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    Dot.Kill
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Dot.Kill
    Von Christoph Petersen
    Nach dem 11. September 2001 sind Globalisierungsgegner als potentielle Terroristen doch ein wenig in Vergessenheit geraten. Auch wenn noch immer jeder G-8-Gipfel eines gigantischen Polizeiaufgebots bedarf, sind Öko- und Wirtschaftsterroristen aus Kino und Genrefilm nahezu komplett verschwunden. Man könnte es also fast schon als erfrischend bezeichnen, dass sich Regisseur John Irvin für seinen Thriller „Dot.Kill“ ausgerechnet einen Killer auserwählt hat, der den hochansteckenden und großen Schaden anrichtenden Börsenvirus durch das Töten von Konzernbossen auszurotten versucht. Leider ist Irvins Blick auf dieses Sujet nicht einmal halb so progressiv wie die Auswahl des Themas selbst – so verfällt „Dot.Kill“ trotz einem durchaus annehmbaren Spannungsniveau zu sehr in seine nervend-patriotische Cowboy-Weltsicht, in der die ignoranten alten Cops zwar von nichts eine Ahnung haben, aber stets dafür gefeiert werden, wenn sie den bösen Jungs aufs Ausgiebigste die Fresse polieren.

    Der Chef eines großen Börsenunternehmens wird in einer Fabrik angekettet erschossen – und mehr als zwei Millionen Internet-User sehen dabei zu. Weil der Killer auf seiner Homepage Anti-Globalisierungs-Sprüche klopft, wird Cop Charlie Daines (Armand Assante, Das schnelle Geld) und seinem Partner Harwell (Sonny Marinelli) der im Rollstuhl sitzende Computerexperte Adam (Raffaello Degruttola) als Unterstützung zugewiesen. Trotzdem folgen bald weitere Morde – und irgendwann befinden sich unter den Opfern nicht mehr nur Börsenmillionäre, sondern auch eine persönliche Bekannte von Charlie, die Schlinge um den Hals des Ermittlers zieht sich immer enger zusammen. Blöd auch, dass der erste Hauptverdächtige Thadeus Moore (Jason Lake), der durch die als Reaktion auf die Mordserie fallenden Aktienkurse ein Vermögen verdient hat, mit zwei Gipsbeinen ans Bett gefesselt ist…

    Charlie Daines ist auf den ersten Blick der typische Old-School-Film-Cop – ein eigenbrötlerischer und knallharter Ermittler, der seine Familie zu schützen versucht und sich beim Kampf für das „Gute“ auch selbst über das eine oder andere Gesetz hinwegsetzt. Es gibt aber zwei Punkte, an denen dieses mittlerweile komplett ausgelutschte Image zumindest im Ansatz gebrochen wird: So ist Daines kurz davor, einem tödlichen Krebsleiden zu erliegen. Um die Schmerzen mittels Drogen unter Kontrolle zu bekommen, muss er sich ausgerechnet an jenes Milieu wenden, dass er sein ganzes Leben lang bekämpft hat – aber so richtig traut sich „Dot.Kill“ dann doch nicht in diese Richtung, wählt er mit der Dealerin Jane (Morven Christie) doch ausgerechnet ein Mädchen, das von Daines bereits geläutert wurde. Auch dass Daines einen Fall zu lösen hat, von dessen Hintergründen er nicht die geringste Ahnung hat, schabt am Heldenimage des harten Mannes – wobei es im Endeffekt natürlich doch wieder Charlies altbackenen Methoden sind, die zu Erfolgen führen. Auch wenn sie immer wieder Rückzieher macht, hat die Autoren-Garde es hier zumindest versucht, interessante Facetten zu streifen.

    Ist der Haupt-Protagonist für einen Direct-to-DVD-Thriller noch ungewöhnlich sorgfältig gezeichnet, schwankt der Umgang des Films mit seinen Themen zwischen unfreiwillig komisch und wirklich ärgerlich. So ist es zum Beispiel unnötig lächerlich, wenn Dateien, die gerade vom Terroristen gelöscht werden, auf den Bildschirmen der gerade arbeitenden Agenten zerplatzen. Und wenn ein so genannter Experte ungelenk die Entwicklung der Globalisierung zusammenfasst, die oberflächlichen Fakten von Seattle bis Genua aufzählt und von militanten Splittergruppen faselt, beschleicht den Zuschauer das eigenartige Gefühl, dass die Drehbuchautoren sich diesem Thema mit einer maximal fünfminütigen Google-Session angenähert haben.

    Wo die Einführung von Charakteren und Fall noch recht ausführlich und stimmig geraten ist, wird die Ermittlungsarbeit in der letzten halben Stunde leider ein wenig beliebig und alles in allem zu sehr vom Zufall bestimmt. Trotzdem sind Figuren- und Themenauswahl, auch wenn die Drehbuchautoren bei weitem nicht jede Karte voll auszuspielen vermögen, insgesamt doch ausgesprochen ansprechend und interessant. Auch wenn das geübte Thriller-Publikum den Killer nach allerspätestens der Hälfte der Spieldauer ausgemacht haben sollte, funktioniert „Dot.Kill“ doch die meiste Zeit über als durchaus spannende Tatort-Variante, deren stark konservative und übermäßig naive Sicht auf Globalisierung und Internet das Krimivergnügen aber doch merklich trübt.
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