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Green Lantern
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Green Lantern
Von Jan Hamm
Green Lantern" ist ein wichtiger Film. Mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2" und „The Dark Knight Rises" enden zwei gewaltige Franchises – und damit auch der lange Goldrausch der Warner Bros. Studios. Eine neue Alchemie muss her! Das gilt auch für die Comic-Schmiede DC, die in puncto Kino-Präsenz kaum mehr mit der Marvel-Konkurrenz mithalten kann. Sicher, Christopher Nolans spektakuläre „Batman"-Reihe ist und bleibt die prestigeträchtigste Comicfilm-Marke. Von einem krönenden Allstar-Projekt à la Marvels „The Avengers" ist man bei DC mit Nolans eigensinnigen Thrillern aber weit entfernt. Der Star-Regisseur selbst wird ja nicht müde, die Inkompabilität seiner „Batman"-Interpretation mit dem restlichen DC-Pantheon zu betonen. Mit „Green Lantern" also soll James-Bond-Schutzengel Martin Campbell („James Bond 007 - Casino Royale", „James Bond 007 - GoldenEye") die Kohlen aus dem Feuer holen, ein neues Franchise für Warner starten und ein ausbaufähiges DC-Filmuniversum schaffen. Zumindest in der Theorie klingt das gut; immerhin hat der neuseeländische Filmemacher längst bewiesen, dass er wirtschaftliche und cineastische Erwartungen nicht nur zufriedenstellen, sondern sogar übertreffen kann. Und dann das: „Green Lantern" ist ein uninspiriertes Blockbuster-Planspiel, ermüdend konventionell inszeniert von einem Regisseur, der mit seinem Stoff fremdelt und lieblos konstruiert von einem Autoren-Quartett, das die Integrität seiner Figuren konsequent missachtet.

Gerade noch kann Abin Sur (Temuera Morrison), mächtigster Vertreter einer kosmischen Elite-Streitmacht namens Green Lantern Corps, seinen Freund und Kollegen Sinestro (Mark Strong) vor der fürchterlichen Gefahr warnen – dann schlägt das Weltraum-Ungetüm Parallax, eine Manifestation der Ur-Energie Furcht, zu. Tödlich verwundet flieht Abin Sur in den entlegensten Winkel des Universums. Dort auf der Erde, so fordert es sein von der Macht der Willenskraft befeuerter Ring, wird er in einem Menschen namens Hal Jordan (Ryan Reynolds) seinen Nachfolger finden. Nachdem Hal den Ring an sich genommen und in mystischer Trance versunken den Lantern-Schwur geleistet hat, wird er nach Oa, der Heimatwelt der Lanterns, geschleudert. Derweil kommt der linkische Wissenschaftler Hector Hammond (Peter Sarsgaard) bei der Obduktion von Abin Surs Leichnam mit Parallax-Resten in Berührung und mutiert zum dämonischen Herold des Weltenverschlingers. Um Hector und Parallax an der Zerstörung der Erde zu hindern, muss Hal seine Furcht überwinden, seine kosmische Bestimmung annehmen und ein Green Lantern werden...



Was war das für eine Achterbahnfahrt, dieses einjährige Marketing-Vorspiel zur DC-Hoffnung „Green Lantern". Auf der Comic-Con 2010 in San Diego erntete Ryan Reynolds tosenden Applaus, nachdem er den Green-Lantern-Schwur für einen kleinen Fan rezitiert hatte. Mit dem ersten Teaser im November ging es steil bergab, Presse und Comic-Fans spotteten über den misslungenen Spagat zwischen Slapstick und Space-Opera. Im April 2011 konterte Warner auf der WonderCon in San Francisco mit einem vierminütigen Trailer, der das Fachpublikum mit wuchtigen Weltraum-Panoramen überwältigte. Bloß die Animation der verflixten Maske sorgte weiterhin für skeptisches Geraune. Es folgte ein Trailer zur Lantern-Mythologie, ein Versprechen: Wir gehen keine Kompromisse ein, wir bringen diese Comic-Bilder in all ihrer grandiosen Absurdität auf die Leinwand. In diesem Sinne rief Reynolds seinen Film als neuen „Krieg der Sterne" aus, als ein Tor in eine neue Welt, wie es 1977 von George Lucas aufgestoßen worden war. Das war größenwahnsinnig - seinen Versuch, sich ein ikonisches Alter Ego wie vor ihm Johnny Depp („Fluch der Karibik") mit Jack Sparrow oder Hugh Jackman („X-Men") mit Wolverine zu schaffen, nahm ihm jedoch niemand krumm.

Wohl aber den fertigen Film. Am US-Startwochenende blieb „Green Lantern" deutlich hinter dem solide gelaufenen „Thor " und knapp hinter dem Beinahe-Flop „X-Men: Erste Entscheidung" zurück. Ja, die internationale Kritik hat Campbells Superhelden-Streifen mit der Hingabe enttäuschter Fanboys pulverisiert. Doch das muss noch kein Box-Office-Scheitern bedingen, wie Michael Bay („Transformers - Die Rache") und Roland Emmerich („2012") immer wieder demonstrieren. Das eigentliche Problem: Während die Krawumm-Granden das Versprechen spektakulärer CGI-Orgien verlässlich einhalten, entpuppt sich „Green Lantern" schlichtweg als Mogelpackung. Mit den Trailern ist fast das komplette Weltraum-Szenario abgedeckt, bloß rund zehn Leinwandminuten gibt es den mysteriösen Planeten Oa überhaupt zu sehen. Die Lanterns sind Statisten, die zu Beginn lahme Exposition liefern und dem siegreichen Einzelkämpfer Hal in den letzten Filmsekunden dann nochmal auf die Schulter klopfen. Nein, ein Tor in eine neue Welt hat hier niemand aufgestoßen; das spannende Lantern-Universum wird lediglich angedeutet.

Und diese Andeutung reicht gerade weit genug, um Reynolds „Krieg der Sterne"-Verweis zu verstehen. Die Parallelen zwischen den 1940 von Bill Finger und Martin Nodell begründeten „Green Lantern"-Comics und George Lucas' Sternensaga sind offensichtlich: Hier gibt es das Lantern-Corps, dort den Jedi-Orden; hier grüne Willenskraft und gelbe Furcht, dort helle und dunkle Seite der Macht. Wie Anakin Skywalker flirtet auch ein wunderbar sinister von Mark Strong vorgetragener Sinestro mit der dunklen, pardon, gelben Seite der Macht – was dann im Abspann noch als Twist nachgeschoben wird, ist aufgrund des sprechenden Namens geradezu obligatorisch. Und schließlich ist da Luke, pardon, Hal selbst, ein junger Pilot vom äußersten Rand des zivilisierten Universums, ein Auserwählter, der erst noch in seine Rolle wachsen muss. Zum Popkultur-Phänomen wurde „Krieg der Sterne" jedoch, weil das Publikum diese fremde Sternenwelt gemeinsam mit Luke erkunden und bestaunen durfte, weil es an seiner behutsam erzählten Wandlung Anteil nahm und mit ihm am Geheimnis der Macht herumrätselte.

All das fehlt „Green Lantern". Sobald Hal auf Oa angekommen ist, wirft er sich vor einer Spiegelwand in Pose und jubelt über seine neugewonnene Flugfähigkeit. Eine Trainingscollage später beschließt er dann, kein tauglicher Lantern zu sein – zwei Einstellungen später ist er wieder auf der Erde angekommen, wo der lange Rest des Films stattfindet. Zeit zum Staunen bleibt dabei nicht, zumal Hal die atemberaubende Offenbarung gleich wieder vergessen zu haben scheint. So wird er selbst zum Rätsel: Das Schicksal des Universums ist ihm schnuppe, als Parallax aber gen Erde wütet, spaziert er zurück nach Oa und bittet um Hilfe. Bloß, wozu eigentlich? Den mittelprächtig animierten Flugschädel Parallax, an dem zuvor ganze Lantern-Legionen gescheitert sind, besiegt er schlussendlich alleine – vor allem dank der Empfehlung seiner Freundin Carol (Blake Lively), jetzt doch bitte mal mutig zu sein. Besser hätte sie ihm Stilbewusstsein empfohlen.

Ja, die Comic-Bilder sind da, in all ihrer grünen Absurdität. Kraft seines Ringes beschwört Hal nicht nur Flammenwerfer, Sprungfedern und Gatling-Guns, sondern sogar einen Oldtimer samt schwebender Carrera-Rennbahn, um einen daran angekoppelten Helikopter vor dem Absturz zu bewahren. Hier wird einmal mehr sichtbar, dass sich eine saubere 3D-Postkonversion und am Rechner entworfene Sequenzen stimmig ergänzen, während die regulären Kamerabilder nicht davon profitieren. Ebenso offenbar wird in diesen Augenblicken, dass Campbell kein Mann für Greenscreen-Exzesse ist. Während er „Casino Royale" berauschend körperlich inszenierte, arbeitet er hier bloß sterile Action-Setpieces ab. So platzt die Monsterwolke Parallax etwa einfach in ein Scharmützel zwischen Hal und Hector rein, ohne dass ihre Ankunft in irdischen Gefilden mit mehr als einer Einstellung vorbereitet worden wäre. Vom Endzeit-Spannungsaufbau eines Emmerich fehlt hier jede Spur.

Anders als Kenneth Branagh mit „Thor" findet Campbell keinen Ansatz, einen kohärenten Erzählstil zwischen überbordender Comic-Ästhetik, epischer Hintergrundgeschichte und Humor-Versatzstücken zu entwickeln. Seine Slapstick-Einlagen sind knirschender Sand im Getriebe der unterrepräsentierten Comic-Mythologie, während er beim Niedergang des albtraumhaft deformierten Hector mit dem Bodyhorror eines David Cronenberg flirtet. „Green Lantern" ist unfertiges Patchwork – und eine traurige Niederlage für Ryan Reynolds. Wie wichtig ihm die Rolle war, ist jederzeit sicht- und spürbar. Alleine sein unschuldiger Charme hält das Konstrukt zusammen, während der erhabene Jedi-Meister Strong und ein derangierter Peter Sarsgaard als „Elefantenmensch"-Widergänger in anderen Filmen zu spielen scheinen. Apropos: Ob es nach dem enttäuschenden US-Start und der harten Presse andere Filme im neuen DC-Universum geben wird, das wissen wohl nur die allsehenden Wächter von Oa. „Green Lantern" ist ein wichtiger Film. Ein guter Film – nein, das ist er nicht.
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