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    TKKG - Das Geheimnis um die rätselhafte Mind-Machine
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    TKKG - Das Geheimnis um die rätselhafte Mind-Machine
    Von Carsten Baumgardt
    Eine Jugendlegende ist wieder da. Satte 14 Jahre nach „Drachenauge“ kehrt „TKKG“ mit „Das Geheimnis um die rätselhafte Mind-Machine“ ins Kino zurück. Doch wer mit Blick auf ein ansprechendes Budget (5,3 Millionen Euro) und eine versierte Produzentin (Uschi Reich) endlich einmal eine vernünftige Leinwandumsetzung erwartet, wird größtenteils enttäuscht. Nach der mäßigen TV-Serie (1985-1987) und dem nicht viel besseren bereits erwähnten Kinofilm gelingt es Regisseur Tomy Wigand nämlich nicht, mit einer modernisierten Version zu überzeugen. Vom Mythos der Hörspielreihe und den Kinderbüchern Stefan Wolfs ließ Wigand nur noch Klischees stehen und füllt den Rest mit einer x-beliebigen, nur oberflächlich zeitgemäßen Räuberpistole auf.

    Innerhalb einer Woche werden in der TKKG-Stadt drei Kinder vermutlich entführt. Genau weiß dies niemand, da keine Lösegeldforderungen gestellt werden. Der rätselhafte Auftritt des genialen Erfinders Kevin (Hauke Diekamp), der die Mind-Machine gebaut hat, passt da ins Bild der Verwirrung. Ohne ein Wort zu sagen, rennt der Zwölftklässler bei einer Schulpräsentation von der Bühne. Sein Lehrer und Mentor Manek (Ulrich Noethen) ist sauer auf seinen Musterschüler, der bei „Jugend forscht“ mit seiner Konstruktion den ersten Platz belegt hat. Die Mind-Machine stimuliert das Gehirn und verbessert die Intelligenz von Menschen. Als auch noch Kevins Freundin Nadine (Anna Hausburg) verschwindet, werden die vier Freunde Tim (Jannis Niewöhner), Karl (Jonathan Dümcke), Klößchen (Lukas Eichhammer) und Gaby (Svea Bein) aufmerksam. Obwohl Gabys Vater, Kommissar Glockner (Jürgen Vogel), der Truppe verbietet, im Wald zu zelten, setzen sie sich darüber hinweg... und werden prompt von den Gangstern attackiert... aber erst nachdem sie in Kevins Haus eine rätselhafte Entdeckung gemacht haben, die sie Lehrer Manek umgehend mitgeteilt hatten...

    Gut 30 Millionen verkaufte Tonträger, 14 Millionen abgesetzte Bücher: TKKG: Tim, Karl, Klößchen und Gaby. Das hat Kultstatus - bereits seit mehr als einer Generation. 1979 brachte Autor Stefan Wolf auf der Frankfurter Buchmesse die ersten fünf TKKG-Bücher auf den Markt. 1981 erschienen die ersten Hörspiel-Kassetten. Von da an war der riesige Erfolg der vier Jugend-Detektive nicht mehr aufzuhalten. Die erste TV-Verfilmung (12 Folgen à 30 Minuten) erfüllte die Erwartungen nicht, ebenso wenig wie die gefloppte Kinoversion „Drachenauge“ aus dem Jahr 1992. Doch das Potenzial der Serie ist nach wie vor riesig. Auch Produzentin Uschi Reich (Die wilden Hühner, Bibi Blocksberg, „Emil und die Detektive“, „Pünktchen und Anton“) war sich dessen bewusst. Aus Fehlern lernt man bestenfalls bekanntlich... vermeidet diese, macht aber neue. „TKKG - Das Geheimnis um die rätselhafte Mind-Machine“ ist mit 5,3 Millionen Euro Produktionsbudget verhältnismäßig teuer. Das Geld floss in ein wirklich stimmiges Setting, von der Piefigkeit der TV-Serie ist nicht mehr viel zu sehen, Kinoatmosphäre kann sich entfalten.

    Regisseur Tomy Wigand kam an Bord. Er hatte schließlich mit Reich schon die Erich-Kästner-Neuverfilmung Das fliegende Klassenzimmer zu einem großen Erfolg geführt und Gespür für einen Jugendstoff sowie die Führung der jungen Darsteller bewiesen. Mit Polly Blue Eyes wurden aber ebenso seine Schwächen bei der Inszenierung offensichtlich. Doch warum Wigand? Für seinen größten Fehler kann er persönlich nichts. „Ich muss gestehen, dass ich TKKG bis dahin nicht kannte. Ich habe eigentlich erst angefangen, die Kassetten zu kaufen, als ich bereits am Projektplanen war. Ich habe dann einmal auf der Straße ein paar Kindern alle TKKG-Kassetten abgekauft, die sie anboten. Das waren insgesamt zehn Stück, und ich war anschließend ziemlich gut im Thema drin“, sagte Wigand. Doch hier liegt leider ein Irrglaube vor. Der Regisseur und seine Drehbuchautoren Marco Petry (Regisseur von „Schule“, Die Klasse von ’99) und Burt Weinshanker extrahieren nur die Stereotypen-Klischees der Charaktere. Anführer Tim grübelt penetrant über seine Elternsituation nach, Karl, der Computer, ist das Genie, Klößchen futtert permanent Schokolade und Gaby ist das patente Mädchen, das alles mit gehörigem Pragmatismus auf die Reihe bekommt. In den Hörspielen und Büchern bilden diese Merkmale aber nur den Unterbau für die Geschichten... den charakterlichen Hintergrund. In der neuen Kinoverfilmung dominieren sie, um den Fans mit dem Dampfhammer zu zeigen: Hey, das ist trotz Modernisierung immer noch TKKG. Das mag formal auch stimmen, aber der unwiderstehliche spröde Charme der Hörspiele kommt in der Filmfassung nie durch.

    Die Handlung, die keiner von Wolfs Büchern entstammt, hilft auch nicht weiter. Völlig ohne Not wird ein dämliches Fantasy-ähnliches Element beigesteuert. Durch die Mind-Machine vermittelt der Film, seine Zielgruppe nicht ernst zu nehmen. Dabei war doch genau das die Absicht. Es werden lediglich zwei mögliche Bösewichte angeboten, von denen der erste alsbald ausscheidet, weil er als Schurke zu offensichtlich wäre. Bleibt nur noch ein Kandidat. Schön ist das nicht, aber die Vorlagen sind schließlich ebenso simpel gehalten - eine Art Whodunit im Leichtformat.

    Bei der Wahl der Darsteller liest sich die Erfolgsbilanz ausgeglichen. Svea Bein überzeugt als unkonventionelle, natürlich wirkende Gaby (mit leichten Lisplern) - eine gute Besetzung. Jannis Niewöhner bekommt es vom Drehbuch nicht leicht gemacht. Mit dem Tim (ganz früh: Tarzan) der Serie hat der Kinoheld nicht mehr viel zu tun. Der Macker, der Feinde seiner Freundin Gaby und seines Clans vertrimmt und mit seinen braun-gürtligen Judokünste prahlt, ist tabu. Dadurch verliert Tim-2006 aber seine Anführermentalität, auch wenn er im Finale zwei dicke Brocken recht ungelenk aufs Kreuz legt. Darüber hinaus überzieht er den Elternkomplex, der an die ursprüngliche Prügelstelle im Charakterbaukasten tritt. Niewöhner versucht sich tapfer dagegen zu stemmen, was aber nicht immer gelingt. Lukas Eichhammer sorgt als Willi Sauerlich für einige Lacher, kommt aber im Endeffekt nicht über den gespielten Schokoladenwitz hinaus. Nebenbei scheint Klößchen der dümmste Schokovertilger der Welt zu sein: Kein einziges Mal schafft er es, die braune Masse aus der Packung zu lösen. Am schlechtesten besetzt ist jedoch Jonathan Dümcke. Er gibt sich zwar alle Mühe und kann sogar den Charakter des Karl am besten vermitteln, aber sein Äußeres entspricht einfach nicht den Erwartungen - was das Vergnügen deutlich mindert. Statt des langen schlacksigen Hörspiel-Karls bekommen wir eine Miniversion dessen zu sehen, die gefühlt halb so groß ist wie ihre Mitstreiter.

    Einen Hauch von Vielschichtigkeit steuert Ulrich Noethen (Bibi Blocksberg, Das fliegende Klassenzimmer, Der Untergang) bei, der eine gute Leistung abliefert. Jürgen Vogels (Nackt, Keine Lieder über Liebe, Der freie Wille) Auftritt als Kommissar Glockner geht eher als erweitertes Cameo durch. Was „TKKG - Das Geheimnis um die rätselhafte Mind-Machine“ aber zusammenfassend madig wirken lässt, ist Wigands Unsicherheit bei der Inszenierung. Die teils ansehnlichen Versatzstücke wollen nicht so recht zusammenfinden. Der Film hat nie Rhythmus, schweift zwischendurch vom Jugendkrimi (TKKG auf Entführersuche) in Fantasy-Gaga (die Mind-Machine in Aktion) und Westernparodie (der Pferdeausflug) bis hin zum Knallchargen-Slapstick (der gesamte Charakter des Chauffeurs Georg/Heinrich Schafmeister) ab. Der gerappte Titelsong ist ein weiterer Beweis dafür, wie wenig der Geist der Vorlage respektiert wird, nur um hip zu sein. Aber: TKKG ist sicherlich vieles, aber hip war die Serie nie.

    An der schicken, von den Austattern hübsch getroffenen Optik hat es jedenfalls nicht gelegen, dass „TKKG - Das Geheimnis um die rätselhafte Mind-Machine“ nicht überzeugen kann. Das ist alles tadellos. Der Erfolg oder eben Nicht-Erfolg der Verfilmung wird zeigen, ob TKKG im Kino eine Zukunft hat. Für Hörspielfans der alten Schule bleibt also nur, auf Die drei Fragezeichen und das Geheimnis der Geisterinsel zu hoffen. Mal sehen, ob Florian Baxmeyer sich seine Vorbilder besser angeschaut hat. Wie’s richtig geht, zeigten 1978/1979 übrigens die hervorragenden britischen TV-Verfilmungen von Enid Blytons „Die fünf Freunde“...
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