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Die purpurnen Flüsse
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Die purpurnen Flüsse
Von Carsten Baumgardt
Ein Serienkiller treibt in Mathieu Kassovitz’ viertem Kinofilm sein Unwesen. In dem Thriller „Die purpurnen Flüsse“ verbergen die Einwohner eines Bergdorfes ein düsteres Geheimnis.

Zwei Kommissare, zwei Fälle. So scheint es jedenfalls zunächst. Der wortkarge, abgebrühte Spezialermittler Niémans (Jean Reno) wird in das abgelegene, von der Außenwelt fast isolierte Bergdorf Guernon in den französischen Alpen beordert, um ein bestialisches Verbrechen aufzuklären. Der Bibliothekar einer abgeschotteten Eliteuniversiät wird tot aufgefunden. Augen und Hände sind fachmännisch entfernt worden, der junge Mann wurde stundenlang gefoltert, bevor er starb. Niémans stößt mit seinen Fragen bei Professoren und Studenten der Uni auf eine Mauer des Schweigens. Sie haben etwas zu verbergen. Die junge Gletscherforscherin Fanny (Nadia Fares) will Niémans auf die richtige Fährte bringen. 200 Kilometer entfernt ermittelt der junge Kommissar Max Kerkérian (Vincent Cassel) im Fall einer Grabschändung. Die Spur führt ihn nach Guernon...

Beschäftigte sich Regisseur und Schauspieler Mathieu Kassovitz in seinen Filmen bisher mit sozialkritischen Themen („Hass„), legt er mit „Die purpurnen Flüssen“ einen lupenreinen Genrefilm vor. Düster, hart, kompromisslos legt er seine Serienkiller-Hatz an. Der unverwüstliche Charakterkopf Reno („Léon – Der Profi“) verleiht seinem Kommissar Niémans eine starke Präsenz, ergänzt sich aber gut mit Cassel („Johanna von Orleans“, „Dobermann“) als unbeherrschter Max und Nadia Fares („Les Grandes Bouches“) als trotzige Fanny.

Zur atmosphärischen Dichte tragen die atemberaubenden Bilder der Bergkulisse bei, mit denen Kameramann Thierry Arbogast („The Dancer“, „Johanna von Orleans“, „Das fünfte Element“) die Leinwand füllt. Kassovitz lässt die Zuschauer wie auch seine Protagonisten fast bis zum Ende im Dunkeln tappen. Eher ärgerlich ist dann die Auflösung, die nicht gerade realitätsnah wirkt. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kassovitz mit „Die purpurnen Flüsse“ ein guter, konsequenter Thriller gelungen ist, der in seinen besten Momenten an David Finchers Meisterwerk „Sieben“ erinnert. Und gut abgeguckt hat der Franzose auch. Die Annäherung an das abgeschiedene Bergdorf zu Beginn gab es schon 1979 in Stanley Kubricks Horror-Klassiker „The Shining“ (und zugegeben auch in Tykwers „Winterschläfer“) zu sehen.
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