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    Das Leuchten der Stille
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Das Leuchten der Stille
    Von Florian Schulz
    Seit dem Zweiten Weltkrieg ist der Dear-John-Letter ein süffisanter Euphemismus für den weithin gefürchteten Abschiedsbrief. Der Begriff ist in doppelter Weise auch in „Das Leuchten der Stille" Programm. In altmodischer Manier schreiben sich die beiden Protagonisten Briefe, bis den vom Heimweh geplagten Soldaten John der Supergau unter den Mitteilungen erreicht. Der arme Kerl wird dadurch zum Sinnbild für alle Beziehungsabsagen dieser Welt und muss vor allem eines: leiden! Willkommen in der Welt des Nicholas Sparks. Wer erinnert sich nicht an Kevin Costners wortkargen Seebären Garet Blake aus „Message in a Bottle"? Auch derzeit hat der Romancier im Kino wieder Hochkonjunktur. Gleich zwei Romanverfilmungen gehen ins Rennen um die Gunst der Romantiker. Neben der Miley-Cyrus-Schmonzette Mit Dir an meiner Seite schien vor allem mit „Das Leuchten der Stille" ein Anwärter auf den Herzschmerzstreifen der Saison vorzuliegen. Doch leider rauscht das unausgegorene Melodrama unter der Fuchtel des routinierten Lasse Hallström ohne Höhepunkte an den Tränendrüsen vorbei.

    John (Channing Tatum) ist auf Heimaturlaub, als er am Strand die hübsche Savannah (Amanda Seyfried) kennenlernt. Nachdem der introvertierte Soldat der blonden Schönheit mit beherztem Sprung die Handtasche aus der sprühenden Gischt gefischt hat, geht alles ganz schnell: Innerhalb weniger Augenblicke funkt es gewaltig. Auch Savannahs Busenfreund Tim (Henry Thomas) hat nichts gegen den aufrichtigen jungen Mann einzuwenden. Doch leider tickt für die beiden Turteltauben die Uhr. In zwei Wochen muss John zurück zu seiner Einheit. Kurz vor seiner Abreise kommt es typischerweise noch zum Eklat: Savannah äußert John gegenüber den Verdacht, dass dessen ungewöhnlich introvertierter Vater (Richard Jenkins) Autist sein könnte. Der stille John tickt aus, die Versöhnung folgt aber auf dem Fuß. Letzte Treueschwüre werden ausgetauscht und dann geht es für den frisch Verliebten auch schon wieder auf ins Krisengebiet. Wird die Beziehung die Distanz verkraften? Altmodische Briefe sollen dabei helfen, die Flamme am Lodern zu halten...


    „I am a coin in the U.S. Army." - John

    John ist ein Ausbund an Tugend: Er trinkt nicht, raucht nicht, hält sich von den moralischen Fallstricken der Spring-Break-Exzesse fern und dient seinem Vaterland mit Engelsgeduld. Ein moralisch integerer Bursche, der für den Militärdienst wie gemacht scheint. Der Untertitel der Buchvorlage bringt das zentrale Motiv dann auch präzise auf den Punkt: „Is duty enough reason to live a lie?" Die Antwort gleicht einer Durchhalteparole, als möchte Sparks sagen: „Mädels, haltet euch in Kriegszeiten eure Männer warm!" In der Buchvorlage ist John im Irak stationiert, in der Kinoadaption jettet er mit seiner Spezialeinheit um den halben Globus. Zu sehen gibt es dabei Postkartenimpressionen aus Krisengebieten. So werden munter Carepakete abgeworfen, Green Berets kümmern sich ganz rührend um notleidende Kinder und die Einheit springt als Ersatzfamilie ein. Die beklemmende Enge eines The Hurt Locker muss hier der kathartischen Wirkung der Ferne weichen. Eines muss man dem Film dennoch zugute halten: In seiner Werbeclip-Ästhetik wirkt er wenig subversiv, sondern bezieht ganz eindeutig Position. Der melodramatische Kern bekommt dadurch eine politisch-konservative Schlagseite, die man mögen muss. Doch wie steht es um die Inszenierung des dramatischen Dilemmas?

    Ein Name lässt hier aufhorchen: Mit Lasse Hallström, der mit „Gilbert Grape", Gottes Werk und Teufels Beitrag und Chocolat drei Taschentuchgaranten auf der Habenseite aufweist, zeichnet ein absoluter Drama-Routinier für die Regie verantwortlich. Doch leider schiebt sich zwischen Sparks‘ Vorlage und Hallströms Inszenierung ein dritter Name: Jamie Linden, der aus der Buchvorlage ein Drehbuch zusammenbastelte, das man auch mit gutem Willen nur als Stückwerk bezeichnen kann. Zwar hatte Linden den absolut richtigen Riecher, als er den Fokus in Richtung des Vater-Sohn-Verhältnisses verschob. Aber auch ohne die literarische Vorlage zu kennen, lässt das Endergebnis nur eine Vermutung zu: Hier wurde nicht filmdienlich, sondern grob fahrlässig gekürzt. Aus den Produktionsnotizen geht ebenfalls hervor, dass Hallström zusätzlich jede Szene aus dem Drehbuch herausstrich, die womöglich in Kitsch abgedriftet wäre. Vielleicht zu viel des Guten, denn die Inszenierung des Schweden, der mit Schiffsmeldungen bereits sein Fingerspitzengefühl für literarische Stoffe unter Beweis gestellt hat, ist ermüdend gleichförmig, ohne sich für Höhepunkte oder Untiefen großartig zu engagieren.

    So schmerzt es beinahe ein wenig, den großartigen Richard Jenkins (Burn After Reading) in diesem rudimentären Storykorsett eingeschnürt zu sehen. Der Ausnahmemime, der in The Visitor noch als designierter Professor brillierte, wird hier zum episodischen Aushängeschild degradiert. Es steckt eine Menge tragischer Ironie in Jenkins‘ Rolle des Autisten, der nie so recht Kontakt zum Rest der Handlung aufzunehmen vermag. Was Jenkins innerhalb des ihm zugedachten Spielraumes dann aber abliefert, ist über jeden Zweifel erhaben und untermauert einmal mehr seine Ausnahmestellung als Charaktermime. Auch Channing Tatum (G.I. Joe – Geheimakte Cobra) und Amanda Seyfried (Mamma Mia!, Jennifer's Body) können ihre Rollen mit Leben füllen. Vor allem die hübsche Nachwuchsdarstellerin macht einmal mehr deutlich, warum sie zu den derzeit hoch gehandelten Gesichtern der Traumfabrik gehört. Leider hapert's am Zusammenspiel: Die Chemie zwischen den beiden Shooting-Stars wirkt nicht immer zwingend. Zu ihrer Verteidigung muss man allerdings erwähnen, dass es schon einer schauspielerischen Punktlandung bedurft hätte, um im raschen Wechsel der höhepunktarmen Szenen eine glaubwürdige Liaison zu etablieren.

    Fazit: „Das Leuchten der Stille" ist weder ganz großes Gefühlskino, noch feinfühliges Charakterdrama, sondern havariert in einer seichten Inszenierung. Auch eine sehenswerte Einzelleistung Richard Jenkins‘ und zwei ambitionierte Hauptdarsteller können nicht über ein reißbrettartiges Drehbuch hinwegtäuschen. Der nunmehr sechsten Sparks-Adaption fehlt es deshalb durchgängig an emotionaler Breitseite.
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