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    Warcraft: The Beginning
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Warcraft: The Beginning
    Von Björn Becher
    Auch wir bei FILMSTARTS haben uns schon das ein oder andere Mal negativ über unsinnige Zusatztitel deutscher Verleiher mokiert, doch es geht auch einmal andersherum. Selten war eine Erweiterung des Originaltitels so treffend und perfekt gewählt wie im Fall der Adaption der Computerspielreihe „Warcraft“, die in Deutschland und einigen anderen Ländern noch ein zusätzliches „The Beginning“ verpasst bekam. Denn „Warcraft: The Beginning“ ist wirklich nur der Anfang: Wenn Duncan Jones‘ optisch bombastisches Fantasy-Action-Abenteuer nach fast zwei Stunden Laufzeit einen zutiefst menschlichen oder genauer gesagt „orcischen“ Schlüsselmoment und damit einen wirklich emotionalen Höhepunkt erreicht, wird damit zwar ein hochspannender Konflikt eingeleitet. Aber zu Ende geführt wird er eben nicht mehr, denn wenige Minuten später folgt bereits der Abspann und der neugierig gewordene Zuschauer kann nur hoffen, das weitere Geschehen in etwaigen Fortsetzungen verfolgen zu können. Hier geht es zunächst hauptsächlich darum, die Warcraft-Kinowelt zu etablieren und jede Menge Figuren einzuführen, Spannung und Gefühl bleiben dabei entsprechend noch etwas auf der Strecke. Ein actionreiches Vergnügen ist „Warcraft: The Beginning“ (auch in sehr gutem 3D!) dank des durchweg hohen Tempos trotzdem …

    Da das Land der Orcs nicht mehr bewohnbar ist, errichtet ihr mächtiger Schamane Gul’dan (Daniel Wu) ein von der Lebenskraft gefangener Feinde betriebenes Portal in eine andere Welt. Dies durchschreiten die besten Krieger aller Orcstämme unter dem Kommando des unerbittlichen Schwarzfaust (Clancy Brown), um das friedliche Azeroth als neue Heimat für die Orcs zu erobern. Dort erreichen Menschenkönig Llane (Dominic Cooper) immer grausigere Schreckensbotschaften von überrannten Dörfern, bald richtet sich alle Hoffnung der bedrohten Bevölkerung auf den mächtigen Wächter Medivh (Ben Foster). Der junge Magier Khadgar (Ben Schnetzer) und Llanes bester Krieger Anduin Lothar (Travis Fimmel) nehmen die Dinge unterdessen selbst in die Hand: Sie fangen die den Menschen ähnelnde und daher von ihresgleichen nicht akzeptierte Orc Garona (Paula Patton) und erfahren von ihr, dass Gul’dan plant, das Portal mit dem Leben der bezwungenen Bewohner von Azeroth  erneut zu öffnen, um alle anderen Orcs nachzuholen. Khadgar und Lothar wollen das Tor zerstören, bevor es zu einem neuen Blutbad kommt - und ausgerechnet ein Orc könnte ihnen dabei helfen: Der ehrenvolle Häuptling Durotan (Toby Kebell) erkennt, dass Gul’dans Magie auch diese neue Welt ein für alle Mal zerstören wird…


    Als Duncan Jones („Moon“, „Source Code“) das seit Jahren mit unterschiedlichen Beteiligten entwickelte Projekt „Warcraft“ übernahm, soll er erst einmal darauf gedrängt haben, dass es nicht in erster Linie um die Menschen gehen soll, sondern ebenso sehr um die Orcs – beide Seiten sollten gleichberechtigt sein. Das ist ein nachvollziehbarer Wunsch, schließlich konnte  der Spieler schon zu Beginn des Erfolgsfranchise mit „Warcraft: Orcs & Humans“ 1994 auswählen, welche Seite er zum Sieg führen will. Da die Prämisse des Films vor allem auf diesem ursprünglichen Game (und weniger auf dem seit 2004 laufenden Onlinespiel-Mega-Erfolg „World Of Warcraft“) basiert und zudem viele Elemente aus den Büchern zur Reihe übernommen wurden, sollte es auch dem Kinozuschauer freistehen, seine Sympathien nach eigenem Gutdünken zu verteilen. Das wäre dann tatsächlich eine willkommene Abkehr von den genreüblichen Rollenzuschreibungen, bei denen das Fremde, Ausländische und Dunkle meist ganz automisch mit einer Bedrohung gleichgesetzt wird. Allerdings setzt Jones sein Vorhaben nicht ganz konsequent um. Abgesehen von rund einer Handvoll Figuren sind die Orcs am Ende doch eine Masse fremder Invasoren, ihre internen Konflikte und Streitigkeiten gehören zu den zahlreichen Handlungssträngen, die hier nur angerissen werden und erst in Fortsetzungen so richtig zum Tragen kommen könnten. Allerdings gilt ähnliches auch für die Menschenseite: Dass etwa die anderen Königreiche sich nicht hinter König Llane scharen, bleibt eine beiläufige Nebeninformation.

    Bei dem immensen Tempo, das Duncan Jones anschlägt, bleibt allerdings auch gar keine Zeit, einen Konflikt mal richtig zu vertiefen. Nach der kurzen Einführung bei den Orcs, die im Vergleich zum Folgenden fast schon entschleunigt wirkt, geht es Schlag auf Schlag: Zahlreiche Figuren und Schauplätze folgen einander in so rasantem Wechsel, dass nur Hardcore-Fans alles sofort einordnen können, während unbefleckte Neueinsteiger erst mal nur Bahnhof verstehen. Das Spektakel „Warcraft: The Beginning“ erschließt sich dagegen jedem sofort, so werden Orte wie die Wolkenstadt Dalaran oder das in vereisten Bergen gelegene Eisenschmiede nur kurz aufgesucht, doch das reicht, um das Publikum nach mehr gieren zu lassen. Immer wieder begeistern Duncan Jones und sein Kameramann Simon Duggan („The Great Gatsby“) mit eindrucksvollen Panoramaschwenks über Städte und Landschaften oder mit virtuosen Fahrten durch Orcmassen. Mit viel Liebe zum Detail, wie zum Beispiel bei den unterschiedlichen Kampfinsignien und Schmuckstücken der Orckrieger, sorgen sie dafür, dass vor den Augen des Zuschauers wirklich eine fantastische Welt entsteht.

    Die Orcs sind ohnehin ein Prunkstück des Films. Die größtenteils per Motion-Capture-Verfahren zum Leben erweckten Krieger wirken schlicht gigantisch, ihre riesigen Körper und ihre beeindruckenden Muskeln werden immer wieder wirkungsvoll ins Bild gerückt. Dabei spielen die Filmemacher mit den Größenverhältnissen und setzen die Orcs geschickt in Relation zu den im Vergleich geradezu schmächtigen Menschen. Das ergibt vor allem in den Schlachten eindrucksvolle Aufnahmen und wenn die mächtigen Orcwaffen auf die Schilder der Menschen krachen, meint man im Kinosessel zu spüren, wie der Boden bebt. Ansonsten verläuft das Kampfgetöse weitgehend in vertrauten Fantasy-Bahnen (wenn man einmal von den WoW-Spielern allerdings hinreichend bekannten Pistolen der Menschen absieht) – ganz nach dem schlichten Motto „Mehr Kraft gegen mehr Cleverness“. An den epischen Sog einer „Herr der Ringe“-Trilogie kommt „Warcraft: The Beginning“ daher bei weitem (noch) nicht heran, dem steht auch entgegen, dass hier Figuren wiederholt innehalten, um mitten im Schlachtengetümmel „bedeutsame“ Dialoge auszutauschen, während die Widersacher in dieser Zeit freundlicherweise von ihnen ablassen. Das wirkt nicht episch, sondern bisweilen unfreiwillig komisch.

    Mag „Warcraft: The Beginning“ erzählerisch vor allem Stückwerk sein, rein inszenatorisch spielt Duncan Jones in der obersten Blockbuster-Liga mit. Wie der Regisseur und sein Team etwa den Einsatz von Magie visualisieren (vor allem der mysteriöse Einsiedler Medivh tut sich da mit seinen Schutzzaubern hervor), das ist ebenso spektakulär wie sinnfällig: Statt ein oberflächliches Effektgewitter zu entfachen, integriert Jones die magischen Fähigkeiten organisch in seine Fantasy-Landschaften, aber auch in die Handlung: Da geht es dann nicht mehr nur darum, zu zeigen, was man kann, sondern auch ganz unmittelbar und dramatisch um die Folgen des Zaubers, etwa wenn sich einige Figuren plötzlich auf verschiedenen Seiten einer Schutzwand wiederfinden. Hier kommt dann auch eine echte Dramatik in den Film, die ihm sonst oft fehlt. In der Figur Garona etwa, die weder zu den Orcs noch zu den Menschen richtig gehört und die trotzdem auf beiden Seiten eine Heimat sucht, ist zwar ein zentraler Konflikt angelegt, aber der bleibt trotz der großartigen Paula Patton über zu weite Strecken reine Behauptung. Daneben stechen aus dem Cast Travis Fimmel („Vikings“) als Krieger, der sichtbar schon einiges erlebt hat, und vor allem der wandelbare Ben Foster („The Program“) als Medivh heraus. Foster bringt die Zerrissenheit des Sonderlings glaubhaft rüber, auch wenn der weitere Weg der Figur schon bei seinem ersten Auftritt – übrigens eine der ganz seltenen humorvolleren Szenen – absehbar ist.

    Fazit: Temporeicher und bildgewaltiger Auftakt für ein neues Fantasy-Franchise mit Luft nach oben für die Fortsetzungen…

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