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    Abgefahren - Mit Vollgas in die Liebe
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Abgefahren - Mit Vollgas in die Liebe
    Von Stefan Ludwig
    Wenn der Trailer Böses verspricht, sind die Erwartungen niedrig gesetzt. Doch manchmal kann ein Film dennoch überzeugen und damit zeigen, wie leicht eine Vorschau falschen Eindruck erwecken kann. So also auch bei „Abgefahren“ von Regisseur Jakob Schäuffelen, der bisher lediglich mit TV-Produktionen beschäftigt war; so wirkte er zuletzt bei der Serie „Edel und Starck“ mit und führte Regie beim Fernsehfilm „Keine Mann für eine Nummer“. „Abgefahren“ wurde als die „rasanteste Komödie des Jahres“ angekündigt, geworden ist die Action-Komödie zwar sicher kein Meisterwerk, sorgt aber mit genug Witz, Action und einer Portion Liebe für sehr nette Unterhaltung.

    Mia (Felicitas Woll) hat einen Traum: Sie will eines Tages die jüngste Fahrerin bei der Rallye Paris-Dakar sein. Ständig schraubt sie an dem Auto ihrer Mutter herum, einem alten Käfer. Durch Zufall lernt sie Cosmo (Sebastian Ströbel) und einige Fahrerinnen illegaler Rennen kennen, darunter auch die schöne Sherin (Nina Tenge), die sich alsbald in Mia verliebt. Von Sherin wird sie in die örtliche Szene eingeführt, jede Woche finden Rennen statt. Hier will Mia sich nun Geld verdienen, um zunächst am ebenfalls illegalen „Airport Race“ teilzunehmen. Es finden sich sogar dank Cosmo ein paar Talentsucher ein, die junge Fahrer suchen, ausgerechnet für Mias Traum. Doch bis das „Airport Race“ stattfindet, sind etliche Schwierigkeiten zu überwinden: Sherins Dodge Challenger, der für das Rennen vorgesehen war, wird bei einer nächtlichen Polizeikontrolle abgeschleppt, Cosmo verliebt sich ebenfalls in Mia, was er allerdings nie zugeben würde, aber mehr und mehr klar wird, und Mia wird ihm gegenüber auch immer offener, was sie ebenfalls nie vor ihren anderen neuen Freundinnen gestehen würde.

    Die hier entstandenen Bilder sind echte Leinwand-Bilder, fürs deutsche Kino leider immer noch ungewöhnlich, und sehen nicht wie etwa in der PS-Gurke „Autobahnraser" aus wie aus einem Fernsehfilm. Die Story bietet diverse nette Wendungen und es gelingt ihr so, den Zuschauer stets bei der Stange zu halten. Zum Glück versuchten die Drehbuchautoren nicht zu sehr dem Vorbild „The Fast and The Furious“ gerecht zu werden und legten ihre eigenen Prioritäten: Witz, Action und Liebe sollten die Zutaten sein und von allem bietet der Film ausreichend – gelungene Gags, nette Action und eine ganz ansehnliche Liebesgeschichte zwischen Cosmo und Mia reichen zu einem zufriedenstellenden Ergebnis aus. Keine Charakterstudien, keine übermäßigen Stunts, keine genial untergelegte Musik gibt es, aber schließlich soll der Film ausschließlich der Unterhaltung dienen.

    Felicitas Woll („Mädchen, Mädchen“) wurde für ihre Rolle in der Serie „Berlin Berlin“ bereits mit dem Deutschen Fernsehpreis sowie dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Talent ist ihr nicht abzusprechen, in „Abgefahren“ macht sie ihre Sache sehr gut, der eigenwillige und forsche Charakter, den sie spielt, kommt optimal rüber. Ihre Gestik und Mimik drückt in richtigem Maße die jeweilige Stimmung aus und nie wirken die Gefühle überzogen. Von ihr ist noch mehr Gutes zu erwarten. Ihre Schauspielkollegen bieten ebenfalls gute Kost, Sebastian Ströbel sieht aus wie der junge Til Schweiger und holt das aus der Rolle des immer coolen Womanizer heraus, was herauszuholen ist. Nina Tenge spielt mit einer gewissen Intensität, sie ist der weibliche Gegenpart zu Cosmo in der Rennwelt und kann hier dank netter Szenen punkten, auch wenn ihre Rolle eigentlich dazu bestimmt ist, in erster Linie gut auszusehen. Florian Fischer, der den Freund von Cosmo spielt, agiert zwar mehr in dessen Schatten, kann dank des gut eingesetzten bayrischen Dialekts für den ein oder anderen Lacher sorgen.

    „Abgefahren“ ist ein idealer Film, um einfach mal eineinhalb Stunden abzuschalten und sich mit ein paar Freunden im Kino zu entspannen. Ein typischer Popcorn-Film, der nichts hält von großen Aussagen oder einem Schwingen mit der Moralkeule. Es gelingt ihm, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen, manch einer wird sicherlich nach dem Film das Verlangen verspüren, sich selbst einmal dem Adrenalinstoß eines Autorennens hinzugeben. Sicherlich sind die Charaktere nicht großartig, Entwicklungen gibt es nur bei der Liebesgeschichte zwischen Cosmo und Mia, und die Story ist auch nichts, was nicht schon mal in ähnlicher Form dagewesen wäre. Letztendlich will der Film das alles aber auch gar nicht und der Zuschauer wird es auch nicht erwarten, sondern nur eins: pure Unterhaltung. Und das schafft der Film überraschenderweise.
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