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The Restless - Kampf um Midheaven
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
The Restless - Kampf um Midheaven
Von Christoph Petersen
Mit „The Restless“ beweist die südkoreanische Filmszene einmal mehr ihr Talent dafür, ihre Produktionen einfach nach mehr aussehen zu lassen. Zwar gehört Dong-oh Chos Fantasy-Epos mit einem Budget von beinahe zwölf Millionen Dollar doch eindeutig zur gehobenen finanziellen Klasse der asiatischen Filmindustrie, doch den Vergleich mit einer etwa gleichteuren US-Produktion würde der Film wohl eindeutig für sich entscheiden. Kaum eine Szene kommt ohne perfekt umgesetzte CGI-Effekte aus, und auch Ausstattung und Kostüme können auf der ganzen Linie überzeugen. Doch leider sind hier nicht nur die Produktionswerte auf absolutem Hollywood-Topniveau, auch die Oberflächlichkeit des Skripts erinnert stark an das Blockbuster-Kino der Traumfabrik. Aber zumindest nutzt „The Restless“ seine hervorragenden technischen Qualitäten nicht à la Hollywood nur dazu, es richtig laut knallen zu lassen, sondern vielmehr dafür, wunderschöne, poetische Bilderwelten zu entwerfen, die man einfach gesehen haben sollte.

Als eine Horde Dämonen ein kleines Dorf überfällt, schreitet der herumvagabundierende Yi Gwak (Woo-sung Jung) mutig ein und erledigt die missgestalteten Monster. Doch in Wahrheit ist Yi kein einfacher Streuner, vielmehr war er einst Anführer der königlichen Demon-Slayers, bevor diese legendären Kämpfer – mit Ausnahme von Yi - bei einem gescheiterten Putsch gegen die korrupte Königsfamilie ausgelöscht wurden. Die geretteten Dorfbewohner danken es Yi, indem sie ihm Schlafmittel in sein Glas schütten, um so das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld zu kassieren. Zwar kann Yi noch vor Ankunft der königlichen Armee flüchten, doch im Wald bricht er durch das Pulver geschwächt zusammen. Als er wieder erwacht, findet er sich in einer merkwürdigen Welt namens „Midheaven“ wieder, wo die Menschen nach ihrem Tod einige Zeit verbringen, bevor sie endgültig in den Himmel auffahren. Doch Yi ist noch gar nicht tot, eigentlich ist er sogar bei allerbester Gesundheit. Wirklich Zeit, um über diese unglückliche Situation nachzudenken, bleibt Yi jedoch kaum. Seine früheren Mitstreiter um seinen väterlichen Freund Ban-chu (Jun-ho Heo) haben angefangen, „Midheaven“ zu übernehmen, um die Gesetze von Tod und Wiedergeburt zu verändern. Und dann ist da auch noch das wunderschöne Himmelwesen So-hwa, das Yis ermordeter Frau Yon-hwa (beide: Tae-hee Kim) zum Verwechseln ähnlich sieht. Yi muss sich für eine der Seiten entscheiden...

Wenn Yi nach knappen zehn Minuten in „Midheaven“ landet, macht die Geschichte des romantischen Fantasy-Märchens noch richtig Lust auf mehr. Zunächst einmal muss sich der orientierunslose Neuankömmling nämlich auf unterhaltsame Weise mit bürokratischen Hürden rumschlagen: Da er nicht wirklich gestorben ist, fehlt ihm leider die dringend benötigte Hundemarke. Doch schon kurz darauf, sobald zum ersten Mal Ban-chus düstere Schergen Yis Weg kreuzen, wendet sich das Blatt. Von hier an verläuft die Story ohne Ausnahmen in altbekannten Genrebahnen: Ein wenig Shakespeare-Drama hier, ein wenig kitschige Romanze da, dazu noch ein paar magische Utensilien und eine Handvoll Schwertkampfeinlagen, fertig ist das Baukasten-Fantasy-Epos. Dabei stört gar nicht mal in erster Linie die Oberflächlichkeit des Ganzen, sondern vielmehr, dass Regisseur und Drehbuchautor Dung-oh Cho die Einfachheit seiner Geschichte künstlich mit unzählichen Subplots und philosophischen Fragestellungen verkompliziert. Zumindest machen die beiden Hauptdarsteller ihre Sache trotz der Eindimensionalität ihrer Charaktere ausgesprochen gut. Woo-sung Jung versprüht wie schon in Sung-su Kims Action-Epos Musa auch hier allein mit seinen wirren Haaren ausreichend Helden-Feeling, und die niedliche TV-Darstellerin Tae-hee Kim mit ihren supergroßen, mangahaften Rehaugen möchte man am liebsten gleich selbst retten.

Hätte Leonardo da Vinci seine Mona Lisa einst nach einer Malen-nach-Zahlen-Vorlage angefertigt, wäre das Ergebnis wohl aber auch nicht unbedingt zu verachten gewesen. Und so ähnlich verhält es sich nun auch mit „The Restless“. Beim Abarbeiten der typischen Versatzstücke jagt eine atemberaubende Einstellung die nächste, und so erwischt man sich im Verlauf des Films immer häufiger dabei, dass man die Untertitel nur noch nebenbei überfliegt, während man immer tiefer in die grandiose Optik der hochglänzenden Bilder abtaucht. Die „drahtigen“ Flug-Schwertkampfeinlagen halten sich zwar anzahlmäßig etwas zurück, fallen dafür aber zumindest ansprechend abwechslungsreich aus – vom einfachen Zweikampf auf Lampion-Leinen über einen Fight mit einem Stahlseile aus seinem Rücken schießenden Bösewicht, der ein wenig an den Doc Ock aus Spider-Man 2 erinnert, bis hin zu einer Massenschlacht reicht das Repertoire. Dabei erreichen die Choreographien der einzelnen Szenen nie ganz die Genialität von etwa Zhang Yimous Hero oder The House Of Flying Daggers, liegen aber dennoch über dem Genredurchschnitt. Vielmehr als die Sequenzen, die ganz klar von ihren Effekten leben, begeistern jedoch jene, in denen die CGI-Grafiken nur unterstützenden Charakter haben – vor allem die grandiosen Fantasy-Landschaften sind einfach umwerfend schön ausgefallen.

Fazit: Das südkoreanische Fantasy-Epos „The Restless“ könnte man im Filmemacher-Lehrbuch problemlos als Vorzeigebeispiel für den Begriff „Form über Inhalt“ anführen: Der ganze Film mit seinen ausufernden CGI-Einstellungen sieht einfach so unglaublich aus, dass sich die effektreichen 102 Minuten auch ohne tiefgründige Story als auf jeden Fall sehenswert erweisen.
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