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Mamma Mia!
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Mamma Mia!
Von
Am 6. April 1974 gewann die schwedische Popgruppe ABBA mit ihrem Megahit „Waterloo“ im englischen Brighton den Eurovision Song Contest. Auf den Tag genau 25 Jahre später feierte das ABBA-Musical „Mamma Mia!“ 1999 am Prince Edward Theatre in London Premiere. Ein gutes Omen? Auf jeden Fall! In nicht einmal zehn Jahren hat die Show, die mittlerweile in 170 Großstädten Musical-Häuser füllte, über 30 Millionen Besucher angezogen und dabei mehr als zwei Milliarden Dollar an den Theaterkassen umgesetzt. Auch heute noch folgen jeden Tag im Schnitt stolze 11.000 Zuschauer der Geschichte um eine Braut, ihre Mutter und drei mögliche Väter. Bei diesen Superlativen war es selbstverständlich nur eine Frage der Zeit, bis es die legendären Songs von Benny Anderson und Björn Ulvaeus auch auf die Kinoleinwand schaffen würden. Das Ergebnis sorgt allerdings für gemischte Gefühle. Während der All-Star-Cast um Meryl Streep und Pierce Brosnan begeistert, fällt die Inszenierung von Bühnenregisseurin Phyllida Lloyd leider recht hölzern und eintönig aus.

Sommer, 1999: Die Alleinerziehende Donna (Meryl Streep, Von Löwen und Lämmern, „Der Tod steht ihr gut“) betreibt auf der zauberhaften griechischen Insel Kalokairi das kleine Hotel Villa Donna. Als ihre Tochter Sophie (Amanda Seyfried, Girls Club) ihren Verlobten Sky (Dominic Cooper, Die History Boys) heiraten will, kommt Bewegung in die beschauliche Szenerie. Sophie möchte vor ihrer Hochzeit endlich ihren Vater kennen lernen und hat in alten Tagebüchern ihrer Mutter gleich drei mögliche Erzeuger ausgemacht: den Geschäftsmann Sam Carmichael (Pierce Brosnan, Married Life, „James Bond“), den Banker Harry Bright (Colin Firth, Tatsächlich Liebe, Die Girls von St. Trinian) und den Abenteurer Bill Anderson (Stellan Skarsgard, Pirates Of The Caribbean – Am Ende der Welt, Dogville). Um herauszufinden, wer von den gestandenen Männern nun wirklich ihr Vater ist, hat Sophie sie einfach alle zu ihrem Ehrentag eingeladen. Es folgen allerlei amüsante Verwechslungsspiele und längst erloschen geglaubte Gefühle kochen von Neuem hoch…


Wird einem Musical die Bühne genommen, geht zwangsläufig etwas verloren. Im Kino fehlt einfach der direkte Kontakt zwischen Publikum und Darstellern. Deshalb müssen sich die Macher von Leinwandmusicals immer etwas einfallen lassen, um dieses Weniger irgendwie wieder auszugleichen. Zuletzt gelang dies Tim Burton mit Sweeney Todd ganz hervorragend. Der famose Inszenierungsstil des eigenwilligen Regisseurs verwandelte das Bühnenstück mit Leichtigkeit in pures Kino. Im Fall von „Mamma Mia!“ bleibt diese – eigentlich zwingend nötige – Transformation nun aber leider aus. Hinter dem Kinoprojekt stehen mit der erfahrenen Theater- und Opernregisseurin Phyllida Lloyd, der Autorin Catherine Johnson und der Produzentin Judy Craymer dieselben Frauen, die schon für die originale Bühnenversion verantwortlich zeichneten – und das ist dem Film auch in jeder Sekunde anzumerken: Vor allem die Tanz- und Gesangsnummern erinnern in Sachen Inszenierung und Choreographie an ein abgefilmtes Bühnenstück. Mit den speziellen Möglichkeiten des Mediums Film steht Lloyd ganz offensichtlich auf Kriegsfuß – und so ist ihr Kinomusical auch zu 95 Prozent Musical und nur zu fünf Prozent Kino.

Dass sich ein Kinobesuch dennoch lohnen kann, ist neben den – recht bieder orchestrierten - ABBA-Songs (u.a. „Honey, Honey“, „Dancing Queen“, „Super Trouper“, „Gimme! Gimme! Gimme!“, „SOS“, „The Winner Takes It All“ und „Money, Money, Money“) einzig und allein dem gut aufgelegten Ensemble zu verdanken. Allen voran versprüht Meryl Streep in ihrem Blaumann-ähnlichen Hosenanzug eine unglaubliche Spielfreude. Aber auch die anderen Darsteller überzeugen durch die Bank weg. Pierce Brosnan legt seinen gern gesehen Ladykiller-Charme an den Tag und kann dabei auf unheimlich niedliche Weise nicht singen. Colin Firth brilliert erneut in seiner Paraderolle als stocksteifer britischer Aristokrat. Stellan Skarsgard knüpft als verwegener Abenteurer an seinen Piratencharakter aus den Fluch der Karibik-Filmen an. Und als besonderer Comedy-Leckerbissen entpuppen sich die beiden weiblichen Sidekicks Julie Walters (Geliebte Jane, Kalender Girls) und Christine Baranski (Chicago, Willkommen in Mooseport): Als klugscheißende Rosie und mehrfach geschiedene Tanya bilden sie ein unschlagbares, Cocktail-schlürfendes Duo.

Fazit: Ohne seine tolle Darstellerriege könnte man „Mamma Mia!“ getrost abschreiben. Doch Meryl Streep, Pierce Brosnan, Colin Firth & Co. sind nun einmal mit von der Partie und verbreiten einfach eine Menge gute Laune. So können Fans mit dem Kinomusical trotz erheblicher inszenatorischer Schwächen ohne weiteres unterhaltsame 108 Minuten verbringen. Wobei für ABBA-Hasser aber natürlich auf jeden Fall gilt: „Wir müssen leider draußen bleiben!“
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