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Twilight - Biss zum Morgengrauen
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Twilight - Biss zum Morgengrauen
Von Björn Helbig
Nachdem die Vampir-Reihe der US-amerikanischen Jugendbuchautorin Stephenie Meyer international für große Aufmerksamkeit sorgte, war schnell klar, dass auch ein zugehöriger Film gute Chancen hätte, ein großes Publikum anzusprechen. Gesagt, getan! Nun kommt, knappe vier Jahre nach der Veröffentlichung des Auftakt-Romans „Bis(s) zum Morgengrauen", mit „Twilight" die erste Verfilmung in die Kinos. In den USA schlug der Film von Catherine Hardwicke (Dogtown Boys, Dreizehn) ein wie eine Bombe und startete sogar besser als James Bond 007 - Ein Quantum Trost. Doch der Erfolg beim Publikum ist ja bekanntermaßen nicht immer ein Indikator für künstlerische Qualität, sondern manchmal auch Indiz für (zu) viele künstliche Aromastoffe.

Isabella „Bella" Swan (Kirsten Stewart) ist ein hübsches, zurückhaltendes 17-jähriges Mädchen. Um dem Glück ihrer Mutter mit deren neuem Mann nicht im Wege zu stehen, zieht sie zu ihrem Vater Charlie (Billy Burke) nach Forks, einer kleinen, stets von dichten Wolken verhangenen Stadt im amerikanischen Nordwesten. In ihrer Schule findet sie schnell Anschluss. Doch mehr als für ihre neuen Freunde interessiert sich Bella für die sonderbare Cullen-Familie. Vor allem für Edward Cullen (Robert Pattinson), zu dem sie sich wie magisch hingezogen fühlt. Irgendetwas ist seltsam an diesem jungen Mann, doch es dauert eine Weile, bis Bella dahinter kommt: Edward ist ein Vampir! Auch der hat ein Auge auf das Mädchen geworfen, allerdings ist es für ihn nicht leicht, seinem Verlangen nach Blut zu widerstehen...

Ähnlich wie Joanne K. Rowling ist es auch Stephenie Meyer gelungen, ein größeres Zielpublikum für ein Randgruppen-Genre zu interessieren. „Harry Potter" zeigte, dass Geschichten von einem Zauberlehrling nicht nur etwas für Kinder, sondern auch für Erwachsene sind. Meyer wiederum ist es mit der „Bis(s)"-Reihe gelungen, nicht nur Grufties und Horrorfans, sondern auch Romantikfreunde für Vampire zu begeistern. Die tiefe Faszination, die trotz aller Bedrohlichkeit von den Wesen der Nacht ausgeht, ist ein fester Bestandteil des Vampirmythos. Eben diese Anziehungskraft ist häufig sogar das eigentliche Thema von Büchern und Filmen. Zuletzt etwa in dem schwedischen Film So finster die Nacht, in dem der von seinen Mitschülern schikanierte Oskar durch das Vampirmädchen Eli einen Ausweg aufgezeigt bekommt. Der Vampir nimmt, doch er gibt auch etwas. Seine Opfer lassen ihr Leben, treten dafür aber in die Welt ihres „Schöpfers" ein, die von allerlei Vorzügen geprägt ist: Oft geht das Vampir-Dasein mit übernatürlicher Stärke, Schnelligkeit, einer nur durch Pflöcke oder Sonnenlicht begrenzten Lebenszeit und – was meist noch viel wichtiger ist - mit der Aufnahme in eine echte Gemeinschaft einher.

Daher übt das Thema auch vor allem auf Jugendliche einen besonderen Reiz aus. In der Zeit des Erwachsenwerdens suchen Jugendliche ihren Platz in der Welt, wollen sich abgrenzen von ihrem Leben als Kind, aber auch nicht so werden wie ihre Eltern. Das Leben als Vampir bietet hier eine echte Alternative. Anders, geheimnisvoll und mit der Verheißung von Stärke übt die Zugehörigkeit verständlicherweise eine Faszination aus, die Meyer sich geschickt zunutze macht. Aus diesem Grund sehen sich ihre Bücher auch gelegentlich mit dem Vorwurf konfrontiert, sie würden vor allem Leser ansprechen, die für die Kinderbuchreihe „Der kleine Vampir" gerade zu alt, für „richtige" Vampirkost aber noch zu jung seien. Ganz falsch ist dies sicherlich nicht, aber was ist so schlimm daran, sich eine neue Zielgruppe zu erschließen?

Das Drehbuch von Melissa Rosenberg, die sich bisher vor allem als Serienautorin für „serie,6" und „serie,15" hervorgetan hat, hält sich weitestgehend an die Literaturvorlage, wobei sich diverse Kürzungen bei einer Romanadaption von selbst verstehen. Alles in allem trifft die filmische Umsetzung gut die Stimmung des Buches. Vielleicht ist Bella Swan auf der Leinwand nicht ganz so tollpatschig wie im Buch und sicherlich trägt Regisseurin Hardwicke in Sachen Vampirkitsch noch etwas mehr auf, als es Meyer in ihrem Roman getan hat. Nahezu jede Einstellung dient dazu, die Anziehungskraft der Vampire zur Geltung zu bringen: Rote Lippen, grell-weiße Zähne, Großaufnahmen von Edwards Augen, Spiele mit Ton und Schärfe sowie überdeutliche Metaphern sind einige der Mittel, die Hardwicke hierzu nutzt. Das alles ist entsetzlich übertrieben und treibt den Blutzucker in die Höhe. Für den konservativen Genrefan ist die Darstellung der Vampire deswegen hart an der Schmerzgrenze. Dafür kann Hardwicke aber mit der übrigen Inszenierung Punkte gut machen. Vor allem die Landschaft, teilweise an „Originalschauplätzen" im Staat Washington gedreht, ist traumhaft schön eingefangen und sorgt für eine süß-schaurige Atmosphäre. Überzeugend ist auch der Soundtrack, der sich gleich nach Erscheinen in den USA an die Spitze der Billboard-Albumcharts setzte. Songs von Muse, Radiohead, Claire de Lune und Linkin Park bringen den nötigen Schwung in die mitunter etwas blutleere Geschichte.

Kirsten Stewart (Panic Room, Into The Wild) macht als Bella Swan eine ordentliche Figur. Schauspielerisch ist das Gebotene zwar nicht immer erstklassig, aber der Gesamteindruck stimmt. Fans des Buches werden zufrieden sein. Anders sieht es bei Robert Pattinson (Cedric Diggory aus Harry Potter und der Feuerkelch und Harry Potter und der Orden des Phönix) aus. Auch dieser spielt nicht schlecht, aber es bleibt abzuwarten, ob sein Typ vom Publikum angenommen wird. Die ihm zugeschriebene Faszination wird eher behauptet, als dass Pattinson ihr wirklich gerecht werden würde. Er wirkt eher wie ein Model aus einem Modekatalog als wie ein „überirdisch schöner" Vampir. Ähnlich verhält es sich mit seiner bleich geschminkten Familie, die statt „alterslos" einfach „nicht erwachsen" wirkt. Die solidesten Leistungen liefern die Nebendarsteller Billy Burke (Untraceable, Das perfekte Verbrechen) als Bellas Vater Charlie und der charismatische Michael Welch (All The Boys Love Mandy Lane, An American Crime) als Bellas Kumpel Mike.

Insgesamt bietet der Film nur wenige innovative Ansätze. Vielleicht nicht in einer derartigen Ausprägung, aber vom Prinzip her ähnlich hat man alles schon gesehen. Film (und Buch) dienen lediglich mit Versatzstücken des Genres. Lediglich ein Fantasy-Aspekt, der die Natur der Vampire betrifft, hat eine gewisse Originalität: Im Sonnenlicht zerfallen die Vampire nicht zu Staub, sondern glitzern golden. Dieses Glitzern dient ihnen dazu, menschliche Beute anzulocken. Echte Highlights gibt es in den 122 Minuten Spielzeit dennoch kaum. Wohl aber einige gelungene Sequenzen wie etwa das Vampir-Baseballspiel oder das erste Aufeinandertreffen von Bella und der Familie Cullen, bei dem sich nach dem ganzen Schmachten endlich ein wohltuendes Augenzwinkern bemerkbar macht. Leider sind die Spezial-Effekte bei den übermenschlich schnellen Bewegungen der Vampire und ihren weiten Sprüngen nicht gerade State of the art. Ansonsten plätschert der Film lange Zeit vor sich hin. Erst als sich die Cullens mit einem fremden Vampirtrio anlegen, von dem es ein Mitglied auf Bella abgesehen hat, erhöht sich die Spannungskurve bis zum soliden Showdown noch einmal.

Fazit: Catherine Hardwicke ist mit viel Schmalz und Zuckerguss eine akzeptable Teenie-Vampir-Schmonzette für die H&M-Generation gelungen..
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