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City of Ember - Flucht aus der Dunkelheit
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
City of Ember - Flucht aus der Dunkelheit
Von Daniel Jacobs
Fast protzig wirbt das DVD-Cover von „City Of Ember" mit einem Budget von 55 Millionen Dollar. Doch Walden Media sollte sich hüten, mit dieser Summe hausieren zu gehen - spielte das Fantasy-Abenteuer weltweit doch bloß läppische 18 Millionen Dollar ein. Dabei feierte das Produktionsstudio mit den „Die Chroniken von Narnia"-Filmen bereits große Erfolge. Umso wunderlicher wirkt die gescheiterte Vermarktung von „City Of Ember". Schließlich ist Gil Kenans Realfilm-Debüt, das auf der ersten Geschichte von Jeanne DuPraus Jugendbuch-Reihe basiert, keineswegs langweilig oder uninteressant und bietet mit der aufstrebenden Saoirse Ronan sowie Bill Murray und Tim Robbins in Nebenrollen eine tolle Cast-Mischung. Allerdings fordert die philosophisch-politisch angehauchte Adaption ihr junges Zielpublikum gehörig heraus - unkomplizierte Action-Unterhaltung oder gar das ganz große Abenteuer bietet „City Of Ember" nicht.

In einer düsteren Zukunft sehen Forscher nur noch eine einzige Überlebenschance für unsere Spezies: Die Erschaffung einer unterirdischen Stadt namens Ember. Dieser Ort soll, so der Plan, über zweihundert Jahre sicher isolieren. Dann wird sich eine verschlossene Metallschatulle öffnen und den Bewohnern den Weg zurück an die Oberfläche eröffnen; wie auch immer diese dann aussehen mag. Doch das Relikt geht verloren, so wie verschiedenste Teile moderner Technik. Die Ausfälle des überlebenswichtigen Generators im „Herzen" Embers mehren sich - und damit die Gefahr immerwährender Dunkelheit. Der junge Doon (Harry Treadaway) meint zu wissen, wie der Generator repariert werden könnte. Er und Lina (Saoirse Ronan), die als Nachfahrin eines Bürgermeisters unwissentlich in den Besitz einer gewissen Schatulle gelangt ist, machen sich auf die Suche nach einem Ausweg aus der drohenden Katastrophe...

Der Spaß am postapokalyptischen Fantasy-Abenteuer „City Of Ember" wird vor allem durch ein Problem getrübt: Der Film erhält aufgrund der miserablen Einnahmen wohl kein Sequel und ist für sich genommen schlicht zu kurz. Nach nur 89 Minuten wird die Geschichte um die Suche nach einem Weg aus der ewigen Dunkelheit zwar recht ordentlich zu Ende gebracht. Wie das Volk von Ember von nun an mit der neu geschaffenen Situation umgehen wird, bleibt allerdings völlig offen. Auf den ersten Teil von Jeanne DuPraus Ember-Saga folgten schließlich noch drei Fortsetzungen.

Der israelisch-amerikanische Regisseur Gil Kenan („Monster House") hat einen überraschend düsteren Film inszeniert. Das Motiv der verworrenen, fast unheimlichen Parallelwelt Ember verdeutlicht, dass nicht mit dem harmlosen Sonntagnachmittag-Ambiente kindgerechter Fantasy-Filme kalkuliert wird - hier dürfte ein erwachsenes Publikum deutlich involvierter sein. An Platons Höhlengleichnis erinnernd klammert sich die Bevölkerung Embers an das, was ihr seit Generationen vertraut ist und was ihr zwielichtiger Bürgermeister Cole (Bill Murray, „Ghostbusters") ihnen predigt: Ember, das „einzige Licht in einer finsteren Welt".

Aus dem Cast hervorstechen kann vor allem Saoirse Ronan. Für „Abbitte" oscarnominiert, mausert sich die 1994 geborene Irin (zuletzt in Peter JacksonsIn meinem Himmel") langsam zu einem aufkommenden Star am Schauspielhimmel. Während ihr unbekannter Partner Harry Treadaway nur wenig abfällt, überzeugen die Altmeister Bill Murray und Tim Robbins („Die Verurteilten", „Mystic River") hier kaum. Murray steht die Rolle eines Sektenführer-Bürgermeisters mit dunklem Geheimnis einfach nicht besonders. Tim Robbins Auftritte sind kurz, nicht sonderlich einprägsam und erinnern zu sehr an seine irrsinnige Darstellung in „Krieg der Welten".

Hingegen unterhält die atmosphärisch dichte Reise des Protagonistenpaares bestens. Einige Action-Szenen muten zwar mitunter wie ungeschickte und wenig nervenaufreibende Versuche einer „Indiana Jones"-Imitation an, langweilig wird es aber nie. Visuell hat „City Of Ember" einiges zu bieten, bleibt aber nicht immer stilsicher. Das Ember-Set kann sich wirklich sehen lassen - die CGI (Stichwort: Maulwurf) dagegen nicht. Die Effekte haben stellenweise mehr die Qualität betagter Videospiel-Zwischensequenzen als die einer zeitgemäßen Hollywood-Produktion.

Fazit: „City of Ember" ist ein überdurchschnittlich unterhaltsamer Abenteuer-Film mit einer spannenden Prämisse, dessen Figuren- und Story-Entwicklung leider unter der kurzen Laufzeit leidet. Kenan inszeniert zwar nicht so flott wie mancher Genre-Kollege, dafür punktet seine herausfordernde Kinderbuch-Adaption über ihr dystopisches Setting mit wesentlich mehr Tiefgang.
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