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Zahnfee auf Bewährung
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Zahnfee auf Bewährung
Von Christian Horn
Dwayne „The Rock“ Johnson in einem Feenkostüm mit Engelsflügeln - klingt absurd, lächerlich und ziemlich infantil. Und genau so ist auch „Zahnfee auf Bewährung“, eine Fantasy-Komödie des Regisseurs Michael Lembeck, der uns auch schon Santa Clause 2 und Santa Clause 3 beschert hat. Der kindliche Film spult diverse erprobte Stationen des seichten Hollywood-Komödien-Genres ab und verbreitet als Moral eine typische Binsenweisheit: „Glaub' an dich und der Rest wird schon!“ Und ganz im Sinne der Beatles, nur nicht ganz so schön aufbereitet: „And in the end, the love you get is equal to the love you give.“

Derek Thompson (Dwayne Johnson) ist Profi-Eishockeyspieler. Seine besten Zeiten liegen jedoch hinter ihm: Meistens sitzt er auf der Bank und wenn er dann mal aufs Feld gelassen wird, dann eher als eine Art Maskottchen. Denn Derek schlägt seinen Gegnern gerne mal einen Zahn aus – seinen Spitznamen „Tooth Fairy“ hat er sich deshalb redlich verdient. An die Zahnfee glaubt er aber trotzdem nicht - und als er der kleinen Tochter (Destiny Whitlock) seiner Freundin Carly (Ashley Judd, Heat, Crossing Over) diese Wahrheit aufdrücken will, kassiert er prompt die Rechnung: Unter seinem Kopfkissen findet er eine Vorladung ins Feenreich. Als Strafe für seine mutwillige Zerstörung kindlicher Phantasiegebilde verdonnert ihn die Oberfee Lily (Julie Andrews, Mary Poppins, Plötzlich Prinzessin) zu zwei Wochen Strafarbeit: natürlich als Zahnfee...

Actionstars in Komödien: Das kann funktionieren – siehe Arnold Schwarzenegger („Der Kindergarten Cop“) oder auch Bruce Willis („Keine halben Sachen“). Und würde es nur an Dwayne Johnson (Welcome To The Jungle, Die Jagd zum magischen Berg) hängen, wäre der Genrewechsel wohl auch bei „Zahnfee auf Bewährung“ gelungen, denn der ehemalige Profiwrestler macht keine schlechte Figur – immerhin sammelte er ja schon in Daddy ohne Plan reichlich Erfahrungen im Komödienfach. Dass der Film scheitert, ist deshalb zum größten Teil der Regie anzulasten. Michael Lembeck bekommt einfach keinen Schwung in seinen Film: Nur wenige Gags sitzen, kaum eine Szene geht geschmeidig in die nächste über und überhaupt sind Variationen der üblichen Komödienklischees absolute Mangelware. Zudem verheddert sich „Zahnfee auf Bewährung“ zunehmend in einer Mischung aus absurder Komik und ernsthafter Dramatik – das eine steht dem anderen im Weg, die Inszenierung findet keine Balance. Dass die besseren Gags maximal so lala sind, nimmt dem Film die letzte Attraktion. Lediglich die skurrilen Feen-Gadgets (darunter ein Zauberstab, ein Erinnerungs-Lösch-Spray sowie ein Schrumpfmodus inklusive Piepsstimme), mit denen Derek anfangs nicht umzugehen versteht, sorgen für ein kurzes Schmunzeln.

Dabei wäre mit den Darstellern wirklich mehr drin gewesen. Dwayne Johnson liefert wie gesagt eine ansehnliche Performance, Stephan Merchant kommt flügelloser Feen-Mann recht campy rüber und Julie Andrews verkörpert die strenge Chefin mit dem nötigen Charme. Auch Ashley Judd, ohnehin eine begabte Darstellerin, und deren Filmkinder Chase Ellison („Zurück im Sommer“) und Destiny Whitlock überzeugen. Doch wie so oft kommt das Ensemble auch hier nicht gegen ein schwächelndes Drehbuch und eine fade Inszenierung an.

Bedauerlich ist auch die allzu offensichtliche Art, in der Michael Lembeck und sein fünfköpfiges (!) Drehbuch-Team ihre Botschaften transportieren. Das „Du musst nur an dich glauben!“ wird mehrfach gespiegelt und so regelrecht ausgewalzt: Tracy muss es, weil er keine Flügel hat. Der kleine Randy muss es, weil er an einem Gitarrenwettbewerb teilnehmen will. Und Derek muss es, weil er immer nur auf der Ersatzbank hockt. Ein eigenständiges Mitdenken des Publikums wird hier – und auch sonst – völlig unterbunden. Vielleicht liegt es auch daran, dass „Zahnfee auf Bewährung“ den Betrachter so seltsam kalt lässt und allenfalls gegen Ende mal kurz lauwarm wird.

Die zentrale Figur sowie der Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist natürlich Dwayne Johnson, der als Derek Thompson die größte Entwicklung durchmacht. Seine schroffe Art, die oft verletzend wirkt, beschwört das meiste Unglück herauf und ist letztlich der Antrieb der Story. Erst nach und nach erkennt der Held sein Problem und beginnt, an sich zu arbeiten. In einem großangelegten Rundumschlag macht er dann alles wieder gut (und besser) und wird vom taktlosen Rüpel, der er einst war, zum hilfsbereiten Vorzeigemann. Und am Schluss? Da geht man aus dem Kino und ärgert sich über diese schlappe Vorstellung.
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