in den Wünschen der „bucket list“ wider und ergeben den Aufhänger für etliche Erkenntnisse, Wendungen und Zusammenführungen, die am Ende mit großem Tamtam den Zuschauern in den Kinosesseln Tränen in die Augen treiben soll, was halt auch trotz einiger zweifelhafter Entscheidungen (z.B. die schmalzigen Off-Kommentare von Chambers) größtenteils gelingt. Denn obwohl „Das Beste kommt zum Schluss“ weniger Pathos und dafür etwas mehr ironischen Umgang mit dem Thema Tod sicher nicht geschadet hätte, erfüllt er seinen Zweck im Ganzen dann doch ganz gut und geht für einen Kinoabend voller Emotionen durchaus in Ordnung, was vor allem dem unschlagbaren Gespann Nicholson/Freeman zuzuschreiben ist.
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