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    Shazam!
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Shazam!

    DC kann auch lustig!

    Von Christoph Petersen
    Entweder immer düsterer („Dark Knight“-Trilogie, „Batman V Superman“), immer brutaler („Deadpool“, „Hellboy - Call Of Darkness“), immer mehr Plot und Querverbindungen pro Minute („Avengers 3: Infinity War“) oder immer mehr computergeneriertes Spektakel (eigentlich alle) – je mehr Comic-Eventfilme jedes Jahr in die Kinos drängen, desto schwerer wird es, die Konkurrenz noch zu übertreffen. Doch mit Warner Bros. und DC steigen nun ausgerechnet die Verantwortlichen des rappelvollgestopften CGI-Dauerfeuers „Aquaman“ – zumindest zwischenzeitig – aus diesem Wettrüsten aus: „Shazam!“ von David F. Sandberg ist ein trotz fliegendem Protagonisten angenehm geerdeter, emotionaler und verspielter Superhelden-Blockbuster, der gleich in mehrfacher Hinsicht eher an 80er-Jahre-Klassiker wie „Die Goonies“ oder „Zurück in die Zukunft“ als an aktuelle Konkurrenzproduktionen aus dem MCU (Marvel Cinematic Universe) und dem DCEU (DC Extended Universe) erinnert.

    Der Waisenjunge Billy Batson (Asher Angel) ist bereits aus sechs Pflegefamilien abgehauen, um nach seiner leiblichen Mutter (Caroline Palmer) zu suchen. In Philadelphia sperrt er sogar zwei Cops in einem Pfandleihhaus ein, um den Computer in ihrem Polizeiwagen für eine Personenabfrage zu nutzen. Aber selbst das hilft nicht. Stattdessen landet Billy in Pflegefamilie Nummer sieben – und zwar bei den sehr netten Eheleuten Victor (Cooper Andrews) und Rosa Vasquez (Marta Milans), die bereits eine ganze Reihe von Waisenkindern bei sich aufgenommen haben. Während sich Billy zaghaft mit seinen neuen Geschwistern anfreundet, landet er plötzlich in der Höhle des mysteriösen Magiers Shazam (Djimon Hounsou), der ihm seine Kräfte überträgt, um den finsteren Dr. Thaddeus Sivana (Mark Strong) aufzuhalten. Fortan kann sich Billy in einen erwachsenen Superhelden Shazam (Zachary Levi) verwandeln, wenn er nur das Wort „Shazam“ ausspricht. Ganz schön viel (und womöglich sogar zu viel) Verantwortung für einen 14-jährigen, nicht gerade gefestigten Teenager...

    Plötzlich Superheld!


    An einer Stelle des Films belauern sich die vor der Skyline Philadelphias in der Luft schwebenden Shazam und Silvana mit einigen Kilometern Abstand. Aber bevor die Kontrahenten aufeinander zurasen und sich gegenseitig durch Hochhäuser rammen, hält Silvana noch eine dieser typischen Bösewicht-Ansprachen – nur versteht Shazam aus der Entfernung natürlich kein Wort. Ein ebenso cleverer wie amüsanter Seitenhieb auf den Kollegen Superman, bei dem solche luftigen Stand-offs zwar andauernd vorkommen, aber merkwürdigerweise nie zu solchen Kommunikationsproblemen führen. Trotzdem ist „Shazam!“ – anders als „Deadpool“ – nicht in erster Linie eine mit Meta-Elementen vollgestopfte Genreparodie. Stattdessen verwendet Regisseur David F. Sandberg zunächst einmal angenehm viel Zeit darauf, seinen jugendlichen Protagonisten und dessen neue Ersatzfamilie vorzustellen.

    Die Schauspieler haben vor und während der Dreharbeiten so viel Zeit miteinander verbracht, dass sie sich selbst schließlich sogar den Namen „Shazamily“ gegeben haben. Das hört sich im ersten Moment natürlich nach dem üblichen Marketinggelaber an – aber selbst wenn, die Chemie zwischen den Mitgliedern der Pflegefamilie ist nichtsdestotrotz herausragend. Vor allem „Es“-Shootingstar Jack Dylan Grazer stiehlt als Billys neuer Bruder Freddy Freeman mit seinen trockenen Kommentaren immer wieder die Show – dabei hat er nicht nur keine Superkräfte, er geht wegen einer Gehbehinderung sogar an einer Krücke. Nach den ersten gut 20 Minuten von „Shazam!“ ist es einem fast egal, ob sich der Film nun noch zu einem Superheldenfilm entwickelt oder nicht, man möchte einfach nur mehr Zeit mit dieser Familie verbringen. Und aus diesem stabilen emotionalen Fundament heraus entwickeln dann auch die plötzlichen Superkräfte einen ganz anderen Punch...

    Die ultimative Superkraft: Bier kaufen!


    Wenn sich etwa Brie Larson am Ende von „Captain Marvel“ den ihre Fähigkeiten unter Kontrolle haltenden Chip aus dem Nacken reißt und so noch viel mehr Kraft zur Verfügung hat, dann haut einen das nun wirklich nicht mehr vom Hocker. Sowieso spielen die Superkräfte im MCU wie im DCEU inzwischen nur noch eine sehr untergeordnete Rolle. Bei „Shazam!“ ist das allerdings anders: Dank dem „Big“-Twist, dass hier ein Teenager nicht nur wie Spider-Man plötzlich über Kräfte verfügt, sondern in einem erwachsenen Superheldenkörper steckt, erlangen die Fähigkeiten plötzlich wieder eine ganz andere Bedeutung. Wobei die Gewichtung wiederum für allerlei amüsante Augenblicke sorgt: Für einen Teenager ist es eben auch schon ziemlich cool, Bier kaufen zu dürfen oder leere Handys in Sekundenschnelle aufladen zu können. Da sind eine kugelsichere Haut und übermenschliche Stärke nur noch nette Dreingaben...

    Zachary Levi (die Stimme von Flynn Rider in „Rapunzel - Neu verföhnt“) ist dabei der perfekte Mann für die Rolle als frischgebackenes Superhelden-Alter-Ego Shazam (der in den 1939 erstmals erschienen Comics übrigens noch Captain Marvel hieß, was inzwischen aus naheliegenden Gründen allerdings geändert wurde). Dass sich der eigentlich eher hagere „Chuck“-Star für den Part reichlich Muskeln antrainiert hat, ist dabei gar nicht mal in erster Linie für seine Glaubwürdigkeit als Superheld von Bedeutung – das hätte man allein mit Tricks beim Kostüm auch irgendwie hinbekommen. Aber man spürt einfach, dass Levi eigentlich nicht in diesen Bodybuilding-Körper hineingehört, auch er selbst sich erst einmal an die Muskelmassen gewöhnen muss. Damit geht es ihm genau wie Billy, der ja ebenfalls von einem Moment auf den nächsten mit einem völlig ungewohnten Körper klarkommen muss – und die die meist wunderbar trockenen Comedy-Elemente liegen dem schlagfertigen Schauspieler sowieso im Blut.

    Die ultimative Superkraft: 100 Dosen Dr. Pepper trinken!


    Die Actionsequenzen sind zwar trotz einem Budget von „nur“ 80 Millionen Dollar (halb so viel wie bei „Aquaman“) tricktechnisch auf der Höhe, aber meist dem Humor und der Charakterentwicklung untergeordnet. Mark Strong („Kick-Ass“) spielt einen typischen Comic-Bösewicht, den er vor allem mit seinem eigenen abgründigen Charisma auflädt, weil ihm das Drehbuch nicht viel mehr als Allmachtsfantasien zur Verfügung stellt. Wobei ein Gimmick dann doch sehr cool ist: Sivana verdankt seine Kraft den sieben Todsünden, die zuvor als versteinerte Gargoyles in Shazams Höhle herumstanden und die sich nun in seinem Körper eingenistet haben. Und sobald er die Dämonen aus sich herausschickt, um ihm beim Unheilanrichten zu helfen, ist der ausgewiesene Horror-Experte Sandberg („Lights Out“, „Annabelle 2“) merklich in seinem Element: Vor allem die Einstellung durch eine milchige Glasfassade bei einer blutig endenden Vorstandssitzung sticht als herrlich böse heraus.

    Dass Billy im Körper von Shazam als Blitze verschießender Straßenkünstler auftritt, um die so verdienten Dollar anschließend in einem Stripclub zu verprassen, versprüht direkt einen gewissen „Lockere Geschäfte“-Vibe – und die Höhle des Zauberers erinnert sofort an die 80er-Fantasy-Ära von „Gremlins“ bis „Ghostbusters“. Auch wenn „Shazam!“ in der Gegenwart spielt, verkörpert er die Achtziger besser als „Captain Marvel“ die Neunziger, und dass, obwohl der Marvel-Konkurrent ja tatsächlich in diesem Jahrzehnt angesiedelt ist. Der Geist von Teen-Film-Guru John Hughes und Steven Spielbergs Amblin Entertainment („E.T. – Der Außerirdische“) ist in „Shazam!“ jederzeit präsent. Gut so.

    Fazit: Schlagfertig. Berührend. Lustig. Ein Comic-Blockbuster für alle, die auch mal eine Auszeit vom stumpfen Aufrüstungswahn im Superhelden-Genre brauchen.

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    Kommentare

    • Thilo Schmidt
      Einer der seltenen Fälle, wo mir die Filmstarts Kritik etwas zu viel versprochen hat. Ich fand ihn wirklich nur ganz okay. Die Stärk liegt klar bei den Kindern und ihrer Geschichte. Der Superhero-Teil soll wohl überzeichnet und etwas ironisch sein, ist es meist aber nicht so richtig. Irgendwie nicht ganz rund.
    • Refugium
      Also zumindest Superman hat supergehör, was seine Gegner haben ist dann wohl individuell.Aber superman sollte zumindest die ansprache des gegners hören ;)
    • terraforma
      Oho: ein geerdeter Film mit einem stabilen emotionalen Fundament - so sollte doch jeder Film sein?? Aber klar, ist nicht so...
    • Larry Lapinsky
      Ich kann Christoph nur mit jeder Faser meines Körpers zustimmen! Angenehm geerdet trifft es voll und ganz! Lange hatte ein Superheldenfilm nicht mehr so viel Seele und Herz am rechten Fleck. Hier war auch jeder Darsteller sympathisch und überzeugend, inklusive Bösewicht, und der Film wurde nicht nur gerade so von einem CGI-Jackson und einer Katze getragen! F*** Marvel & Brie Larson (zumindest at the moment / bis Ende April)!! Möge der Film den Erfolg bekommen, den er verdient!
    • Ferdo A
      Lustiger Kinderfilm, interessant normalerweise steht doch Marvel für stumpfe Kinderfilme
    • Ferdo A
      Denke mal das die epischen Comicverfilmungen Marvel vorenthalten sind.Ja, absolut...Deshalb stellt DC mit der Dark Knight Trilogie das Non Plus Ultra der Comic Verfilmungen
    • flic6
      Ach wie schön, jetzt nennst du dich ja sogar wieder Filmfan! :-D
    • flic6
      Tja, schon ganz schön bitter wenn man so etwas nötig hat! Ach ich sehe gerade das er sich mittlerweile auch wieder Filmfan nennt, er hat den Druck anscheinend nicht mehr ausgehalten! :-D
    • Clive Exicel
      Shazam, Shazam Schicksalberg, du bist so groß und Ich bin ein Zwerg.Ich glaube mal will nur als ab und zu Marvel (und DC) Schauer diese Filme noch sehen. Man merkt es bei DC nur früher - oder ist eben mehr auf der DC Seite und ist Tränen gewohnt.Ich glaube es juckt uns gar nicht mehr so sehr. Ich warte auf Lost in Space Season 2, Stranger Things Season 3 und Vielleicht noch The 100 Season 6 -weil mich wie in Lost in Space der neue Planet interessiert. Altered Carbon vielleicht noch.Ich mag den Namen Endgame einfach nicht. Okay, es gab im Comic, wie ich hier erfahren habe, einen 2. Civil War, aber trotzdem. Soweit ich weiss (aus den Comics) hat da dann Strange geholfen, nachdem er im Dimensionsknast war. Ich wußte nicht das das Civil War hieß - oder auf Deutsch wie hieß es da?Selbst Agents of Shield weiss ich nicht ob ich mir das anschauen sollte,obwohl ich auf diesen Krieg schon lange warte, weil ich nur im Nachhinein aus dem Comic davon erfahren habe. Aber da müßte es einen Shield Film geben. Ansonsten dürfen die gar nichts was irgendwie Blockbuster ist.
    • Klaus S aus S
      Nein gibt es nicht und was das mit mir zu tun hat ist mir äusserst schleierhaft
    • Joe H
      Er hats dir ja nicht verboten du Einfaltsp*nsel
    • Joe H
      Und jetzt benennt er sich wieder um in Filmfan? Was läuft eigentlich falsch bei dem 😂Edit:Zum Glück ist er nicht Filmfan. Ich hab ihn jetzt mal wegen Nachahmung markiert hihi.
    • Joe H
      Ich möchte BrieLarsonFan. War wenigstens ein ehrlicher Name 😁 Gleich Passiv-agressiv im nick
    • Kein_Gast
      So ist es! MoS war ebenfalls richtig intensiv im Finale!
    • Cholerische Languste
      Er hat seinen Account gelöscht und macht jetzt ständig neue. Damit die Nummer nicht auffällt, stellt er die Accounts auf privat.
    • flic6
      Was ist überhaupt mit den anderen Accounts passiert?! Wurde Filmfan gesperrt/gelöscht? Seine/Ihre Antworten auf meine Kommentare sind zumindest nicht mehr abrufbar!
    • flic6
      Haha, du musst dir doch nicht mehr die Mühe machen und deinen Namen und Profilbild ändern, wir wissen alle wer du bist Filmfan! :-D
    • ryanstecken
      Du hast noch Thor 1 und 2,The First Avenger und Iron Man 1 und 3 vergessen.
    • ryanstecken
      Bis auf Aquaman scheinen wir Brüder im Geiste zu sein.
    • Gravur51
      Ok Alice :)
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