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    Wild Child - Erstklassig zickig
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Wild Child - Erstklassig zickig
    Von Andreas Staben
    Der deutsche Titelzusatz „Erstklassig zickig“ bringt eines der wesentlichen Attribute von Nick Moores Mädchenschulkomödie „Wild Child“ auf den Punkt: Die gesamte Handlung ist tatsächlich von ausgesprochen zickigem Verhalten durchsetzt, der Film selbst wirkt geradezu verbiestert. Allerdings kann von der suggerierten Erstklassigkeit kaum die Rede sein, dafür ist Moores Regiedebüt deutlich zu schematisch und verkniffen ausgefallen. Die Zähmung der widerspenstigen Protagonistin wird weitgehend einfallslos durchexerziert. Während ein überraschungsarmer Handlungsverlauf dabei noch als genretypisch in Kauf genommen werden kann, sind blutarme Figuren und öde, wiedergekäute Klischees ein echtes Hindernis. Wenn sie Charisma und Stil besitzen sowie mit intelligenter Boshaftigkeit daherkommen, können Zicken sehr unterhaltsame Filmfiguren abgeben. In „Wild Child“ hat man es dagegen nur mit verwöhnten und dünkelhaften Nervensägen zu tun.

    Als die 16-jährige Poppy (Emma Roberts) zur „Begrüßung“ der neuen Verlobten ihres Vaters (Aidan Quinn) das Luxus-Haus der Familie in Malibu mit einer Spur der Verwüstung durchzieht, hat sie den Bogen überspannt: Das verwöhnte und aufsässige Mädchen wird in ein Internat nach England geschickt, wo sie Disziplin und Benehmen lernen soll. In der Abbey Mount School gelten strenge Regeln, mit denen der an so viele Privilegien gewöhnte Neuankömmling gleich in Konflikt gerät. Schnell bringt Poppy die Schulsprecherin Harriet (Georgia King) gegen sich auf, die zu ihrer Erzfeindin wird. Auch ihre Zimmergenossinnen sind zunächst nicht gerade von ihr angetan. Aber nachdem Kate (Kimberly Nixon, Frontalknutschen) erfährt, dass Poppys Mutter vor ein paar Jahren bei einem Unfall ums Leben kam, entscheiden die Mädchen mitzuhelfen, einen Rauswurf zu provozieren. Dies erweist sich als schwieriger als erwartet, da die Direktorin Mrs. Kingsley (Natasha Richardson) sehr viel Verständnis für den Neuling aufbringt. Die Situation verkompliziert sich weiter, als Poppy sich in Freddy (Alex Pettyfer), den Sohn der Schulleiterin, verguckt. Jetzt möchte sie gar nicht mehr unbedingt nach Kalifornien zurück, aber eine fiese Intrige droht alles zu zerstören...

    Die Handlungsmuster sind aus anderen Teenagerkomödien natürlich längst vertraut, alles kommt auf ihre Variation und die Umsetzung an. Bedauerlicherweise hat das Drehbuch von Lucy Dahl kaum eine originelle Wendung zu bieten, und auch der Inszenierung fehlt es an Schwung und Einfallsreichtum, um das Altbekannte neu zu beleben. Unter diesen Voraussetzungen haben auch die durchaus passend ausgewählten Darsteller nur wenig Gelegenheit, ihre Stärken zu entfalten. Emma Roberts hat als Addie in der Serie „Unfabulous“ gezeigt, dass sie alltägliche Teenagernöte facettenreich darstellen kann. Und selbst der überhöhten Titelfigur in Nancy Drew - Girl Detective hat sie eine große Natürlichkeit verliehen. In „Wild Child“ erhält sie aber kaum eine Chance, die Rolle der Außenseiterin mit emotionaler Glaubwürdigkeit auszufüllen. Immerhin ist es Roberts' Starqualitäten zu verdanken, dass Poppy nicht alle Sympathien des Zuschauers verliert. Der Oberzicke in Abbey Mount wird dagegen jeder Moment der Versöhnlichkeit verweigert: Poppys Gegenspielerin Harriet muss bis zum Ende böse bleiben. Leider wirkt sie dabei eher jämmerlich, gerade im Vergleich zur häufig unwiderstehlich unverschämten Ashley Tisdale als Sharpay in den High School Musical-Filmen.

    Die Wandlung der traumatisierten und daher aufsässigen Egozentrikerin zum verantwortungsvollen Mitglied der Gemeinschaft wirkt aufgesetzt. Daran können auch die routinierten Darsteller der beiden größten Erwachsenenrollen in „Wild Child“ nichts ändern. Natasha Richardson (Spuren eines Lebens, Stellas Versuchung) als verständnisvolle Schuldirektorin und Aidan Quinn (Blink, Mary Shelleys Frankenstein, „Legenden der Leidenschaft“) als besorgter Vater bleiben Staffage. Vorhandene Ansätze werden nicht weitergeführt, so legt etwa Mrs. Kingsley Poppy statt einer Strafe die Lektüre von „Alice im Wunderland“ nahe, ohne dass dies in der Folge noch einmal aufgegriffen würde. Erzählerisches Potential wird auch verschenkt, indem das Freundschaftsthema des Films nur sehr halbherzig und ohne Überzeugung behandelt wird. Die völlig unreife Treulosigkeit der vermeintlich besten Freundin in Amerika mag noch als komische Überspitzung kalifornischer Oberflächlichkeit gemeint sein. Wenn aber die neuen Kameradinnen sich beim ersten Anzeichen eines Verrats von Poppy abwenden, geschieht dies offenbar unter rein dramaturgischen Gesichtspunkten. Der faktische Beweis gilt hier mehr als Vertrauen und Verständnis, schließlich treibt er schneller und klarer die Handlung voran. Von Gespür für die Gefühlswelten der Figuren zeugt das nicht.

    Nick Moore hat bisher als Cutter gearbeitet, er war unter anderem für den Schnitt von Notting Hill, Tatsächlich Liebe und About A Boy verantwortlich. Erstaunlicherweise ist seine erste Regiearbeit besonders von Problemen mit Rhythmus und Timing geprägt. Die Lacrosse-Szenen etwa sind mit ihren eingeschnittenen Großaufnahmen überinszeniert, statt eines Gefühls für die Dynamik der ungewöhnlichen Sportart entsteht ein Eindruck von Hektik, der auf den Regisseur zurückfällt. Ansonsten ist die Inszenierung sehr konventionell und fällt höchstens durch die Vorliebe für Einstellungen von nackten Mädchenbeinen auf. Die obligatorische „Mädchen gehen in einen Laden und probieren Klamotten“-Sequenz ist selten sowohl modisch als auch filmisch so uninteressant geraten, sie ist weder schwelgerisch noch übermütig. Ähnlich wie dieser als reines Genrezitat daherkommende Bilderbogen wirkt auch die von Poppy angeführte Selbstanfeuerung des Lacrosse-Teams durch eine Cheerleading-Choreographie wenig überzeugend. Der Auftritt hat einen aufreizend-aggressiven Charakter. Alles Spielerische wird aufgegeben und das Team auf den Sieg eingeschworen. Auf ähnliche Weise können auch Moores Regie und der Film als Ganzes beschrieben werden: Unter Verzicht auf glaubhafte Zwischentöne und die Lockerheit der Abschweifung steuert „Wild Child“ auf sein zwangsläufiges „Happy“ End zu.
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