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Urmel aus dem Eis
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Urmel aus dem Eis
Von Björn Helbig
Ende der 60er Jahre erblickte ein neuer Kinderheld und mit ihm der berühmteste Dino Deutschlands das Licht der Welt. Aus der Feder von Max Kruse stammend, eroberte Urmel, so der Name des liebeswerten, kleinen, grünen Sauriers, in Buchform, mit Auftritten in einer TV-Trickserie, als Marionette bei der Augsburger Puppenkiste und sogar als Musical die Kinderherzen. Max Kruse (Jahrgang 1921) schrieb zahlreiche Kinderbücher und erhielt für seine Werke bereits mehrere Auszeichnungen wie zum Beispiel das Bundesverdienstkreuz. „Urmel aus dem Eis“ ist seine berühmteste Arbeit. Regisseur Holger Tappe bringt nun das Thema als Animations-Abenteuer für die ganzen Kleinen in die Kinos.

Auf der kleinen Vulkaninsel Titiwu lebt Professor Habakuk Tibatong mit seinem Adoptivsohn Tim Tintenklecks und einer Gruppe Tiere zusammen. Den Tieren versucht er seit einiger Zeit – recht erfolgreich – das Sprechen beizubringen. Das einzige, was Tibatong auf dem Herzen lastet, ist, dass ihm die Anerkennung für seine Arbeit bisher verwehrt geblieben ist. Schlimmer noch, die Intrigen seines Konkurrenten Doktor Zwengelmann haben eigentlich erst dazu geführt, dass der Professor von König Pumponell aus seinem Heimatland verbannt worden ist. Trotzdem macht das Leben auf der Insel Spaß, auch wenn sich die Haushälterin – die Schweinedame Wutz – regelmäßig über die mangelnde Sauberkeit der Schule beschwert, oder wenn es ab und an ein paar kleinere Streitereien gibt. So findet der Waran Wawa eine Muschel, die er sich als Wohnung herrichtet und sein Freund, der Pinguin Ping, ist traurig, dass Wawa die Muschel nicht mit ihm teilen will. Auch mit dem Schuhschnabel Schusch versteht sich Ping nicht immer gut, denn dieser hänselt ihn, dass er gar kein richtiger Vogel sei und nicht fliegen könne.

Das Leben der Inselbewohner gerät allerdings durcheinander als ein großer Eisblock an Land gespült wird. In dem Eisblock: ein Ei. Der Professor und seine Tiere beschließen das Ei auszubrüten. Und siehe da – es schlüpft etwas, das keiner von ihnen je gesehen hat. Sie nennen das grüne Wesen Urmel – Urmel stammt noch aus der letzten Eiszeit. Als die Kälte überraschend hereinbrach, wurde sein Ei eingeschlossen und es dauerte lange Zeit, bis er endlich auf Titiwu an Land gespült wurde. Urmel ist ganz allein und freut sich, dass er von Professor Tibatong, Wutz, Schusch, Ping, Wawa, Tim und dem melancholischen Seeelefanten namens Seelefant so freundlich aufgenommen wird. Alle schließen Urmel schnell in ihr Herz. Nur der Professor macht indes einen Fehler: Stolz, dass er ein unbekanntes Tier entdeckt hat, sendet er eine Flaschenpost nach Hause, um von seinem „Fund“ zu berichten. Leider hört auch der begeisterte Jäger seltener Tiere, König Pumponell, davon und macht sich mit seinem Diener Sami sogleich auf den Weg nach Titiwu, um das seltene Tier namens Urmel zu erlegen.

Bei dem Boom, den Zeichentrickfilme seit einigen Jahren erleben, ist es kein Wunder, dass nun auch Max Kruses „Urmel aus dem Eis“ auf die Kinoleinwand kommt. Die Verfilmung hebt sich aber in angenehmer Weise von vielen Produktionen ab. Während sich andere Filme oft versuchen bei Groß und Klein gleichermaßen anzubiedern, konzentriert sich die Umsetzung der Urmel-Geschichte ganz auf seine Zielgruppe der unter Sechsjährigen. Verglichen mit Ice Age 2, der in seiner Brutalität schon fast an die meistausgezeichnetste Animationsserie „Tom & Jerry“ heranreicht und dessen Humor sich zu großen Teilen aus Schadenfreude speist, kommt mit „Urmel aus dem Eis“ endlich mal ein Film ins Kino, der kindgerechte Unterhaltung liefert. Sicher, viele Eltern werden sich unter Umständen etwas langweilen, weil Tappes Film niemals anzüglich wird oder doppeldeutig mit dem Humor Erwachsener kokettiert – dafür können sie aber sicher sein, dass sie einen Film besuchen, der seinen Witz nicht daraus zieht, wie irgendjemand gefoltert wird, sich weh tut oder in irgendeiner anderen Form zu Schaden kommt. „Urmel aus dem Eis“ handelt hingegen von Freundschaft, Loyalität und Vertrauen und bietet darüber hinaus viele Beispiele für Konflikte, die Jugendliche erleben. Das Schöne ist auch, dass es der Film trotz seiner vordergründigen Einfachheit schafft, niemals in ein einfaches Schwarz-Weiß-Muster zu verfallen. Hier sind niemals die Personen an sich böse, sondern stets lediglich ihre Handlungen. Selbst dem „bösen“ König Pumponell wird es zugestanden, zum Schluss seine Meinung zu ändern und sich mit Urmel anzufreunden.

Sicherlich hat der Film auch seine Schwächen: Die Figuren könnten profilierter sein und mitunter sind sie in ihrem Verhalten nicht ganz nachvollziehbar. Optisch wirkt „Urmel aus dem Eis“ zwar ordentlich, kann sich aber nicht mit teureren Produktionen messen. Weiter unangenehm fällt auf, dass das Drehbuch ein paar Schnitzer aufweist, als da wären einige Handlungsfäden, die sich im Nichts verlieren. Doch trotz aller Schwächen kommt der Film insgesamt sehr sympathisch rüber. Er hat das Herz auf dem rechten Fleck und ebenso eines für seine Figuren; pädagogisch bewegt er sich auf hohem Niveau ohne in seinen Messages zu aufdringlich zu wirken. Man merkt den Machern des Films an, Kindern etwas Gutes tun zu wollen. Als Kinderfilm für das sehr junge Volk ist „Urmel aus dem Eis“ somit wärmstens zu empfehlen.
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