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Transporter 3
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Transporter 3
Von Christoph Petersen
Ein Mann und sein Audi. Die auffälligste Entwicklung von The Transporter (2002) zu Transporter – The Mission (2005) war, dass Jason Statham statt eines BMW plötzlich einen schwarzen Audi A8 fuhr. Die übrigen Zutaten (Over-the-Top-Action und ein megacooler Hauptdarsteller) blieben hingegen dieselben. Weil Louis Leterrier (Unleashed), der Regisseur des zweiten Teils, mit den Dreharbeiten zu Der unglaubliche Hulk beschäftigt war, hat nun der Franzose Olivier Megaton die Regie von „Transporter 3“ übernommen. Doch auch Megaton beschränkt sich darauf, das Erfolgsrezept des von Luc Besson (Nikita, Das fünfte Element) initiierten Franchises ein weiteres Mal abzuspulen. Das Ergebnis ist ein spaßiges Actionfeuerwerk, das zwar mit einem extrem sympathischen Protagonisten-Duo aufwartet, auf frische Ideen aber weitestgehend verzichtet.

Frank Martin (Jason Statham) hat seinen Job als Fahrer an den Nagel gehängt. Lieber geht er mit seinem väterlichen Freund Tarconi (Francois Berléand, Die zweigeteilte Frau), einem Inspektor aus Marseille, an der französischen Riviera angeln. Als sein alter Kollege Malcolm (David Atrakchi) plötzlich durch die Hauswand kracht und mit seinem Wagen mitten in Franks Wohnzimmer zum Stehen kommt, ist jäh Schluss mit Ruhe und Gemütlichkeit. Von einem Moment auf den anderen steckt Frank tief im Schlamassel. Der Ex-Delta-Force-Soldat Jonas Johnson (Robert Knepper) zwingt ihn, die hübsche Valentina (Natalya Rudakova) durch halb Europa zu kutschieren. Ziel der Aktion ist, den ukrainischen Umweltminister Leonid Vasilev (Jeroen Krabbe) zu erpressen. Dieser soll seine Unterschrift unter einen Vertrag setzen, der für die Entsorgungsgesellschaft EcoCorp Gewinne in Millionenhöhe, aber für die Umwelt großen Schaden bedeuten würde. Damit Frank seinen Auftrag auch wirklich erfüllt, hat Johnson ihm ein Armband umgelegt, das explodiert, wenn er sich weiter als 25 Meter von seinem Auto entfernt…

Das Markenzeichen der „Transporter“-Reihe sind – neben Jason Statham natürlich – die überkandidelten Actionszenen. Dass man sich um diese im Vorfeld von „Transporter 3“ keine größeren Sorgen machen musste, hängt vor allem mit einem Namen zusammen: Corey Yuen. Der vielbeschäftigte Actionkoordinator (Lethal Weapon 4, War) und Regisseur des ersten „Transporter“-Films zeichnet im dritten Teil für die Kampfsequenzen verantwortlich. Und das merkt man: Die Martial-Arts-Fights sind auf den Punkt choreographiert und überzeugen trotz brachialer Härte mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Doch auch die prügelfreien Actionszenen können sich sehen lassen. Vor allem eine augenzwinkernde BMX-Verfolgungsjagd und der Kampf Audi vs. Eisenbahn stechen positiv heraus.

Die Story ist komplett 08/15, drängt sich glücklicherweise aber nie in den Vordergrund. Einzig die Explosionsarmbänder, die immer wieder stimmig und spannungsfördernd in die Handlung eingebunden sind, erweisen sich als netter (wenn auch nicht gerade neuer) Einfall. Hinzu kommen zwei Logiklöcher, die über das genreübliche Maß an Inkonsistenz hinausgehen und den Zuschauer so unnötig stutzen lassen: 1. Der ukrainische Geheimdienst findet heraus, dass Frank auf dem Weg nach Budapest ist. Als Frank jedoch den Auftrag bekommt, nach Bukarest weiterzureisen, folgen die Agenten ihm auch hierhin. Woher sie von der Planänderung wissen, bleibt ihr Geheimnis. 2. Die Grundprämisse des Films, eine Unterschrift zu erzwingen, macht per se keinen Sinn. Natürlich könnte der Umweltminister den Vertrag wegen der Erpressung jederzeit wieder für unwirksam erklären. Das auf einem Straßenschild „Salsburg“ statt „Salzburg“ geschrieben steht, fällt hingegen nicht ins Gewicht.

Wie er gerade erst mit dem ultraharten Trash-Fest Death Race erneut unter Beweis gestellt hat, ist Jason Statham (Snatch, Crank, Schwerter des Königs, Bank Job, Crank 2: High Voltage) Hollywoods Mann fürs Grobe. Auch in „Transporter 3“ vermöbelt er zu Beginn die Bösewichter (wobei die Extremitäten gleich reihenweise zu Bruch gehen), ohne dabei großartig Emotionen zu zeigen. Ist halt eine verdammt coole Sau, der Typ. Doch dann taut er langsam auf und der weiche Kern hinter der harten Schale kommt nach und nach zum Vorschein. Während James Bond in seinem neuesten Abenteuer Ein Quantum Trost kalt wie Stein ist, offenbart Frank Martin plötzlich Gefühle. Dazu passt dann auch, dass er seine zahlreichen Regeln, an die er sich in den ersten Teilen noch sklavisch gehalten hat, diesmal doch ganz gewaltig aufweicht.

Im Gegensatz zu Statham bleibt Robert Knepper (D.O.A. – Bei Ankunft Mord, Hitman) hinter den Erwartungen zurück. Während er sich in vier Staffeln serie,17 als Theodore „T-Bag“ Bagwell eine riesige Fanbase erspielte, gibt er hier einen doch arg konventionellen Bösewicht, der weit weniger im Gedächtnis hängen bleibt als seine kultige Serienrolle. Eine echte Entdeckung ist die gebürtige Russin Natalya Rudakova. Ihre verführerisch-lechzenden Blicke, die sie auf den strippenden Statham und seine stahlharten Bauchmuskeln wirft, sind einfach unbezahlbar. Dabei ist Rudakova, die einen spitzbübischen Lolita-Charme ausstrahlt, gar keine ausgebildete Schauspielerin. Luc Besson hat die hübsche Friseurin in New York auf der Straße entdeckt.

Fazit: Ohne etwas wirklich Neues zu bieten, liefert das „Transporter“-Franchise auch im dritten Anlauf routinierte Action-Unterhaltung. Es macht einfach Spaß, dem verliebten Jason Statham bei seinen Prügelorgien zuzusehen. Die Lust auf einen vierten Teil hält sich aufgrund akuter Innovationsarmut jedoch in Grenzen.
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