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    Hotel Transsilvanien
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Hotel Transsilvanien
    Von Christoph Petersen
    Nachdem seine letzten beiden Realfilm-Komödien „Jack und Jill" und „Der Chaos-Dad" an den Kinokassen böse gefloppt sind, legt Brachialkomiker Adam Sandler nun ausgerechnet als blutkonservensaugender Animationsheld ein eindrucksvolles Boxoffice-Comeback hin: Für die von Debütregisseur Genndy Tartakovsky inszenierte Monster-Komödie „Hotel Transsilvanien" hat Produzent Sandler seine „Kindsköpfe"-Kumpel Kevin James („Das Schwergewicht"), Steve Buscemi („The Big Lebowski") und David Spade („Die Bankdrücker") als Co-Sprecher versammelt und so in den USA mit mehr als 40 Millionen Dollar das stärkste September-Startwochenende aller Zeiten hingelegt. Statt wie sonst üblich alle einzeln ihre Rolle einzusprechen, sind die befreundeten Komiker gemeinsam ins Synchronstudio marschiert, um dort besser aufeinander reagieren zu können – und das spürt man auch: Der fertige Film versprüht den lässigen Charme einer komödiantischen Jam-Session. Zudem hält sich Sandler mit Zoten weitestgehend zurück (es gibt nur einen harmlosen Mumien-Furzwitz) und die liebevoll-detailreichen Animationen sind so comichaft stilisiert, dass der Film trotz brennender Zombies stets seine Familientauglichkeit bewahrt.

    Seit dem Tod seiner geliebten Frau ist Dracula (Stimme: Adam Sandler, in der deutschen Fassung: Rick Kavanian) ein überfürsorglicher Kontrollfreak, der alles dafür tut, seine inzwischen 117-jährige Tochter Mavis (Selena Gomez, Josefine Preuß) vor den bösen Menschen da draußen zu beschützen. Extra für sie hat er sogar das in den Bergen hinter einem Zombie-Friedhof verborgene Fünf-Sterne-Refugium Hotel Transsilvanien errichtet, zu dem nur Monster wie Draculas bester Kumpel Frankenstein (Kevin James, Hans-Eckart Eckhardt) oder die Werwolf-Großfamilie von Wayne (Steve Buscemi, Tobias Lelle) und Wanda (Molly Shannon, Nora von Waldstätten) Zutritt haben. Doch Mavis wird bald 118 und Dracula hat ihr vor 35 Jahren leichtfertig versprochen, dass sie dann für sich alleine die Welt erkunden dürfe. Außerdem steht mit dem Rucksacktouristen Jonathan (Andy Samberg, Elyas M'Barek) plötzlich ein Mensch in der Drehtür, der so gar nicht dem üblichen Klischee vom mistgabelschwingenden und fackelschleudernden Mob entspricht, vor dem sich die Monster seit Jahrhunderten fürchten...

    Der Plot von „Hotel Transsilvanien" ist vergleichbar mit dem von Pixars Meisterwerk „Die Monster AG", dessen Prequel „Die Monster Uni" im Sommer 2013 in die Kinos kommt. Hier wie dort stellt sich heraus, dass sich die Monster in Wahrheit viel mehr vor den Menschen fürchten als andersherum. Und es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit: Der größte Trumpf beider Filme sind die kreativen Monsterkreationen! Während die Designer von Pixar die Figuren einfach aus dem Nichts erschaffen haben, orientieren sich die Macher von „Hotel Transsilvanien" nun an klassischen Monsterfilmen und interpretieren deren Protagonisten kurzerhand neu und mit einem zeitgemäßen Touch: Frankenstein verschickt seine zusammensteckbaren Körperteile am liebsten per Post, um Reisekosten zu sparen, und das Werwolfrudel erweist sich als gestresste Großfamilie, bei der wohl selbst die Super-Nanny nichts mehr ausrichten könnte. Obwohl jedes einzelne Monster nur für zwei, drei starke Gags gut ist, sorgt allein schon die schiere Masse an abgefahren animierten Hotelgästen dafür, dass in praktisch jeder Szene gleich eine Handvoll Pointen zünden.

    Einen entscheidenden Unterschied zwischen „Die Monster AG" und „Hotel Transsilvanien" gibt es dann aber doch - und der lässt sich ganz gut mit der Fabel von der fiedelnden Grille und dem Vorräte anhäufenden Maulwurf beschreiben: Während in „Die Monster AG" (=der Maulwurf) auch in der spaßigen ersten Stunde immer wieder darauf geachtet wird, Mike und Sulley ausreichend zu charakterisieren, wodurch das extrem emotionale Finale überhaupt erst möglich wird, konzentrieren sich die Macher von „Hotel Transsilvanien" (=die Fiedelgrille) allein auf das Abfackeln ihres Pointen-Feuerwerks. Dracula ist ein Kontrollfreak, seine Tochter würde gerne endlich die Welt erkunden, aber das war's dann auch schon. Gerade Rucksacktourist Jonathan entwickelt sich bis zum Schluss nicht zu einer runden Figur, sondern bleibt ziemlich beliebig: In der einen Szene entpuppt er sich als verpeilter Trottel, in der nächsten plötzlich als alles durchschauender Superromantiker. Spätestens im Finale, in dem dann plötzlich auf Emotionen gesetzt wird, rächen sich diese Versäumnisse: Da fällt es dem Zuschauer nämlich schwer, dem menschlich-monströsen Liebespaar die Daumen zu drücken – und so schleicht sich im letzten Drittel des Films dann auch die eine oder andere Länge ein.

    Fazit: „Hotel Transsilvanien" ist ein monstermäßig-kreatives Animationsvergnügen, aber der temporeiche Pointen-Hagel gerät im Verlauf des Films zunehmend ins Stocken.

    3D-PS: Genau wie die gesamten Animationen ist auch der Einsatz des 3D technisch einwandfrei. Allerdings ist der 3D-Effekt sehr zurückhaltend eingesetzt, selbst bei Wettrennen durch die Hotelflure sticht kaum etwas aus dem Bild heraus. Fazit: Das 3D ist ein leichtes Plus, muss man aber nicht zwingend haben.
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