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    7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug
    Von Jonas Reinartz
    Es war einmal ein Komiker mit dem Namen Otto Waalkes. Durch seine sehr eigene, quirlige Art wurde er rasch zum Publikumsliebling; Fernsehsendungen, Tourneen, Bücher, Platten, Spielfilme – alles, was er anpackte, wurde zu Gold. Doch im Laufe der Zeit gingen ihm verständlicherweise irgendwann die Ideen aus. Anstatt sich mit seinen Millionen zurückzulehnen, macht er beständig weiter. Als sowohl „Otto – Der Katastrofenfilm“ (2000), der seinem Titel alle Ehre machte und an der Kinokassen hinter den Erwartungen zurück blieb, als auch „Kommando Störtebecker“ nicht den erhofften Zuspruch fanden, schien Waalkes’ Karriere in diesem Bereich beendet. Mit einem Paukenschlag meldete er sich im Jahre 2004 zurück, Sven Underwaldts „7 Zwerge – Männer allein im Wald“, eine aufwendige Märchen-Parodie, sahen rund 6,8 Millionen Zuschauer. Ein wesentlicher Grund hierfür war sicherlich die Besetzung, denn der Ostfriese, der unbestritten zu den Gründervätern der hiesigen Comedyszene gezählt werden muss, scharte nahezu sämtliche seiner „Söhne und Enkel“ um sich. Allein wer nur gelegentlich Sketchsendungen im TV sieht, entdeckte das eine oder andere ihm bekannte Gesicht, selbst andere „Altstars“ wie Harald Schmidt und Helge Schneider gaben sich die Ehre. Zusätzlich ermöglichte die Thematik, die sich komplett um bekannte deutsche Märchen drehte, selbst kleinen Kindern einen leichten Zugang, allerdings war auch der Humor zu deutlich auf eine möglichst breite Zielgruppe ausgerichtet. Die unausweichliche Fortsetzung „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“ unterscheidet sich kaum von seinem Vorgänger und erfüllt die Erwartungen. Streckenweise enervierend und durchgehend infantil, halten immerhin die aufwendige Machart und viele Gastauftritte bei Laune, Fans der kleinen Chaostruppe kommen ohnehin auf ihre Kosten.

    Schneewittchen (Cosma-Shiva Hagen) wurde übel mitgespielt, ihr Mann, der Hoffnarr (Atze Schröder), wollte lediglich schnell Zigaretten holen, kehrte jedoch nie zu ihr und dem gemeinsamen Kind, das ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ist, Dauerwelle inklusive, zurück. Wenigstens kann sie sich an ihrem kleinen Schatz erfreuen, doch dieses Glück ist auch in Gefahr. Der intrigante Spliss (Hans-Werner Olm) hat Rumpelstilzchen (Mister Ypsilon) den Thronerben versprochen, wenn ihm dieser bei seinem größten Problem beistünde, kreisrundem Haarausfall. Da der hässliche und niederträchtige Schurke Kinder wortwörtlich zum Fressen gern hat, hält er sich sofort an die Abmachung und fordert nun seine Belohnung ein. Selbstverständlich ist die Mutter des Kleinen entsetzt und der Verzweiflung nahe. Schließlich lässt sich Rumpelstilzchen auf ein Spiel ein: Wenn es innerhalb von zwei Tagen gelingt, seinen Namen aufzudecken, wird er von seinem finsteren Vorhaben ablassen. Hoffnungsvoll möchte sich Schneewittchen an die sieben Zwerge wenden, die ihr schon einmal in höchster Not beistanden. Bis auf einen vereinsamten Cookie (Otto Waalkes) sind jene allerdings wie vom Erdboden verschluckt. Entschlossen macht sich der Knirps auf, seine Freunde zu suchen. In Bad Sägeberg wird er fündig. Cloudy (Boris Aljinovic), Sunny (Ralf Schmitz), Cookie (Gustav-Peter Wöhler), Tschakko (Mirco Nontschew), Speedy (Martin Schneider) und Ralfie (Norbert Heisterkampf) haben versucht, sich selbstständig zu machen, allerdings ist keiner von ihnen fähig, einer verantwortungs-vollen Tätigkeit nachzugehen.

    Nahezu alle deutschen Kinoerfolge der letzten Jahre haben eines gemeinsam – ein Gefühl der Vertrautheit. Ob es sich um DDR-Aufarbeitung (Sonnenallee, Good Bye, Lenin!, Das Leben der Anderen), dem Schwelgen in einer glorreichen Vergangenheit (Das Wunder von Bern), TV-Nostalgie (Der Schuh des Manitu, Der Wixxer, „(T)raumschiff Surprise: Periode 1“) oder eine Bestseller-Verfilmung (Das Parfum) handelt, das deutsche Publikum möchte genau wissen, was es bekommt. Das ist absolut verständlich, denn aufgrund der Übersättigung des Marktes durch angloamerikanische Produktionen, die zudem mit erheblichem Werbeaufwand auftrumpfen können, gelingt es fast nur jenen zugänglichen Filmen, allgemeines Interesse auszulösen. Gerade Inhalte, die sich auf ein konkretes Schlagwort festlegen lassen können, wie etwa „Winnetou-Parodie“, lassen sich perfekt vermarkten und in clevere Marketingstrategien einbinden. Was die zahlreichen, durch den Zucker-Abrahams-Zucker-Stil („Die nackte Kanone“) deutlich beeinflussten Komödien betrifft, so ist noch ein anderer Faktor von enormer Bedeutung. Es ist keine leichte Zeit, in der wir leben, das soziale Klima wird rauer, die Wirtschaft hat ihre Probleme. Daher sehnen sich viele Menschen nach Zerstreuung, wenn diese zusätzlich Erinnerungen an einen besseren, sorgenfreien Abschnitt des Lebens, die eigene Kindheit auslöst, ist das ein unschätzbarer Vorteil. Edgar Wallace, Winnetou, Raumschiff Enterprise, Märchen(-Filme) – diese sind alle in den meisten Fällen mit wohligen Eindrücken verknüpft, gemütlichen Sonntagnachmittagen oder schönen Stunden im Kreise der Familie oder guter Freunde. Kino ist auch immer ein wenig Flucht vor Realität, eine Welt, die nicht im Geringsten etwas mit dem wirklichen Leben zu tun hat, ist dafür bestens geeignet.

    Der Humor lässt sich verknappt in einem Satz zusammenfassen: Erwachsene Männer verkleiden sich als Zwerge, stellen sich dumm und knallen sich Bretter an den Kopf. Junge Zuschauer finden das zweifellos sehr witzig, dagegen ist auch rein gar nichts auszusetzen. Freunde eines etwas anspruchsvolleren Humors mögen sich da an den Kopf fassen und entsetzt das Weite suchen, doch wer seine Ansprüche etwas tiefer ansetzt und sich einfach nur amüsieren möchte, wird damit keine Probleme haben. Schwerer wiegen hingegen die Leistungen der Hauptdarsteller, wobei besonders der gewöhnlich herausragende Comedian Ralf Schmitz negativ auffällt. Ständiges übertriebenes Lispeln und hysterisches Grimassieren sind generell nicht unbedingt lustig, auf Spielfilmlänge kommt es für so manchen Zuschauer einer Geduldsprobe gleich. Otto Waalkes und Nina Hagen agieren wie gewohnt an der Grenze zur Selbstparodie, die restlichen Mitglieder der Zwergen-WG schwanken zwischen recht amüsant (Gustav-Peter Wöhler) und hektisch (Miro Nontschew). Wie immer im Humorbereich ist dies jedoch wieder stark vom persönlichen Geschmack abhängig, wer diese Seite von Schmitz und den allgemeinen Ton des Films mag, wird sich vor Lachen kaum halten können und das sei ihm ja auch sehr gegönnt. Am interessantesten sind nach wie vor die Gastauftritte des Films, die sich wirklich sehen lassen können, u.a. sind Olli Dittrich und Deutschlands berühmtester Hutträger mit von der Partie. Auch wenn die Möglichkeiten, die sich hier bieten, fast komplett verschenkt werden und der Witz wesentlich im Überraschungseffekt besteht, sind diese Szenen doch recht vergnüglich. Gegenüber dem Vorgänger hat sich auch optisch nichts verändert, was jedoch keinen Nachteil darstellt. Zwar sehen die Bilder trotz des Breitwandformates immer noch wie aufgeblasene Einstellungen einer aufwendigen TV-Serie aus, hübsch ausgeleuchtete Interieurs und einige sehenswerte Kulissen sorgen dennoch für einen passablen Gesamteindruck. Regisseur Sven Underwaldt, der übrigens dem Reich des Bösen im Märchenland seinen Namen gibt, macht seine Arbeit ganz ordentlich. Von der Liebe zum Detail und kindlichen Begeisterungsfähigkeit eines Michael „Bully“ Herbig ist allerdings zu keinem Zeitpunkt etwas zu spüren.

    „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“ will bedingungslos unterhalten, was ihm bei einem jungen Publikum und erwachsenen Zuschauern, die einfach einmal ihre Alltagssorgen vergessen und einen vergnüglichen Abend verbringen wollen, ohne Frage gelingen wird. Was der eine als entsetzlich unlustig empfindet, ist für den anderen ein großes Vergnügen, in Sachen Humor lässt sich schließlich trefflich streiten. Zuschauer, die den ersten Teil mochten, können bedenkenlos einen Kinobesuch planen, Anhänger subtilerer Komik sollten sich eher anderweitig umschauen. Dass von dem ehemals originellen und spritzigen Humor des jungen Otto Waalkes nicht mehr viel übrig geblieben ist, verwundert zwar nicht, hinterlässt aber freilich bei Freunden seines frühen Schaffens einen leicht trüben Eindruck. Ein Treatment für den dritten Teil liegt bestimmt schon in seiner Schublade. Wer sollte es den Beteiligten ernsthaft verübeln? Link-Tipp: CD-Kritik „7 Zwerge: Der Wald ist nicht genug“-Soundtrack
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