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Splice - Das Genexperiment
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Splice - Das Genexperiment
Von Björn Helbig
Seit „Nothing“, dem vorherigen abendfüllenden Spielfilm des Regisseurs und Drehbuchautors Vincenzo Natali, sind fast sieben Jahre vergangen. Nach diesem Ausflug ins Komödienfach meldet sich der Cube-Macher mit einem gut besetzten Gruselfilm zurück. „Splice“ ist genau wie seine Genre-Vorbilder – allen voran „Frankenstein“, aber ebenso Species, Die Fliege oder auch „Das Ding aus dem Sumpf“ – ein Monsterfilm mit allem, was dazu gehört. Zugleich gelingt Natali aber auch noch ein intensives Kammerspiel, das nicht nur die Risiken einer entfesselten Wissenschaft illustriert, sondern diese gleichzeitig eng mit den Bedürfnissen der Figuren verknüpft.

Das junge Wissenschaftlerpärchen Clive (Adrian Brody) und Elsa (Sarah Polley) arbeitet für ein Pharmaunternehmen. Ihre Forschung ist bereits weit vorangeschritten. Den beiden Biowissenschaftlern ist es gelungen, ein geklontes Lebewesen zu erschaffen, das für die Produktion von Medikamenten dient. Aber das ehrgeizige Pärchen lässt es damit nicht gut sein, sondern unternimmt auf eigene Faust den Versuch, die Gene von Tieren und Pflanzen mit denen von Menschen zu kreuzen. Zur Überraschung aller gelingt das Experiment. Das erschaffene Hybridwesen (Delphine Chanéac), das schon bald weibliche Züge annimmt, entwickelt sich äußerst schnell und ist zudem sehr lernfähig. Aber unter der Oberfläche ihrer Schöpfung verbergen sich weit mehr Eigenschaften, als den beiden unbedarften Forschern lieb sein kann…

Obwohl Vincenzo Natali mit seinen Spielfilmen „Cube“, Cypher und „Nothing“ sowie seinem Beitrag zur Kurzfilmkompilation Paris Je T‘Aime wiederholt seine Fähigkeiten demonstriert hat, gelten seine Filme immer noch als Geheimtipp und in der breiten Öffentlichkeit ist er wenig bekannt. Das mag auch daran liegen, dass Natali sein Publikum stets mit herausfordernden Ideen überrascht: In jedem seiner Filme konfrontiert er seine Protagonisten genau wie den Zuschauer mit einer beinahe sterilen Versuchsanordnung, die er dann in aller Konsequenz durchspielt. Dieser artifizielle Ansatz ist sicherlich nicht jedermanns Sache.

Weil „Splice“ nun in einer langen Tradition von Gruselfilmen steht, dürfte das Durchschnittspublikum diesmal deutlich weniger Schwierigkeiten haben. Denn im Grunde ist „Splice“ ein klassischer Monsterfilm, der wie Mary Shelleys Schauerklassiker „Frankenstein“ seinen Ursprung im griechischen Schöpfer-Mythos hat. Der Sage nach schuf Prometheus den Menschen aus Ton und schenkte dem bis dahin leblosen Wesen die Eigenschaften von verschiedenen Tieren und es war die Göttin Athena, die dem Menschen schließlich den Verstand gab. Aber nicht nur die Ursprünge, auch die Grundzüge der Geschichte hat „Splice“ mit Shelleys „Frankenstein“-Roman gemeinsam. Wie Viktor Frankenstein sind auch Clive und Elsa nicht nur mit der nötigen Portion wissenschaftlicher Arroganz ausgestattet, sie projizieren nach dem gelungenen Experiment auch sehr viel ihrer eigenen Wünsche und Traumata in das von ihnen geschaffene Wesen. Nach dem ersten Schock sehen die beiden ihre Kreatur als Kind und geben ihm – in Anspielung auf den Namen ihres Forschungsinstituts N.E.R.D. – den Namen Dren. Sie schmuggeln es aus der Forschungseinrichtung und verstecken es in der abgelegenen Hütte, in der Elsa einst aufwuchs.

Es typisch für Monsterfilme, dass sich die Kreatur von ihren Schöpfern emanzipiert und deswegen überrascht es nicht, dass auch „Splice“ eine solche Wendung nimmt. Doch der Film funktioniert auch noch auf einer anderen Ebene: Natalis Geschichte, die er zusammen mit Antoinette Terry Bryant und Doug Taylor verfasst hat, lässt sich ebenfalls als Analogie einer dysfunktionalen Familie begreifen. Der weitere Handlungsverlauf ergibt sich aus den Bedürfnissen der Charaktere: Elsa hatte selbst eine schwierige Kindheit und möchte deswegen kein Kind mit Clive. In der von ihr geschaffenen Kreatur sieht sie die Möglichkeit, ihre unterdrückten Muttergefühle doch noch auszuleben und sich dabei „unverbindlich“ auszuprobieren. Clive steht dieser Entwicklung sehr skeptisch gegenüber. Doch nach und nach entwickelt auch er eine immer größere „Zuneigung“ zu dem exotischen Wesen. Die komplexe, fragile Beziehung der drei Personen droht immer wieder aus dem Gleichgewicht zu geraten, wenn sich die Fremdartigkeit von Dren in den Vordergrund drängt. Vor allem Elsa wird hierbei immer wieder herausgefordert, da sie mit ihrer Unzulänglichkeit als Mutter konfrontiert und die von ihr in das „Kind“ gesetzte Hoffnung enttäuscht wird. Im Gegensatz zu anderen Monsterfilmen ist das Beziehungsdreieck zwischen Elsa, Clive und Dren der eigentliche Antriebsmotor des Films.

Es ist aber nicht nur diese doppelte Ebene, die „Splice“ zu einem außerordentlichen Kinovergnügen macht. Auch Adrian Brody (Der Pianist, Giallo), Sarah Polley (Dawn Of The Dead) und Delphine Chanéac zeigen sich in diesem Quasi-Dreipersonenstück von ihrer besten Seite. David Hewlett („A Dog‘s Breakfast“), ein guter Freund des Regisseurs, der in all seinen Filmen mitspielt, hat diesmal eine vergleichsweise kleine Rolle, weiß als Leiter des Forschungsinstituts aber durchaus einige augenzwinkernde Akzente zu setzen.

Weitere Highlights sind die Spezialeffekte und das Produktionsdesign. Natali, der seine Karriere als Storyboard Artist begann, beweist hier einmal mehr sein außerordentliches Gespür dafür, wie die Dinge aussehen müssen, damit seine Stories optimal funktionieren. Mit Dren hat er sich nun selbst übertroffen: Ihrer Verwandlung von einem kaum als humanoid zu bezeichnenden Wesen hin zu einem Geschöpf, das - abgesehen vom Schwanz - als seltsame Schönheit durchgeht, sieht nicht nur sensationell aus, sondern zieht den Zuschauer in einen eigentümlichen Gefühlszwiespalt. Das Design der Kreatur bietet genug Bekanntes in Statur und Mimik, um das Publikum emotional zu verwickeln, bleibt aber trotzdem so fremd, dass dem Zuschauer ein Schauer über den Rücken läuft. Gleiches gilt für die Psyche von Dren. Immer wieder zeigt sie sehr menschliche Verhaltensweisen, um kurz drauf erneut ihre Andersartigkeit zu demonstrieren.

Nicht zuletzt zieht „Splice“ seine Faszination aus der realen Möglichkeit, die seinem Szenario zu Grunde liegt. Das menschliche Genom ist entschlüsselt, Tiere werden bereits geklont – was ist also der nächste Schritt? Während Viktor Frankenstein sein Monster noch aus Leichenteilen zusammensetzte, sind die Möglichkeiten für die Züchtung von neuen Lebewesen heute weitestgehend gegeben. „Splice” ist insofern auch eine vorsichtige Warnung, nicht in erster Linie an die Wissenschaft, sondern vielmehr an die Menschen, ihre Interessen und Beweggründe noch einmal zu hinterfragen.
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Kommentare

  • Jan A.
    Der Film war eine Katastrophe sowas soll nicht im gezeigt werden ich HASSE es das Tiere besonders Katzen Opfer sind ich hasse diesen FILM
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