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    Die Mumie - Das Grabmal des Drachenkaisers
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Die Mumie - Das Grabmal des Drachenkaisers
    Von Carsten Baumgardt
    „Indiana Jones“ machte es mit Das Königreich des Kristallschädels vor und feierte nach 19 Jahren Pause sein Leinwand-Comeback. Nun legt auch Indys Schmalspur-Ausgabe Rick O‘Connell, Held der Die Mumie-Filme, nach: Sieben Jahre nach Die Mumie kehrt zurück (2001) kehrt die Mumie erneut zurück. Warum? Warum nicht! 849 Millionen Argumente geben den Produzenten Rückenwind – so viele Dollar spielten die ersten beiden Teile ein. Allerdings geht Regisseur Rob Cohen, der den Staffelstab von Stephen Sommers übernahm, dabei so lieblos zu Werke, dass es dem Publikum gegenüber fast schon arrogant anmutet. Zwar glänzten auch Teil eins und zwei nicht unbedingt mit filmischer Qualität, sondern punkteten mit Charme und Witz, doch Cohen findet in seinem Action-Abenteuer „Die Mumie – Das Grabmal des Drachenkaisers“ nie einen Zugang zum Stoff und liefert so ein Paradebeispiel dümmlichen Hollywood-Kinos.

    Das Archäologen-Ehepaar Rick (Brendan Fraser) und Evelyn O'Connell (Maria Bello) hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg zur Ruhe gesetzt und gefährlichen Abenteuern abgeschworen. Schließlich ist Sohn Alex (Luke Ford) mittlerweile erwachsen und versucht seinerseits, heimlich in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Statt in England brav zu studieren, hat er sich nach China abgesetzt und stößt dort bei Ausgrabungen auf das Grab des legendären Drachenkaisers Han. Die erste Freude über den grandiosen Fund weicht schnell der Ernüchterung. Rick und Evelyn lassen sich von der britischen Regierung dazu überreden, einen wertvollen Edelstein nach Shanghai zu bringen. Dort treffen sie auf Evelyns Bruder Jonathan (John Hannah)… und - zu aller Überraschung - auf Alex. Doch damit nicht genug, plötzlich findet sich die ganze Familie auch noch in einer groß angelegten Verschwörung wieder: Der vor mehr als 2.000 Jahren von der Zauberin Zi Yuan (Michelle Yeoh) verfluchte Drachenkaiser (Jet Li) soll wieder zum Leben erweckt werden. Gemeinsam mit seiner 10.000 Mann starken Armee wurde dieser der Legende nach in Terrakotta verwandelt. Nun drängt der despotische Lehmklumpen mit aller Macht zurück in die irdische Welt, um diese endgültig zu beherrschen…

    Rick: „Wo kommen denn diese Schneemänner her?“
    Evelyn: „Die Tibeter nennen sie Yetis.“


    Obwohl in Hollywood niemand mehr fragt, ob ein eigentlich ausgereizter Stoff weitergeführt werden soll, wenn die Zahlen stimmen, ist die Verwunderung immer wieder groß, wenn am Ende so ein seelenloses Produkt wie „Die Mumie – Das Grabmal des Drachenkaisers“ dabei herausspringt. Der größte Fehler war hier ganz offensichtlich die Besetzung des Regiestuhls. Handwerker Cohen, der nach dem Blockbuster-Doppel The Fast And The Furious und xXx - Triple X Oberwasser hatte, macht mit dem zweiten „Mumien“-Sequel nun dort weiter, wo er mit Stealth (2005) aufgehört hatte: Der Amerikaner serviert seinem Publikum sinnbefreites Hochoktan-Entertainment, das nicht nur unter seiner Nullsubstanz leidet, sondern einfach keinen Ansatz findet, seine Schwächen mit Charme, Schauwerten oder purem Spaß zu überspielen. Stephen Sommers, der in Teil drei nur als Produzent fungiert, wendete diese Taktik in den ersten beiden „Mumien“-Filmen, die lose auf dem gleichnamigen Boris-Karloff-Klassiker aus dem Jahr 1932 beruhen, noch mehr oder weniger erfolgreich an. Cohen gelingt dies in keinem Augenblick.

    Schon das erste Bild, ein weites Landschaftspanorama, wird so offensichtlich von CGI-Effekten erschlagen, dass dem Betrachter bereits nach Sekunden Böses schwant. Das Konzept hat Methode, auch in der Folgezeit rauschen die computeranimierten Szenarien hemmungs- und maßlos über die Leinwand. Das birgt gleich mehrere Probleme. Dass CGI-Orgien einem Film selten Seele geben, ist klar, aber wenn verschwenderisch mit schlechten Animationen geprotzt wird, ist das schlicht ärgerlich. Besonders fällt das bei den vielen Feuerelementen auf, und auch die seltsam ausschauenden Yetis wirken wie Fremdkörper neben den Schauspielern. Generell drängt sich trotz des 145-Millionen-Dollar-Budgets der Eindruck auf, dass hier Menschen durch Kulissen stolpern, die später mit moderner Computertechnik aufgemotzt wurden. Selbst das muss nicht schlecht sein, wenn dabei - wie zum Beispiel in dem Action-Abenteuer Congo - ein gewisser Trashfaktor zelebriert wird. Doch „Die Mumie 3“ verbreitet – ganz im Gegensatz zu seinen Vorgängern - nicht einmal auf der Trashebene gute Laune.

    Rachel Weisz (Der ewige Gärtner, Constantine, Das Urteil) zeigte den richtigen Riecher. Die Hauptdarstellerin aus Teil eins und zwei sollte wieder mitspielen, was sicherlich üppig entlohnt worden wäre, doch der Stolz der Oscar-Preisträgerin war größer. Sie monierte das schlechte Drehbuch und verzichtete lieber auf viel Geld, als in einem miesen Film mitzuwirken. Maria Bello (The Cooler, Thank You For Smoking, A History Of Violence) ist nun leider nicht nur zweite, sondern auch eine schlechte Wahl: Die Rolle der Evelyn O’Connell steht ihr einfach nicht. Den rustikalen Charme, den Weisz verbreitete, hat Bello nicht in petto, was auch am problematischen Grundton des Films liegt: Alfred Gough (Spider-Man 2, Shanghai Knights, Showtime) und sein Drehbuchpartner Miles Millar finden keinen Zugang zu den Figuren. Die Versuche, Gags zu platzieren, enden oft kläglich, weil sich diese zumeist schon Minuten im Voraus ankündigen und dementsprechend müde ausfallen.

    Brendan Fraser (L.A. Crash, Der stille Amerikaner, Journey To The Center Of The Earth) wird weiterhin als naiver Trottel inszeniert, der inmitten der Effekte untergeht. Verschenkt ist auch Martial-Arts-Ikone Jet Li (War, The One, Lethal Weapon), dessen größte Stärke, seine Kampfkunst, von der dicken Terrakotta-Maskerade blockiert wird. Michelle Yeoh (James Bond 007 - Der Morgen stirbt nie, Sunshine) setzt dem Debakel als Zauberin wenigstens noch etwas Präsenz entgegen. Frischling Luke Ford als Sohn Alex spielt ebenso wie John Hannah (Vier Hochzeiten und ein Todesfall) als clownesker Sidekick solide.

    Ein straffes Tempo ist für gewöhnlich ein Qualitätsmerkmal, doch selbst das wendet sich im Fall von „Die Mumie 3“ gegen den Film. Nach einem kurzen Prolog, der die Vorgeschichte um den verfluchten Kaiser erzählt, geht es schnell in die Vollen und die Action rollt in hohem Schlagrhythmus über die Leinwand. Im Mittelteil, wo eigentlich eine Entwicklung von statten gehen sollte, reiht sich dann nur wahllos eine Actionsequenz an die nächste, ohne dass der Film einmal ein wenig zur Ruhe kommt. Als Konzept betrieben, ist das - zum Beispiel in den fähigen Händen von Paul Greengrass in Das Bourne Ultimatum – durchaus begrüßenswert. Doch bei Rob Cohen verliert sich die Handlung in purer Willkür: auf Teufel-komm-raus klotzen, der Rest ist egal.

    Fazit: „Die Mumie – Das Grabmal des Drachenkaisers“ entlarvt sich als „Indiana Jones“ für Arme, der so plump und einfallslos ist wie seine flachen Dialoge. Das Action-Abenteuer zählt zu den großen Enttäuschungen der Saison und macht Roland Emmerich mit seinem Rohrkrepierer 10.000 BC ernsthafte Konkurrenz im Rennen um die Blockbuster-Gurke des Jahres. Allein die Höhe der Box-Office-Einnahmen wird darüber entscheiden, ob „Die Mumie“ noch einmal zurück kehrt – das Kriterium Qualität spielt ja offensichtlich keine Rolle.
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