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    My Soul To Take
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,0
    schlecht
    My Soul To Take
    Von Jan Hamm
    Wes Craven ist seit den 70ern eine feste Größe im Slasher-Kino. „Das letzte Haus links" und „Hügel der blutigen Augen" haben sich tief ins Genre-Gedächtnis gebrannt, vor allem aber hat Craven mit Freddy Krüger („Nightmare - Mörderische Träume") eine Metzel-Ikone geschaffen, die neben haltlosen Sequels und Spin-Offs selbst das Platinum-Dunes-Remake „A Nightmare on Elm Street" überstanden und sich fest in der Popkultur etabliert hat. Wenn Wes Craven aber eines nicht ist, dann eine feste Größe im zeitgenössischen Horrorfilm. Die Themen heute, das sind die Vampir-Metapher („So finster die Nacht", „True Blood"), der liebevolle Zombie-Ulk („Shaun of the Dead", „Zombieland"), kontrovers diskutierter Torture Porn („Saw", „Hostel") und das neue Spiel mit Authentizität („Paranormal Activity", „Cloverfield"). Es braucht schon eine zündende Idee, um dem überrumpelten Slasher-Genre in diesem Chor Gehör zu verschaffen. Seit 1994 („Freddy's New Nightmare") ist Craven nicht mehr als Regisseur und Autor zugleich aktiv gewesen. Mit dem 3D-Teenie-Horror „My Soul to Take" steigt er wieder ein und offenbart, dass er keinen Schimmer hat, wie er das Slasher-Motiv noch variieren oder zumindest engagiert inszenieren soll.

    Fassungslos blickt Abel (Raul Esparza) auf die Leiche seiner hochschwangeren Frau und das blutige Messer in seiner Hand herab. Der psychotische Mann muss einsehen, was er aus seiner Wirklichkeit gestrichen hatte: Dass er besessen ist vom Geist des Riverton Rippers. Im Showdown mit der Polizei schwört der Ripper, eines Tages zurückzukehren und alle Neugeborenen eben dieser Nacht heimzusuchen. Sechzehn Jahre später versammeln sich Teenager an einem Seeufer. Sieben von ihnen haben Geburtstag. Dieses Jahr ist Adam "Bug" Plankov (Max Thieriot) an der Reihe: In einem augenzwinkernden Ritual muss er einen als Ripper verkleideten Kumpanen bannen. Plötzlich taucht die Polizei auf, die feiernden Teenager schlagen sich in die Büsche. Doch als dabei jemand nicht mehr aus Nacht und Nebel zurückkehrt, ist schnell klar, dass die Geburtstagskinder in Lebensgefahr schweben – und dass eines unter ihnen wie Abel damals besessen ist, ohne selbst etwas davon zu ahnen...

    Wie die Highschool-Teens auf der Leinwand muss auch das Publikum spekulieren, was in „My Soul to Take" eigentlich Sache ist. Hinter Freddy Krüger oder den Mutanten aus den Hügeln der blutigen Augen standen Geschichten von Kreaturen, die erlittenes Unrecht vertausendfacht heimzahlen. Wir wissen um dieses Unrecht und so auch um die Unausweichlichkeit des biblischen Racheaktes! Das ist der Triumph des Erzählers, nicht einer Maske. In diesem Sinne ist es unverzeihlich, dass Craven seinen Riverton Ripper über die Maske hinaus nicht eine einzige Skriptzeile ausformuliert. Ist der Ripper Ausdruck einer gestörten Psyche, oder ist er ein uralter Geist, ein Dämon, was denn nun? Und wenn er durch die Körper seiner Opfer agiert, wozu dann noch das opulente Kostüm - vom Genre-Kalkül mal abgesehen?

    Mehr ist allerdings an der Siebenschaft nervöser Teenager und besonders am Protagonisten, dem Außenseiter Bug, auch nicht dran. Phasenweise lässt Craven mit trivialen Soap-Abschnitten vergessen, dass „My Soul to Take" eigentlich Genre-Handwerk sein soll. Weder sind die Jungdarsteller hier zu Höherem berufen, noch kommen Cravens ungelenk auf jugendlich getrimmten Dialoge ihnen entgegen. Hauptdarsteller Max Thieriot, der zuletzt in Atom EgoyansChloe" zu sehen war, ist zumeist damit beschäftigt, seriös die Stirn in Falten zu werfen, ohne dabei wie ein pubertierender Schwerenöter auszusehen. Gegen Ende sind einige dieser Gestalten nicht mehr da, und würde Craven nicht pflichtbewusst ein paar Mordsequenzen einstreuen, so wäre ihr Verschwinden möglicherweise nicht weiter aufgefallen.

    Statt einem Finale folgt ein Batzen Exposition, der endlich auflöst, hinter welchem dieser pickeligen Gesichter sich der Ripper versteckt: Ach, der war es – ja, warum eigentlich nicht! Wenn Craven sich trotz Genre-Heimspiel keine Mühe gibt, eine halbwegs stringente Geschichte zu erzählen, warum sich dann um die Identität einer identitätslosen Kreatur scheren? Affektive Teilnahme am Treiben von „My Soul to Take" ist nahezu unmöglich. Da hilft auch der papierdünne 3D-Überzug nicht. Seit „Kampf der Titanen" und „Alice im Wunderland" stehen hastige Konvertierungen so harsch in der Kritik, dass mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1" ausgerechnet der lukrativste Event-Film des ausgehenden Kinojahres 2010 wieder aus dem 3D-Gewand befreit wurde. Das hätte Craven zu denken geben sollen. Ob er noch eine Stimme im Horrorkino hat, kann er mit „Scream 4" bald erneut beantworten. Für den Augenblick lautet die Antwort definitiv: Nein.
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