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Mein Schatz, unsere Familie und ich
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Mein Schatz, unsere Familie und ich
Von Christian Horn
Pünktlich zum Fest der Liebe dürfen die besinnlichen bis heiteren, romantischen bis kitschigen Weihnachts-Filme aus Hollywood natürlich nicht fehlen. Vergangenes Jahr war das zum Beispiel Verwünscht oder Mr. Magoriums Wunderladen. Diesen Dezember werden mit Vince Vaughn und Reese Witherspoon zwei angesagte Stars aus der Traumfabrik ins Rennen geschickt, um im Windschatten der vorweihnachtlichen Besinnlichkeit zu unterhalten. Die romantische Komödie „Mein Schatz, unsere Familie und ich“ vertraut dabei auf die altbewährte RomCom-Dramaturgie: Ein Traumpaar findet sich (hier sehr schnell), wird auf eine harte Probe gestellt (der Besuch bei den Schwiegereltern), zerbricht und – ja, richtig – am Ende kommt doch alles ganz anders. Das zu verraten ist kein Problem, schließlich ist es ein landläufig bekannter Topos; eben einer, auf den man bauen kann. Der umständliche deutsche Verleihtitel, der auffällig und plump an die überaus erfolgreichen und thematisch verwandten Meine Braut, ihr Vater und ich und Meine Frau, ihr Schwiegervater und ich anspielt, ist dabei deutlich weniger treffend als der Originaltitel: „Four Christmases“.

Vier Weihnachtsfeiern sind es nämlich, zwischen denen die Protagonisten ihre Entwicklung durchlaufen. Eigentlich wollen Brad (Vince Vaughn, Voll auf die Nüsse) und Kate (Reese Witherspoon, Walk The Line), ein glückliches Pärchen Mitte dreißig aus San Francisco, das anstehende Weihnachtsfest ohne ihre Eltern beziehungsweise Schwiegereltern feiern. Unter einem hanebüchenen Vorwand haben sie bereits abgesagt. Selbst der Cluburlaub auf den Fidschis ist schon gebucht. Dumm nur, dass alle Flüge storniert werden und ein TV-Kamerateam das Paar auf dem Flughafen live dazu interviewt. Keine fünf Minuten vergehen, bis die Eltern anrufen und ihre Kinder zur Weihnachtsvisite auffordern. Da hilft kein Rausreden mehr, da müssen sie jetzt durch. Weil beide Elternpaare geschieden sind, stehen gleich vier Festivitäten auf dem Plan. Jede Menge Holz, zumal keiner der Verwandten richtig tickt. Jeder einzelne hat auf seine eigene Art einen deftigen Sprung in der Schüssel…

Regisseur Seth Gordon („The King Of Kong“), der mit „Mein Schatz, unsere Familie und ich“ seinen ersten abendfüllenden Kino-Spielfilm vorlegt, präsentiert im Verlauf der Handlung ein wahres Sammelsurium an schrulligen Gesellen, von denen manche sogar richtig komisch sind. Zum Beispiel Brads Vater, der von Alt-Star Robert Duvall (Der Pate) mit viel Enthusiasmus gespielt wird. Er gibt den militärfetischistischen US-Durchschnittsrepublikaner sehr zurückhaltend und dennoch effektiv. Andere markante Charaktere sind Brads muskulöse Brüder, die als Cage-Fighter ihren Unterhalt verdienen, Brads spirituelle Öko-Mutter (Sissy Spacek, JFK), die mit dem ehemals besten Freund des Sohnes zusammen ist, und Kates Mutter, die zwischen christlicher Gottesgläubigkeit und sexueller Laszivität changiert. Einzig Kates Vater (Jon Voight, Mission: Impossible, der ganz am Ende seinen Auftritt hat, ist ein recht normaler, verständnisvoller und liebenswerter Typ.

„Versprich mir, dass wir nach diesem Tag immer noch zusammen sind“, bittet Kate ihren Brad, als sie mit dem Auto unterwegs zum ersten Weihnachtsfest sind. Und in der Tat: Auf den einzelnen Feiern kommen teils unangenehme Wahrheiten über den Partner heraus und ohne Streit läuft es auch nicht ab. In erster Linie dienen die schrulligen Familien aber der absurden bis aberwitzigen Unterhaltung. Sie bedienen jene Art von Komik, die sich einstellt, wenn Figuren ins absolute, sich immer weiter steigernde Chaos geschmissen werden. Der eigentliche Konflikt des Films manifestiert sich aber zwischen Kate und Brad - und zwar aus der Konstellation der beiden heraus und nicht durch von außen auferlegte Prüfungen. Zu Beginn werden die gemeinsamen Zukunftsvorstellungen der beiden in einer prägnanten Szene auf den Punkt gebracht: Das Paar ist sich einig darin, ohne Trauschein und ohne Kinder glücklich zu sein. Keinen Nachwuchs zeugen, sondern sich um die eigenen Belange kümmern – so haben die beiden es festgelegt und so soll es sein. Doch schon beim ersten Weihnachtsbesuch des Paares deutet sich ein Wandel an.

Der Film verdeutlicht das unter anderem dadurch, dass Kate ihren Brad liebevoll betrachtet, als dieser in Zeitlupe und mit einem Baby auf dem Arm durchs Bild schlendert, wobei Musik Besinnlichkeit evoziert. Ganz klar, Kate betrachtet ihren Liebsten ganz unvermittelt als potentielle Vaterfigur. Szenen, die Kates aufkeimenden Kinderwunsch thematisieren, wiederholden sich gleich mehrmals. Ob das Paar in einer Kirchenaufführung den Josef und die Maria gibt oder Kate einen zufällig vorgefundenen Schwangerschaftstest macht: Nach und nach kristallisiert sich heraus, dass Kate ihrer alten Ideale zum Trotz ein Kind haben möchte. Als sie Brad darauf anspricht, fällt dieser aus allen Wolken. Was dem Betrachter stückweise klar gemacht worden ist, erwischt ihn völlig unerwartet. Und da haben wir ihn, den wesentlichen Konflikt des Films. Der Rest ist Formsache.

Seth Gordon inszeniert diesen Konflikt (oder zumindest dessen Genese) recht feinfühlig. Dabei sorgen vor allem die grundverschiedenen, aber alle auf ihre Art durchgeknallten Familien für den einen oder anderen Lacher. Ebenfalls - zumindest in den meisten Fällen - ohne zu dick aufzutragen. Was der Film indes nicht nötig gehabt hätte und was ihm letztlich einen faden Beigeschmack verleiht, ist die strikte Einhaltung der typischen Romantic-Comedy-Struktur. Hier hätte Gordon – erster Spielfilm hin oder her – etwas wagen sollen. Denn so geht man mit dem Gefühl aus dem Kino, dass alles schon mal gesehen zu haben. Und zwar mehr als einmal.
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