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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
0,5
katastrophal
Far Cry
Von Christoph Petersen
Der von Til Schweiger verkörperte Ex-Elitesoldat Jack Carver ist der bessere Bond. Wenn der Brite mit der Lizenz zum Töten mal wieder von 50 Gegnern umzingelt ist, darf sich das Publikum sicher sein, dass er nicht von russischen Kugeln durchsiebt wird. Bequemt sich der Agent im Auftrag ihrer Majestät dann zurückzuschießen, ist jeder Schuss ein Treffer. Doch das ist Kindergarten. Ballert Jack Carver zurück, muss er nämlich noch nicht einmal in die richtige Richtung zielen und dennoch fallen seine Widersacher wie vom Blitz getroffen um. Willkommen in der wunderbaren Welt von Dr. Uwe Bolls C-Movie-Actioner „Far Cry“, wo selbst den grundlegendsten Regeln der Physik und des Filmemachens keine Beachtung geschenkt wird. Aber was ist schon ein Videospiel mehr oder weniger, das von Deutschlands meistbeschäftigtem Regie-Export verhunzt wird? „House Of The Dead“, Alone In The Dark, Bloodrayne, Bloodrayne II: Deliverance, Postal, Schwerter des Königs – nach keiner dieser cineastischen Nullnummern ist die Welt untergegangen. Und das wird sie auch nach „Far Cry“ aller Voraussicht nach nicht, was so ziemlich das einzig Positive ist, das sich über diese spannungsfreie, schlecht inszenierte und mit an Dummheit kaum noch zu übertreffenden Dialogen unterlegte Computerspielverfilmung behaupten lässt.

Dr. Krieger (Udo Kier) entwickelt genmanipulierte Supersoldaten mit kugelfester Haut für das US-Militär. Dummerweise wird bei der Prozedur auch das Gehirn geschädigt, weshalb sich die Probanden in unkontrollierbare Killermaschinen verwandeln. Das findet Colonel Max (Ralf Moeller), der eigentlich auf die Laboratorien aufpassen soll, gar nicht gut und weiht deshalb seine attraktive Journalisten-Nichte Valerie (Emmanuelle Vaugier) in die Sache ein. Mit dem Boot von Skipper Jack Carver (Til Schweiger), einem ehemaligen Soldaten der Special Forces, will sie auf die geheime Forschungsinsel übersetzen, um selbst nach dem Rechten zu sehen. Dort angekommen, wird sie jedoch sofort von der Sicherheits-Kommandantin Tchernov (Natalia Avelon) in Empfang genommen. Jack, den nur sein Geld und er selbst interessieren, ist das zunächst einmal ziemlich schnuppe. Erst als sein Boot in die Luft gejagt wird, schaltet er sich ein. Gemeinsam mit Valerie und dem Koch Emilio (Chris Coppola) mischt er das hochgezüchtete Inselvolk ordentlich auf…

Bereits die ersten beiden Sätze des Films zerstören jegliche Lust auf die folgenden 94 Minuten: „Oh scheiße, ‘ne Wegfahrsperre. Jemand will nicht, dass wir hier wegkommen!“ Der Schnelldenker ist ein Soldat, der mitsamt seinen Weggefährten kurz darauf von einem Genkollegen zu Hackfleisch verarbeitet wird. Leider bleibt der Zuschauer bei diesem Gemetzel außen vor – das nächtliche Setting ist zu schlecht ausgeleuchtet, um wirklich etwas zu erkennen. Allerdings ändert auch das Aufgehen der Sonne an diesem Umstand relativ wenig. Die restlichen Actionsequenzen sind nämlich allesamt so schnell und unsinnig geschnitten, dass man selbst bei Tageslicht Probleme damit bekommt, den Prügelorgien zu folgen. Aber auch abseits dieser Erkenntnisproblematik funktioniert die Action einfach nicht. Trotz einiger prominent platzierter Kamerafahrten, die zwar ziemlich gewollt wirken, aber im Endeffekt zumindest okay sind, gelingt es Boll nicht, eine innere Spannung – geschweige denn eine innere Logik – in seine Sequenzen zu bekommen. Teilnahmslos betrachtet man das Treiben, entdeckt hier und da mal eine Idee, aus der eigentlich etwas hätte gemacht werden können, und langweilt sich ansonsten zu Tode.

Doch das Hauptproblem sind nicht die Actionszenen, die sind einfach nur öde. Viel schlimmer ist das, was dazwischen passiert. Zwar gibt es hier und da mal Ansätze brauchbaren Trashs, etwa die weiß angestrichenen Gensoldaten oder der Universalschlüssel für Handschellen, ansonsten bewegen sich Handlung und Dialoge aber in ärgerlichen Dimensionen. Til Schweiger wird über eine Insel gejagt und am Ende sind die Bösewichte hinüber – das ist alles. Sicherlich können solche minimalistischen Konzepte aufgehen, man denke nur an Stirb langsam, doch in „Far Cry“ kommt nie ein Gefühl von Enge oder Gefahr auf. Das liegt neben der schlechten Inszenierung auch an den beknackten Onelinern, die Jack Carver & Co. immer wieder von sich geben. Mit Bruce Willis‘ legendärem Ausspruch „Yippie Kai Yay, Motherfucker!“ kann natürlich keiner konkurrieren. Doch in „Far Cry“ sind die Kurzkommentare der Protagonisten so sinn- und schmerzfrei, dass Bolls Videospielverfilmung bei einer Top 10 der dämlichsten Sprüche 2008 mindestens neun der zehn Plätze sicher wären. Nebenbei gelingt „Far Cry“ noch das Kunststück, dass hier sogar die Gags unfreiwillig komisch sind – gelacht wird nicht über die platten Kalauer selbst, sondern bestenfalls über die Autoren, die sie verbrochen haben. Da wird sich dann wohl auch keiner mehr darüber aufregen, dass Boll die Handlung von einer Tropeninsel in die kanadischen Wälder verlegt hat.

Jack Carver hat Ähnlichkeiten mit Til Schweigers (Wo ist Fred?, Der rote Baron, Rache) vorheriger Rolle in dem Megaerfolg Keinohrhasen. In beiden Filmen spielt Schweiger einen misanthropischen Egoisten, der im Lauf der Handlung eines Besseren belehrt wird. Doch von dem Charme, den er in „Keinohrhasen“ zur Überraschung vieler so reichlich versprühte, ist in „Far Cry“ nichts mehr zu spüren. Mit Ausnahme einiger Ausrutscher ins Lächerliche (siehe Fazit) bleibt die Hauptfigur einfach nur blass. Ganz im Gegenteil zu den Auftritten des Sidekick-Kochs Emilio. Die dümmlichen Witzchen von Chris Coppola sind durch die Bank megapeinlich. Udo Kier (Grindhouse, Mother Of Tears) als Bösewicht, der ohne mit der Wimper zu zucken Menschenleben auslöscht, sich ansonsten aber vor allem für Malerei und Rotwein begeistert, und Ralf Moeller (Gladiator, Pathfinder, Postal) als Killermaschine mit Herz reißen ihr Klischeerollen – ohne groß gefordert zu werden – runter.

Dass Frauen im Ansehen von Uwe Boll nicht allzu hoch angesiedelt sind, zeigt schon der (legendäre!) Audiokommentar zu Alone In The Dark – immerhin zieht der Regisseur in diesem über seine Hauptdarstellerin Tara Reid her, nur weil sie in der Sexszene nicht ihren BH ausziehen wollte. Dieser Eindruck findet nun auch in „Far Cry“ Bestätigung. Die Frau des Bootsverleihers ist eine Zicke, die ihren Mann unterdrückt. Natalie Avelon (die Uschi Obermaier aus Das wilde Leben) gibt als brutale Kommandantin eine eiskalte Bitch. Und von Hauptdarstellerin Emmanuelle Vaugier (Saw II, Saw IV) will man gar nicht erst anfangen. Sie wird zwar als Superreporterin eingeführt, benimmt sich danach aber dumm wie Stroh und ist den ganzen Film hindurch einfach nur hilfloses Opfer. Nachdem Jack es ihr besorgt hat, ist sie erst mal zufrieden – ihr Job und der verschwundene Onkel sind plötzlich Nebensache. Wenn das wirklich Bolls Vorstellung einer intelligenten Erfolgsfrau ist – dann gute Nacht!

Fazit: Jack hat im Film schwer damit zu kämpfen, dass Valerie seine sexuellen Fähigkeiten nur mit läppischen zwei von zehn möglichen Punkten bewertet. Ein Schelm wer denkt, dass Boll hiermit auf seine Kritiker anspielt, die ihn seiner Meinung nach auch ständig ungerecht bewerten. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, war er in Bezug auf diese Kritik aber ziemlich optimistisch. „Far Cry“ bekommt einen Punkt und auf keinen Fall mehr – immerhin ist so ziemlich jeder Direct-to-DVD-Schrott mit Steven Seagal unterhaltsamer als diese megaöde Inselklopperei.
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