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    Miss Marple: Mörder Ahoi
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Miss Marple: Mörder Ahoi
    Von Martin Soyka
    Wieder einmal sieht sich Miss Marple (Margaret Rutherford) mit einem plötzlichen Todesfall konfrontiert. Als Nachfahrin des Gründers eines Fonds, der ein Segelschulschiff finanziert und so schwer erziehbaren und gestrauchelten Jugendlichen einen sprichwörtlichen Ankerplatz bietet, muss sie mit ansehen, wie ein Mitglied des Verwaltungsrates völlig überrascht sein Leben aushaucht. Oder sollte man sagen „ausniest“? Denn irgendwas scheint mit seinem Schnupftabak nicht gestimmt zu haben. Dem bekannten Muster folgend wittert die rüstige Dame einen heimtückischen Mord, wird aber von der Polizei (wieder mal dabei: Charles Tingwell als Inspector Craddock) ignoriert, der dafür im Lauf der Handlung buchstäblich so einiges auf die Mütze kriegt. Also tut sie das, was sie immer tut: Sie begibt sich mitten unter die Verdächtigen, also an Bord der „Battledore“, denn dort vermutet sie den Mörder. Völlig fassungslos muss Captain Rhumstone (köstlich: Lionel Jeffries) mit ansehen, wie sich die alte Schachtel genüsslich an Bord und in seiner Kajüte breit macht. Und schon folgt der nächste Mord…

    Dass die Mördersuche nicht gradlinig verläuft, sondern Nebenkriegsschauplätze wie die einbrechenden Matrosenbande eröffnet werden, ist problemlos hinzunehmen. Irgendwie wirkt jeder an Bord verdächtig, was zum Prinzip der Miss Marple-Filme gehört wie Zucker zu Zimt. Auch dass die innere Logik zuweilen leidet, ist nichts Neues und wird durch das charmante Zusammenspiel der Besetzung wieder wettgemacht. Beispiel: Die Polizei glaubt nicht, dass der erste Tote einem Mordanschlag zum Opfer gefallen ist. Das einzige Indiz, das darauf deuten könnte, ist ein kläglicher Rest seines Schnupftabaks. Statt diesen aber der polizeilichen kriminaltechnischen Untersuchung zuzuführen, schlüpft Miss Marple lieber selbst in den Kittel und brodelt zu Hause damit rum. Es ist Gift, stellt sie erwartungsgemäß fest. Dass diese Erkenntnis vor Gericht von jedem auch nur halb qualifizierten Verteidiger in der Luft zerfetzt werden würde, darüber macht sich unsere Heldin keine Gedanken. Ansonsten hätten wir auf den Anblick des Herumköchelns in Kittel und mit Mundschutz und das verdutzte Gesicht Mr. Stringers (Stringer Davis, Rutherfords Ehemann) verzichten müssen.

    Der letzte der vier Rutherford-Miss-Marple-Filme gilt gemeinhin als der Schwächste der Reihe. Das kann, muss man aber nicht so sehen. Die Autoren haben dieses Mal mit ausdrücklicher Zustimmung der Romanautorin nur Motive verwendet und sich völlig von einer bestimmten literarischen Vorlage entfernt. Das ist aber nicht weiter aufregend, ließen doch auch die übrigen Verfilmungen die zugrunde liegenden Romane mehr oder weniger hinter sich. Die Idee, Motive aus dem bekannten Rekordhalter „Die Mausefalle“ (dem am längsten am Stück gezeigten Theaterstück der Welt) unterzubringen, amüsiert. Ebenfalls amüsant ist das Wechselspiel zwischen dem Störenfried Miss Marple und dem Kapitän, der sich buchstäblich ob ihrer Anwesenheit in Krämpfen windet, aber gute Miene zum bösen Spiel machen muss. Der Charakter des männlichen Gegenübers von Miss Marple ist in keinem der anderen Filme derart komisch angelegt, was dem Film durchaus gut bekommt.

    „Mörder Ahoi“ ist ein im besten Sinne des Wortes netter Film, den man immer wieder gerne konsumieren kann, ohne Angst haben zu müssen, dass man vor Spannung und Brutalität um den Schlaf gebracht wird. Ein Evergreen in Schwarz-Weiß.
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