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Punisher: War Zone
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,0
schlecht
Punisher: War Zone
Von Jan Hamm
Die Katze ist aus dem Sack: Sam Raimi wird einen vierten Teil seiner sensationell erfolgreichen Spider-Man-Reihe inszenieren. Gegen wen der Spinnenmann dieses Mal zu Felde zieht, ist derweil noch streng geheim. Marvels Schurkenarsenal ist gewaltig, an möglichen Widersachern besteht wahrlich kein Mangel. Lediglich ein potentieller Gegenspieler scheidet bereits aus – Frank Castle, besser bekannt als der Punisher. Der rabiate Gangsterschreck tauchte zunächst als Konkurrent des Titelhelden in „Spider-Man“-Heften auf, später widmete Marvel ihm dann eine eigene Reihe. Anders als populäre Helden der Comic-Schmiede wie die X-Men oder der Iron Man bietet der gefühlskalte Selbstjustizler Castle allerdings kaum Identifikationspotential. Dennoch schaffte er es bereits zwei Mal auf die Leinwand. Beide Filme waren finanzielle und intellektuelle Flops. Für Regisseurin Lexi Alexander (Hooligans) ist die Sache klar: Der Punisher ist brutal, die Filme nicht - das kann ja nicht funktionieren. Mit „War Zone“ rückt sie diesen vermeintlichen Missstand gerade und liefert ein höllisches Schlachtfest für feucht-fröhliche Männerabende ab. In nüchternem Zustand betrachtet ist „War Zone“ aufgrund lächerlicher Figuren, eines strohdummen Plots und der widerwärtigen „Moral“ des Punishers kaum zu ertragen.

Frank Castle (Ray Stevenson) ist voller Grimm. Marodierende Gangster nahmen ihm einst Frau und Kind, seitdem zieht er als selbsternannter Punisher durch die Lande und massakriert alles, was ihm auch nur ansatzweise kriminell vorkommt. Bei einem Routine-Einsatz gegen ein Mafiakartell holt ihn einmal mehr das Pech ein. Versehentlich erschießt er einen Cop und ist zur Flucht gezwungen, bevor er sein Werk am Möchtegern-Paten Billy Russoti (Dominic West, 300) vollenden kann. Schwer verstümmelt erwacht Russoti, ernennt sich kurzerhand zum Überschurken Jigsaw und schwört grausame Rache. Gerade hat Angela Donatelli (Julie Benz, John Rambo, Saw 5, serie,6), die Witwe des toten Cops, Franks Bußgesuche abgeschmettert, da kreuzt auch schon Jigsaw auf und entführt sie samt ihrer kleinen Tochter. Im Schutz einer angeheuerten Privatarmee erwartet Russoti den Punisher. Doch er hat sich mit dem Falschen angelegt...

Der Punisher ist nicht zu bremsen. Mit der einen Hand metzelt er ganze Heerscharen von Übeltätern nieder, mit der anderen malträtiert er sein Publikum. „War Zone“ hat zahlreiche Defizite, der zentrale Schwachpunkt ist aber seine Hauptfigur. Dass deren plumpes Massenmorden ständig moralisch gedeckt wird – es trifft ja bloß die bösen Buben – reicht bei weitem nicht aus, um einen Bezug zum einsilbigen Frank Castle zu ermöglichen. „War Zone“ beginnt mit einem Gemetzel, das Blutbad muss als Exposition herhalten. Vorgestellt wird eine kompromisslose Figur, deren pulsierender Mordinstinkt die einzig nennenswerte Charaktereigenschaft zu sein scheint. Wenn Alexander ihren Protagonisten am Grab seiner Familie kollabieren lässt, ist dies nur eine fadenscheinige Pflichtübung und kein ernsthafter Versuch Frank Castle zu erden. Weitere Einsicht in das Innere der Figur gibt es nicht, eine nachvollziehbare menschliche Dimension wird ihr verweigert.

Es ist nicht per se verwerflich, einen kaltblütigen Killer zum Protagonisten zu erheben. Der US-Erfolgsserie serie,6 etwa gelang es, ein reflektiertes und enorm ambivalentes Porträt eines Serienmörders zu zeichnen. Besonders die schrittweise Konfrontation Dexters mit den ihn prägenden Traumata und mit seiner mörderischen Obsession verlieh dem gewagten Konzept Tiefgang. Auch Castle wurde durch eine Trauma-Erfahrung zum Punisher. Doch die verkommt in „War Zone“ zur perfiden Rechtfertigungsklausel. Wenn der Vigilant im Filmverlauf zum Schutz der Witwe antritt, dann nicht, weil er mit seiner Menschlichkeit ringt – sondern schlicht und ergreifend, weil er damit den Lapsus des Polizistenmordes auszugleichen sucht. Der Punisher wäscht seine Weste rein, um weiterhin glorreich durch die Welt morden zu können.

Ohne einen Hauch von Ironie ziehen Regisseurin Alexander und ihre vier Drehbuchautoren das ärgerliche Charakterkonzept durch. Und wie vor ihm bereits Dolph Lundgren und Thomas Jane (The Punisher), hat auch Ray Stevenson keine Chance, Frank Castle Leben einzuhauchen. Als wortkarger Krieger und Clive Owens Sidekick in King Arthur wusste er noch zu gefallen. Hier schaltet er spätestens nach seinem Friedhofzusammenbruch auf Autopilot, ob mit einer Kugel, seiner Faust oder einem Stuhlbein – Hauptsache, ein weiterer Schädel wird zerschmettert.

Von ganz anderem Kaliber sind da Castles Gegenspieler. Eigentlich müsste der Punisher Billy Russoti gar nicht ermorden, gestraft ist der schon genug. Nach seinem unglücklichen Sturz in eine Altglasmühle, deren Folterwert auch Saw-Killer Tobin Bell nicht überbieten könnte, ersteht er als Frankenstein-Lookalike Jigsaw wieder auf, eine Namensgebung, die zeigt, was die Macher unter Humor verstehen. Zur Seite steht Russoti sein kannibalischer und irre gackernder Bruder Looney Bin Jim (Doug Hutchinson, Ich bin Sam), der wie ein Flummi durch die Gegend hüpft. West und Hutchinson tun das Einzige, was ihnen übrigbleibt und ziehen die dämlichen und keineswegs bedrohlichen Figuren mit groteskem Overacting ins Lächerliche.

Als dreckiger B-Thriller hätte „War Zone“ durchaus Potential gehabt. Die Shootouts sind zwar zusammengeklaut – besonders arg traf es den Genre-Kollegen Hitman, aus dem gleich ganze Kampfchoreographien übernommen werden -, aber immerhin nett anzusehen. Vor allem die urbanen Sets mit ihren Anklängen an Film Noir und Industriekultur besitzen atmosphärische Qualitäten. Schade, dass sich die aufkeimende Stimmung nie entfalten kann, sondern von den banalen Figuren und den hölzernen Dialogen gleich wieder konterkariert wird. Als ob das nicht ärgerlich genug wäre, feiert „War Zone“ eine abstruse Logik der Gewalt, die gegen Ende mit einem ekelhaft prätentiösen Bild untermauert wird: Vor der leuchtenden „Jesus Saves“-Parole auf einer Kirchenwand darf der Punisher einen letzten irregeleiteten Obdachlosen in die ewigen Jagdgründe befördern. Dass Spider-Man einst zum Kampf gegen diesen Zynismus angetreten ist, leuchtet ein. Wie schön, dass sein viertes Leinwandabenteuer von dieser Figur verschont bleiben wird.
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