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    Walk Hard - Die Dewey Cox Story
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Walk Hard - Die Dewey Cox Story
    Von Daniela Leistikow

    „Ich bleib auf Kurs“ war die etwas freie, doch treffende Übersetzung von Gunter Gabriel, als er den Johnny-Cash-Klassiker „I Walk The Line“ 2003 auf Deutsch neu aufnahm. Jake Kasdans Musikfilm „Walk Hard“ will in ähnlicher Weise oscarprämierte Musik-Biopics wie Walk The Line und Ray ins Komödiantische übersetzen. Leider bleibt „Walk Hard“ dabei nicht immer auf Kurs und nimmt sich nach der Hälfte des Films durch die Eintönigkeit der Gags selbst den Wind aus den Segeln. Bis zum genannten Zeitpunkt geht die Parodie in Bezug auf die Lacher relativ treffsicher und dem Filmtitel entsprechend dahin, wo es wehtut.

    Musiklegende Dewey Cox (John C. Reilly) hat eine bewegende Karriere hinter sich: Der Rock’n’Roll ist sein Leben. Er legte 411 Frauen flach, heiratete drei Mal, hat 22 Kinder und 14 Stiefkinder. Außerdem ist er mit Elvis und den Beatles befreundet, konsumierte jede nur erdenkliche Droge und versuchte dann, wieder von ihr loszukommen. Nur eines hat Cox bisher nicht geschafft: das Meisterwerk zu kreieren, das er seinem Bruder Nate (Chip Hormess) auf dessen Sterbebett versprach, nachdem er ihn beim Spielen mit einer Machete aus Versehen zerstückelt hatte. Wird Dewey Cox es schaffen, einen musikalischen Geniestreich zu vollbringen, um den letzten Wunsch seines viel begabteren Bruders zu erfüllen?

    „Walk Hard“ beginnt seinen Gewaltmarsch durch das Genre Musik-Biopic mit einer Johnny-Cash-Sequenz, die sich liebevoll-ironisch über „Walk The Line“ lustig macht. Während Dewey und sein großer Bruder Nate durch das Südstaaten-Idyll spazieren und Nate darüber sinniert, was er in seinem lange Leben alles noch tun werde, ist das urkomisch – weiß man doch aus dem Original, welches Schicksal Nate ereilen wird. Noch besser: Deweys Mutter kommt vor einem Highschool-Konzert hinter die Bühne und bezeichnet Dewey wiederholt als ihren ach so jungen, ja erst 14-jährigen Sohn, wobei der 41-jährige Dewey-Darsteller Reilly neben seinen adoleszenten Bandkollegen aussieht, als stünde er kurz vor der Rente. Wer da nicht lacht, hat wenig für Parodien übrig und ist im falschen Film. Auch für Leute, denen Political Correctness über alles geht, ist „Walk Hard“ nicht die richtige Wahl für den nächsten Kinoabend. Denn die Witze über Juden, die angeblich „wie jeder weiß“ das Showbusiness kontrollieren, sind nicht jedermanns Kragenweite.

    Eine ganze Menge eigenartiger Kragen haben die schrillbunten Kostüme, die die wechselnden Dekaden verdeutlichen, in denen „Walk Hard“ spielt. Bei so einer Zeitspanne kommen viele kleinere Charaktere zusammen, die aufgrund ihrer Vielzahl etwas blass bleiben, was bei einem solchen Klamaukfilm aber auch nicht groß ins Gewicht fällt. John C. Reilly macht seine Sache als idiotische Ikone gesanglich wie schauspielerisch gut und veralbert die Musik-Biopics über Johnny Cash, Ray Charles und Buddy Holly (in prophetischer Manier vielleicht auch Bob Dylan), dass man vor lachen fast zu weinen anfängt. Jenna Fischer als June Carter Look-a-like und Raymond J. Berry als Papa Cox hat man allerdings schneller wieder vergessen, als man „The wrong kid died“ sagen kann – was Pa Cox auch zu allen passenden und unpassenden Gelegenheiten tut. Ein Schmankerl unter mehreren Gastauftritten ist der von Jack Black, Paul Rudd, Justin Long und Jason Schwartzman als Paul McCartney, John Lennon, George Harrison und Ringo Starr von den Beatles.

    Zwar ist nicht jeder Dialog so lustig, wie der zwischen den vier Beatles, doch für einen Film, der keine richtige Story hat, ist die Quote guter Gags erstaunlich hoch. Die schlechten tun trotzdem weh, vor allem weil viele Witze mehrfach wiederholt werden. Eigenartig ist, dass viele der im Trailer gezeigten Szenen im fertigen Film gar nicht auftauchen. Zum Beispiel lernt der Zuschauer im Trailer Cox’ dritte Frau Sheryl kennen, die im Film nicht vorkommt. Auch der Werbespot zu Cox‘ Würstchen (O-Ton: „It doesn’t say Cox, unless I say it tastes like Cox (sprich: Cocks)!“) ist nicht im Kino zu sehen. Vermutlich wurde „Walk Hard“ nach den ersten Screenings vor Kinostart aufgrund negativer Zuschauerreaktionen radikal gekürzt. Für echte Fans gibt es Hoffnung: Auf der in Amerika veröffentlichten „Walk Hard“-DVD befindet sich eine zwei Stunden lange Filmversion mit dem vielsagenden Titel „American Cox – The Unbearably Long Self-Indulgent Director’s Cut“ (der unerträglich lange zügellose Director’s Cut).

    Einige witzige Szenen sind in der deutschen Übersetzung unverständlich bis verwirrend, weswegen man das englische Original schauen sollte. Deweys Offenbarung als er die Idee zu seinem Song „Walk Hard“ hat, ist zum Beispiel in der Übersetzung nur noch durch das dumme Gesicht, das Reilly dabei macht, witzig - aber nicht mehr durch die Art und Weise, wie Deweys verdrehter Monolog ihn auf die Songidee bringt. Der Titeltrack wurde übrigens für einen Golden Globe nominiert, wobei man sagen muss, dass die Filmmusik insgesamt eher mittelmäßig ist. Als bester, weil witzigster Song sticht das Duett von Dewey und seiner Darlene hervor: „Let’s duet“ (sprich: Let’s do it) hat keine Textzeile, die nicht eindeutig zweideutig ist: Dewey: „In my dreams you’re blowing me (lange Pause) some kisses“ – Darlene: „That’s one of my favorite things to do.“

    Fazit: „Walk Hard“ ist eine unterhaltsame Parodie mit ein paar sehr guten, aber auch zahlreichen schlechten Gags. Nach den ersten 40 Minuten ermüdet die immer gleiche Struktur der albernen Lacher den Zuschauer und da es keine wirkliche Story gibt, nimmt der Unterhaltungswert im Vergleich zum Anfang rapide ab. Witz allein reicht eben nicht aus, um eine wirklich gute Parodie abzuliefern und so fehlt es „Walk Hard“ einfach an Substanz, die man aber nur dann schmerzlich vermisst, wenn die Gags gerade nicht zünden.

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