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    Tintenherz
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Tintenherz
    Von Christoph Petersen
    Der Bestseller „Tintenherz“ wanderte weltweit mehr als 15 Millionen Mal über den Ladentisch. Damit ist Cornelia Funke die international meistgelesene deutsche Kinderbuchautorin. Dass bei soviel Erfolg auch der eine oder andere Filmproduzent an die Tür klopft, versteht sich von selbst: Die ersten beiden „Wilden Hühner“-Filme Die Wilden Hühner und Die Wilden Hühner und die Liebe sowie Detlef Bucks Pferde-Abenteuer Hände weg von Mississippi begeisterten in Deutschland Publikum und Kritik gleichermaßen. Lediglich Der Herr der Diebe, die bisher einzige internationale Umsetzung eines Funke-Romans, blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück. Das lag zum großen Teil auch daran, dass Funke nach dem Verkauf der Rechte nicht weiter in das Projekt involviert war. Diesen Fehler macht die Autorin kein zweites Mal: An dem Fantasy-Blockbuster „Tintenherz“, Iain Softleys Hollywood-Verfilmung des ersten Teils ihrer megaerfolgreichen „Tintenwelt“-Trilogie, ist sie nun als Produzentin aktiv mit beteiligt. Und der spezielle Funke-Touch, der jede Geschichte noch einen Tick liebenswürdiger macht, ist dem Film tatsächlich deutlich anzumerken.

    Der Buchbinder Mo (Brendan Fraser) ist eine sogenannte „Zauberzunge“. Das heißt, dass er Figuren und andere Dinge durch lautes Vorlesen aus Büchern in die reale Welt holen kann. Doch die Gabe ist nicht ohne Tücken: Immer wenn den Seiten eines Buches etwas entsteigt, muss dafür etwas anderes in ihnen verschwinden. Auf diesem Wege ist auch Mos Frau Resa (Sienna Guillory, Eragon) vor ein paar Jahren in der magisch-mittelalterlichen Welt eines Romans namens „Tintenherz“ verschollen. Um sie zu retten, muss Mo als aller erstes eines der wenigen verbliebenen Exemplare des raren Buches auftreiben. Gemeinsam mit seiner zwölfjährigen Tochter Meggie (Eliza Hope Bennett, Eine zauberhafte Nanny) begibt er sich auf die Suche. Dabei laufen dem Vater-Tochter-Gespann allerlei merkwürdige Gestalten über den Weg: der Feuerschlucker Staubfinger (Paul Bettany), der üble Schurke Capricorn (Andy Serkis) mitsamt seinen finsteren Schergen, der schrullige „Tintenherz“-Autor Fenoglio (Jim Broadbent), und sogar einer der Langfinger aus „Ali Baba und die 40 Räuber“ (Rafi Gavron)…

    Im ersten Moment klingt es leicht schizophren, eine Geschichte über die Magie des Lesens für die große Leinwand umzusetzen. Immerhin wird den Zuschauern im Kinosaal die „Last“ abgenommen, sich das Geschehen selbst vorstellen zu müssen. Trotzdem ist es Regisseur Iain Softley (K-Pax, Der verbotene Schlüssel) aber gelungen, die Wärme des Romans weitestgehend auf die Leinwand hinüberzuretten. Auch wenn er die Schwerpunkte dabei etwas verschoben hat. Statt den abwechslungsreichen Charakteren und ihren Beziehungen zueinander stehen im Film verstärkt Verfolgungsjagden und andere actionreiche Szenen im Vordergrund. Das Magische des Buches geht im Krawall ein wenig verloren, doch die Liebenswürdigkeit und der Spaß bleiben erhalten. Damit liegt „Tintenherz“ immer noch deutlich über dem Schnitt typischer Fantasy-Ware aus Hollywood – und sticht so auch das letzte Zauberlehrling-Abenteuer Harry Potter und der Orden des Phönix locker aus. Nur an die literarische Vorlage reicht die Verfilmung eben nicht heran.

    Als Entschädigung bekommt der Kinobesucher eine absolute Top-Besetzung geboten: Brendan Fraser (Die Reise zum Mittelpunkt der Erde, L.A. Crash), den Cornelia Funke schon beim Schreiben des Romans als Mo im Hinterkopf hatte, spielt den väterlichen Helden mit dem ihm eigenen naiven Charme, der bereits die Die Mumie, Die Mumie 2 und Die Mumie - Das Grabmal des Drachenkaisers zu Kassenknüllern avancieren ließ. Der von Paul Bettany (Ritter aus Leidenschaft, Wimbledon, The Da Vinci Code - Sakrileg) verkörperte Staubfinger ist raubärtig, egoistisch, nur schwer zu durchschauen und damit eine - gerade für einen Familienfilm - angenehm komplexe Figur. Bettanys Ehefrau Jennifer Connelly (Little Children, Blood Diamond) ist in einem kurzen Auftritt als Staubfingers Frau Roxanne zu sehen – eine Minirolle, die aber in einem eventuellen zweiten Teil deutlich größer ausfallen würde.

    Als lesebegeisterte Großtante Elinor verbringt Oscar-Preisträgerin Helen Mirren (Die Queen, Kalender Girls) ihre Zeit am liebsten in ihrer überwältigend gut bestückten Bibliothek. Doch als es darauf ankommt, schwingt die alte Dame sich auf einen Motorroller und haut ordentlich auf den Putz. Dabei gibt sich Mirren ähnlich resolut wie zuletzt in ihrer Rolle als Nicolas Cages Mutter in Das Vermächtnis des geheimen Buches. Andy Serkis (Prestige, King Kong), der Gollum aus der Herr der Ringe - Trilogie, ist als Obergauner einfach herrlich gemein. Ein richtig schön fieser Bösewicht, dem man gerne bei seinen Missetaten zusieht. Allein aufgrund der gut auflegten Darstellerriege lohnt der Kinobesuch schon.

    Fazit: Da „Tintenblut“ im Gegensatz zu „Tintenherz“ nahezu komplett in der Tintenwelt angesiedelt ist, würde eine eventuelle Fortsetzung laut Cornelia Funkes Schätzungen etwa das Doppelte an Produktionskosten verschlingen. Es bleibt also zu hoffen, dass die „Tintenwelt“-Reihe nicht dem gleichen Schicksal anheim fällt wie die geplanten, aber aufgrund von Zuschauermangel nie vollendeten Fantasy-Trilogien Eragon und Der Goldene Kompass. Denn es wäre schon schön, wenn man in zwei, drei Jahren wieder ein ähnlich magisches und warmherziges Kinomärchen pünktlich zur Adventszeit serviert bekommen würde.
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