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    The Dark Knight Rises
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    The Dark Knight Rises
    Von Björn Becher
    The Dark Knight Rises", Kennern längst unter dem Kürzel TDKR bekannt, ist vielleicht DER Film des Kinojahres 2012. Heiß erwartet wie kaum ein zweiter, im Vorfeld schon zum Meisterwerk (v)erklärt, sollte dies der krönende Abschluss einer Trilogie sein, die mit „Batman Begins" 2005 mehr als verheißungsvoll begann und mit „The Dark Knight" drei Jahre später triumphal fortgesetzt wurde – schon seit damals gilt sie vielen als die beste Comic-Verfilmungsreihe aller Zeiten. 188 Nachrichten erschienen hier auf FILMSTARTS bereits vor dieser Kritik zu „The Dark Knight Rises", viele weitere werden wohl noch folgen. Über keinen Film haben wir in unserer über zehnjährigen Geschichte mehr berichtet, keine Kritik wurde im Vorfeld so oft von unseren Lesern angefragt. Bevor ihr sie im Detail zu lesen bekommt, nun zuerst Antworten auf zwei Fragen, die vielen von euch am dringlichsten unter den Nägeln brennen: Beschert Christopher Nolan seiner Batman-Trilogie den runden Abschluss, den man sich erhoffen durfte? Ja, absolut. Ist das Action-Drama „The Dark Knight Rises" also ein weiteres Meisterwerk des „Inception"-Regisseurs? Ein klares Nein. Dafür reißt Nolan in seinem genauestens kalkulierten großen Finale zu viele Themen zu beiläufig und oberflächlich an und lässt allzu oft ein Wort zu viel und eine Tat zu wenig sprechen.

    Acht Jahre ist es her, dass Batman (Christian Bale) Jim Gordons (Gary Oldman) Sohn rettete und der vermeintliche weiße Ritter Harvey Dent (Aaron Eckhardt) den Tod fand. Seitdem wird die Stadt Gotham von einer Lüge regiert, die zu bewahren Polizeichef Gordon immer schwerer fällt. Jahr für Jahr muss er Harvey Dent an einem Gedenktag aufs Neue lobpreisen, schließlich haben die strengen Gesetze, die in dessen Namen verabschiedet wurden, dazu geführt, dass es so gut wie kein Verbrechen mehr in der Stadt gibt. Der wahre Held wird derweil als Mörder gebrandmarkt und sitzt verborgen ganz in der Nähe. Denn Bruce Wayne hat das Batman-Cape an den Nagel gehängt und sich zurückgezogen. Mit seinem Butler Alfred (Michael Caine) als einzigem Kontakt zur Außenwelt, gehbehindert und innerlich gebrochen, vegetiert er vor sich hin. Erst die geschickte Einbrecherin Selina Kyle (Anne Hathaway) weckt in ihm wieder ein paar Lebensgeister, stiehlt sie doch nicht nur eine Perlenkette seiner Mutter, sondern auch seine Fingerabdrücke. Die Diebin ist im Auftrag des brutalen Söldners Bane (Tom Hardy) unterwegs, der Muskelberg lebt mit einer Armee treu ergebener Vasallen in der Kanalisation von Gotham und wartet nur darauf, aller Welt seinen teuflisch-zerstörerischen Plan zu präsentieren. Schließlich glaubt Wayne, aus dem Ruhestand zurückkehren und ein letztes Mal das Batman-Kostüm überstreifen zu müssen, um Bane zu stoppen. Doch der angeschlagene Held trifft zum ersten Mal auf einen Widersacher, der ihm körperlich weit überlegen ist...



    Knappe 45 Minuten dauert es, ehe Christopher Nolan seinen Titelhelden, seinen dunklen Ritter, das erste Mal auf der Leinwand zeigt. Auch im Mittelteil der satte 164 Minuten langen Comic-Adaption glänzt Batman über weite Strecken mit Abwesenheit und man bekommt fast den Eindruck, dass Joseph Gordon-Levitt („(500) Days of Summer"), der den idealistischen jungen Polizisten John Blake spielt, die Hauptrolle inne hat. Christopher Nolan nutzt die Zeit ohne Batman vor allem für zuweilen ausschweifende Erklärungen und dafür, seine zahlreichen Figuren vorzustellen. Der Filmemacher ist bekannt dafür, dass er den Zuschauer an die Hand nimmt, ihm klar offenbart, was aus welchem Grund passiert. Das kann auch anstrengend sein, etwa wenn Gary Oldman („Dame, König, As, Spion", „Harry Potter") zu Beginn mehrfach die Entwicklung von Gotham in den acht Jahren zwischen „The Dark Knight" und „The Dark Knight Rises" rekapitulieren muss. Durch die vielen Erklärungen und Rückverweise wird der Erzählfluss zuweilen gehemmt, allerdings schafft es Nolan damit auch, den großen Bogen über alle drei Filme zu schlagen und einen stimmigen Kosmos zu erschaffen, in dem „The Dark Knight Rises" das folgerichtige und logische Finale bildet.

    Neben so manchem nicht unbedingt nötigen erzählerischen Schlenker gibt es insgesamt sicher auch die eine oder andere Figur zu viel, obwohl es dem gewieften Konstrukteur Nolan gelingt, sie alle strategisch in seinem großen Showdown zu platzieren. Die schiere Anzahl der handelnden Personen geht aber in so manchem Fall auf Kosten der Charaktertiefe. Immerhin machen die Akteure selbst aus sehr knappen Rollen meist das Beste. Verlassen kann sich Nolan dabei auf Batman-Neulinge wie Anne Hathaway („Der Teufel trägt Prada") als smarte, schlagfertige Catwoman und Marion Cotillard („Inception") als reiche Philantropin Miranda Tate ebenso wie auf die alten Bekannten Morgan Freeman und Michael Caine als Waynes Ersatzväter sowie Gary Oldman als verbitterter Polizeichef fast ohne Gefolgschaft. Der Regisseur und seine Co-Autoren Jonathan Nolan und David S. Goyer finden bei der Figurenzeichnung überwiegend die richtige Balance zwischen Vorlagentreue und Eigenständigkeit. Dies gelingt ihnen nicht nur bei Catwoman und zwei Figuren, bei denen wir hier lieber keine weiteren Einzelheiten verraten, sondern vor allem beim Schurken Bane. Dessen Hintergrundgeschichte von Geburt und Kindheit in einem berüchtigten Gefängnis wird genauso aufgegriffen wie das ikonische Comic-Panel, in dem Bane Batman das Rückgrat bricht. Nolan bezieht sich explizit darauf, eignet sich die Bilder aber zugleich an und löst die Situation auf überraschende und eigenständige Weise auf.



    Ein Stück Comic-Geschichte: Bane bricht Batman das Rückgrat – auch in „The Dark Knight Rises"?

    Mit Tom Hardy („Warrior") als Bane hat Nolan einen Bösewicht gefunden, der nach Scarecrow (Cillian Murphy) und Ra's Al Ghul (Liam Neeson) in „Batman Begins" sowie dem Joker (Heath Ledger) und Two-Face (Aaron Eckhardt) in „The Dark Knight" als nächste Steigerungsstufe erscheint. Banes Plan schließt deutlich an die seiner Vorgänger an und seine Motive führen zurück zum Beginn der Trilogie, aber sein zerstörerisches Vorhaben bekommt noch einmal eine größere Tragweite und Dimension. Vor allem ist der monströse Bane aber der erste Gegner, der Batman körperlich weit überlegen ist. Seine größte Waffe ist seine Kraft, er ist damit genau das Gegenteil des Jokers, er tritt jedem (Zwei-)Kampf offen entgegen, statt ihm aus dem Weg zu gehen. Nachdem Heath Ledger mit seiner vielgerühmten Darstellung und diabolischen Aura in „The Dark Knight" fast alles überstrahlte, geht Tom Hardy sinnvollerweise den genau entgegengesetzten Weg und nimmt sich total zurück. Sein Gesicht ist durch seine Maske ohnehin zu weiten Teilen verdeckt, aber auch seine Augen sind fast ausdruckslos. Doch genau dieser Blick zeigt die Unbeirrbarkeit, mit der er sein Ziel verfolgt und macht damit sehr früh unmissverständlich klar, dass er keinen Rückzieher machen wird.

    Bane zwingt Batman an seine körperlichen und psychischen Grenzen und ist damit auch ein idealer Katalysator für den eigentlichen Kernkonflikt in „The Dark Knight Rises", das persönliche Drama und die Katharsis von Batman/Bruce Wayne. Im Zwiegespräch mit Butler Alfred wird nun deutlich ausgesprochen, was in den Vorgängerfilmen bloß angedeutet wurde: Wayne braucht Batman. In den acht Jahren, die vergangen sind, ist der einstige Moloch Gotham vielleicht eine (zumindest vordergründig) strahlende Stadt geworden, doch Bruce Wayne selbst ist ein Wrack. Christian Bale („American Psycho", „The Fighter") nimmt die schauspielerische Herausforderung an und zeigt eine reife Leistung. In den Anfangsminuten erinnert er dabei fast an alte „Der Maschinist"-Zeiten: die für die ersten Teile antrainierten Muskelpakete sind nicht einmal zu erahnen und ein zersauselter Bart sowie ein Krückstock runden die wenig eindrucksvolle Erscheinung ab. Nolan führt die Trilogie konsequent zu ihrem Ende, indem er seinem innerlich zerrissenen Protagonisten mit der entscheidenden Erkenntnis konfrontiert: Was in „Batman Begins" einmal eine Maske war, hat längst von ihm Besitz ergriffen. Bruce Wayne muss dies einsehen, um ein Leben ohne Batman führen zu können - oder sterben.

    Die tragisch-existenzielle Zuspitzung der Heldengeschichte ist typisch für Nolans Umgang mit der Vorlage. Er wird nicht zufällig vielfach dafür gerühmt, dass er es mit seiner „Batman"-Trilogie geschafft habe, das Genre Comicverfilmung auf eine neue Ebene zu heben: Der ernsthaftere, realistischere Stil gilt vielen als das neue Nonplusultra. Bei seinem Streben nach Seriosität und Wichtigkeit scheut Nolan sich nicht, auch aktuelle politische Themen aufzugreifen. Das hätte er in „The Dark Knight Rises" aber manches Mal lieber bleiben lassen. Ein bisschen unspezifischer Occupy-Aufruhr hier, ein platter, unnötiger Dialog zweier Börsenhändler, die zugeben, einen Münzwurf bei ihrer Arbeit entscheiden zu lassen, dort und schließlich auch noch die Feststellung, dass Gesetze die Arbeit der Polizei einschränken: Nolan springt auf den Zeitgeist-Zug auf, ohne die gesellschaftskritischen Motive erzählerisch zu entwickeln. Da ist man letztlich fast erleichtert, dass diese Themen nur angerissen werden und größtenteils auch ganz schnell wieder unter den Tisch fallen – schließlich hat selbst Marvels Unterhaltungsblockbuster „The Avengers" mit seiner mitschwingenden Militärskepsis da mehr zu bieten.

    Zu einem richtigen Sommerblockbuster gehören aber natürlich nicht nur großes Drama und große Themen, sondern auch visuelles Spektakel und ordentlich Action. Christopher Nolan weiß, was er seinem Publikum schuldig ist und lässt sich nicht lumpen. Kameramann Wally Pfister und seine Crew sorgen für eindrucksvolle und atmosphärische Bilder zwischen Gothams Häuserschluchten und in der Kanalisation, von Eis und Wüste. Dazu kracht es bei einigen Verfolgungsjagden und Explosionen gewaltig, auch wenn die ganz große Nummer, die bahnbrechende Sequenz, die einem die Kinnlade herunterklappen lässt, fehlt. Aber auch hier ist Nolan durchaus konsequent, denn mit dem neuen Gegner verändert sich auch der Charakter der meisten Actionszenen. Wie der Joker nutzt auch Bane am liebsten die Panzerfaust – allerdings eine ganz andere. Statt auf explosive Schusswaffen setzt er auf seine kräftigen Hände. Er zerschmettert mit einem Faustschlag sein Gegenüber, er drückt Kehlen zu und bricht Genicke. Die Folge sind mehrere eindrucksvolle Faustkämpfe – ob in luftiger Höhe oder in tiefer Dunkelheit. Anne Hathaways Catwoman verstärkt diese neue Körperlichkeit noch, darf sie doch mehr als einmal ihren Karate-Kick demonstrieren. Richtig Vollgas gibt Nolan aber weiterhin dann, wenn er Spielzeuge einsetzen darf. Batmans Vehikel kommen dieses Mal sogar in erhöhter Anzahl zum Einsatz, die Prunkstücke sind dabei ein neuartiges Fluggerät namens „The Bat" und vor allem Batmans Motorrad, das mit einer verbesserten Steuerung daherkommt, die schon aus einem simplen Wendemanöver eine eindrucksvolle Actionsequenz werden lässt.

    Fazit: Mit „Batman Begins", „The Dark Knight" und „The Dark Knight Rises" hat Christopher Nolan dem Helden im Fledermauskostüm eine insgesamt herausragende Trilogie beschert, die die Messlatte für jeden irgendwann noch kommenden „Batman"-Film sehr hoch gelegt hat. Auch wenn der Abschluss der Reihe thematisch und erzählerisch etwas überladen ist und so nicht ganz an die Vorgänger herankommt, führt Nolan seine Batman-Geschichte zu einem befriedigenden Ende.
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