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    GallowWalkers
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    GallowWalkers
    Von Stefan Dabrock

    Satte sieben Jahre dauerte es von den ersten Dreharbeiten bis zur Veröffentlichung des Zombie-Westerns „Gallowwalkers“. Regisseur Andrew Goth drehte das meiste Material bereits 2006, im Juli 2008 fanden dann noch einmal Nachdrehs statt. Als Hauptdarsteller Wesley Snipes im Jahr 2010 eine dreijährige Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung antreten musste, war der Film allerdings immer noch nicht fertiggestellt. Goth legte „Gallowwalkers“ dann zwischenzeitlich aufs Eis und stellte ihn 2012 fertig als sich die Entlassung des Action-Stars abzeichnete. Der Regisseur war über die Jahre zu dem Entschluss gekommen, dass er seinen Hauptdarsteller nicht mehr für weitere Nachdrehs benötigt. Nachdem „Gallowwalkers“ noch 2012 seine Festival-Premiere feierte, erscheint der Film nun im Sommer 2013 auf dem Heimkinomarkt – pünktlich zur Freilassung von Snipes, auf den man aus Werbezwecken gewartet hat. Angesichts der hölzernen Erzählweise hätte man sich aber nun, wo ohnehin schon sieben Jahre ins Land gestrichen sind, vielleicht doch auch noch einmal die Zeit für ein paar Drehtage nehmen sollen. Allerdings entschädigen eindrucksvolle Bilder, deren surreale Optik ein Augenschmaus ist, für die oft nur bruchstückhafte Handlung

    In der kargen Ödnis einer namenlosen Wüste reitet der einsame Revolverheld Aman (Wesley Snipes) auf der Suche nach den Männern umher, die seine große Liebe vergewaltigt und in den Tod getrieben haben. Der schussgewaltige Rächer hat sie zwar alle schon einmal ins Jenseits befördert, doch sie sind von den Toten wiederauferstanden. Erst wenn Aman ihnen den Kopf abtrennt, werden sie endgültig in der Hölle verrotten. Um kein unnötiges Risiko einzugehen, engagiert Aman den jungen Draufgänger Fabulos (Riley Smith) als neuen Gehilfen, nachdem er ihn vor dem Galgen gerettet hat. Im Schlachthaus von Amans Pflegemutter soll es zum Showdown kommen: Doch Kansa (Kevin Howarth), der Anführer von Amans Gegnern, will sich nicht so einfach abschlachten lassen.

    Anhänger von Erzählkino werden mit „Gallowwalkers“ wenig Freude haben und auch als griffige Genregeschichte funktioniert das Western-Fantasy-Hybrid kaum. Dazu fehlt zu vielen Einzelszenen der Bezug zur eigentlichen Geschichte. Sehr viel Zeit nimmt sich Regisseur Andrew Goth („Cold And Dark“) etwa, um die Siedlung Enochs Hammer zu beschreiben, die im Wesentlichen aus einer gigantischen Galgenanlage besteht, doch deren Bedeutung für die Menschen außerhalb des kleinen Ortes bleibt vage. Aus dem Nichts kommende Sheriffs nutzen das Kaff, um Gefangene ohne Gerichtsverhandlung aufzuhängen, doch die Hintergründe bleiben ebenso nebulös, wie das gesamte Universum in dem „Gallowwalkers“ spielt. Die Rache Amans ist neben Kansas Wunsch, seinen toten Sohn wieder zu beleben, der sehr lose rote Faden. Alle anderen Figuren verfolgen mangels Hintergrundgeschichten und Charakterisierungen unbekannte Ziele.

    Dennoch ist „Gallowwalkers“ nicht der Rohrkrepierer geworden, den man angesichts dieser Schwächen erwarten könnte. Hat man sich einmal damit abgefunden, dass die Uhren hier anders ticken, kann man sich an den eindrucksvollen Bildern aus der Zwischenwelt erfreuen. Das Schlachthaus, Enochs Hammer und eine mit Hieroglyphen bemalte Höhle sind nur einige der Orte, in denen eine surreale, fremdartige Atmosphäre entsteht. Verstärkt wird die irreale Stimmung durch sandfarbene, identische Kleidung der Bewohner, die sich kaum von der Umgebung abhebt. Wie Sektenmitglieder stehen die Menschen apathisch in der Landschaft herum, während der Tod allgegenwärtig ist. Goth füllt seinen Film mit allerlei religiösen und mystischen Symbolen, die das Leid der in dieser Welt gefangenen Figuren andeutet. Immer wieder schneidet er zu überwältigenden Aufnahmen der Wüstenlandschaft, in der die Lebwesen nur als kleine Punkte erkennbar sind und zu verschwinden drohen. Alles scheint bedeutungslos. Das ist konsequent deprimierend.

    Fazit: Symbolische Bilder von Tod und Verderben sowie die grandiosen Aufnahmen der Wüstenlandschaft sind das Pfund, mit dem Regisseur Andrew Goth bei „Gallowwalkers“ wuchern kann. Sie überlagern die bruchstückhafte Erzählung, deren Schwächen dadurch weniger gravierend scheinen.

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