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Meine schöne Bescherung
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Meine schöne Bescherung
Von Christoph Petersen
In einer Umfrage nach dem Weihnachtsfilm schlechthin würde wohl Frank Capras James-Stewart-Klassiker It´s A Wonderful Life mit sicherem Vorsprung auf dem ersten Platz landen. Auf der Suche nach dem Anti-Weihnachtsfilm Nummer eins würde man kaum um Bob Clarks bitterböse Feiertags-Farce „A Christmas Story“ oder – etwas mehr up to date - Terry Zwigoffs Bad Santa herumkommen. Vanessa Jopps („Vergiss Amerika“, „Engel & Joe“, Komm näher) schwarzhumorige Familienkomödie „Meine schöne Bescherung“ ist nun irgendwo in der Mitte zwischen Entlarvung und Huldigung anzusiedeln. Zwar wird die porträtierte Patchwork-Familie zunächst bissig und ausdauernd auseinandergenommen, jedoch nur, um sie schlussendlich mittels seliger Weihnachtsgefühle noch enger zusammenzuschweißen. Doch trotz dieser etwas unentschlossenen Haltung kann der Film beinahe auf der ganzen Linie überzeugen. Ein herrlich aufgelegter Top-Cast wirft mit subtilen Spitzen und geschliffenen Sticheleien im Sekundentakt um sich, nur fehlt der etwas biederen Inszenierung schlussendlich ein wenig das Kinoformat.

Weihnachten steht vor der Tür. Und Jan (Heino Ferch) würde nichts lieber tun, als den Heiligabend im besinnlichen Kreise seiner zusammengewürfelten Familie, bestehend aus seiner Frau Sara (Martina Gedeck), deren Kindern aus drei früheren Ehen sowie seinem eigenen Sohn aus erster Ehe, zu verbringen. Aber Sara wartet mit ganz anderen Plänen auf. Sie hat alle Ex-Partner inklusive deren neuen Familien eingeladen. Die Schwiegermutter und ein paar Nachbarn vervollständigen die Megaparty. Selbstredend ist Jan von dem reichlichen Besuch wenig begeistert, doch nun ist es zu spät. Ein Abend voller Sticheleien und Gemeinheiten scheint unvermeidlich. Die größte Feiertagsüberraschung steht allerdings noch bevor. Nach den üblichen Reden verkündet Sara stolz, dass sie noch ein weiteres Kind – diesmal von Jan – erwartet. Dumm nur, dass sich dieser heimlich hat sterilisieren lassen und damit als Vater ausscheidet. Geschockt macht sich Jan daran, den wahren Samenspender ausfindig zu machen. Seiner Meinung nach kommen als Kandidaten nur Saras Ex-Ehemänner in Frage. Ein fulminantes Verwechslungsspektakel nimmt seinen unaufhaltsamen Lauf...

„Meine schöne Bescherung“ basiert auf der schwedischen Komödie „In Bed With Santa“ aus dem Jahre 1999. Und genau wie die skandinavische Vorlage nimmt nun auch das deutsche Remake „polynukleare Familienstrukturen“ (sprich: Patchwork-Familie) zur Weihnachtszeit nicht gerade besinnlich, sondern treffend, bissig und wunderbar böse aufs Korn. Mamas, Papas, Kinder, Verheiratete, Singles, Lesben, Schwule und Adoptiveltern kenianischer Waisenkinder – hier wird alles und jeder hemmungslos auf die Schippe genommen. Normalerweise soll man ja mit dem Anfang beginnen. Doch wenn man verrät, dass das Weihnachtsessen in „Meine schöne Bescherung“ in einer wilden Schlägerei inklusive einem sternhagelvollen Weihnachtsmann, einem extrastacheligen Kaktus und dem obligatorischen umstürzenden Weihnachtsbaum kulminiert, können sich Screwball-Erfahrene sicherlich leicht vorstellen, was da zuvor sonst noch alles abgegangen sein muss. Schleichend wird aus einem subtil stichelnden ein laut krachendes, gar nicht so weihnachtliches Weihnachtsfest. Und während die Protagonisten immer mehr an ihren undurchsichtigen Polystrukturen verzweifeln, amüsiert sich das Publikum königlich.

Die Besetzung der Ensemble-Komödie ist nicht nur auf dem Papier erstklassig, sondern beweist auch auf der Leinwand ein nahezu unerschöpfliches Maß an Spielfreude. Allen voran natürlich Martina Gedeck, die spätestens seit ihrem Auftritt als Bella Martha zu den ganz großen deutschen Schauspielerinnen gehört und diesen Ruf zuletzt mit ihren Rollen in dem Oscar-Gewinner Das Leben der Anderen und Robert De Niros Der gute Hirte noch weiter untermauern konnte. Die positivste Überraschung des Films bleibt aber ein überragender Heino Ferch (Lola rennt, Ghetto) – einst zum deutschen Bruce Willis hochstilisiert, legt der einstige Actionheld hier nicht zu erahnende, herrlich selbstironische Comedy-Talente an den Tag. Daneben sorgen solche Namen wie Jasmin Tabatabai (Fremde Haut) als kühler Vamp, Meret Becker (Urlaub vom Leben) als verzweifelte Ehefrau mit akutem Modeproblem, Bjarne Mädel („Stromberg“, Die Könige der Nutzholzgewinnung) als Weihnachtsmann mit kenianischem Adoptivbaby und Ex-„Verliebt in Berlin“/„GZSZ“-Star Alexandra Neldel als bisexuelle Superzynikerin für beste Screwball-Unterhaltung. So bleibt die einzig nennenswerte Schwäche des Films, dass er sich inszenatorisch nicht deutlich genug vom Fernsehfilm der Woche abhebt – bei einer so temporeichen und unterhaltsamen Komödie aber sicherlich ein zu verzeihender Mangel.

Fazit: „Meine schöne Bescherung“ ist eine ebenso spritzige wie schwarze Weihnachtskomödie, die mit einer gut gelaunten A-Liga-Besetzung und schnittigen Dialogduellen aufwartet, es aber an einer formatfüllenden Inszenierung vermissen lässt.
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